Der Gilden-Dienst Nr. 12-2019


Fair Traders


von Nino Jacusso

(REM, Kinostart 28. März 2019)

Eines scheint inzwischen sicher zu sein: wenn wir noch sehr lange so weitermachen mit der Luftverschmutzung, mit dem Plastikverbrauch, mit der Nichtbeachtung der Klimabedingungen, mit der Rodung der Wälder, mit der Verschmutzung der Meere, mit den Pestiziden in der Landwirtschaft, mit der Ausrottung der Bienen, mit dem Absterbenlassen der Heilpflanzen und Blumen, mit der Vernichtung der Insekten, mit der Produktion von Müll, mit der tonnenschweren Vernichtung nicht verkaufter Lebensmittel  usw. – dann wird das wird das Leben auf der Erde in nicht allzu langer Zeit sicherlich problematischer werden.

Also bedarf es der Umkehr. Und dieser Schweizer Film zeigt dafür schöne Beispiele.  Es geht um wenige und sehr spezielle Fälle, aber es ist der richtige Geist der dahinter steht.

Das mittelschweizerische Dorf Küttigkofen. Dort eröffnete Claudia Zimmermann unter Aufopferung all ihrer finanziellen Möglichkeiten einen Dorfladen. Sie verkauft ausschließlich Bio-Produkte, und das fordert auch ausnahmslos die bäuerlichen Lieferanten. Sie tat dies, obwohl die dörflichen Strukturen nicht mehr so sind wie früher und obwohl der Einzelhandel sich immer schwerer tut, sogar vom Niedergang bedroht ist.

Sina Trinkwalder, Augsburg. Sie hatte von ihrer Arbeit in der  alles beherrschen wollenden Werbung die Nase voll und gründete unter einiger Mühe aber mit großem Erfolg eine ziemlich ungewöhnliche Textilfirma, in der ausschließlich Bio-Baumwolle verarbeitet wird. Außerdem nimmt sie Arbeiterinnen auf, die an anderen Orten keine Anstellung erhielten; schließlich garantiert sie allen eine Beschäftigung ohne drohende Kündigung.

Wer bietet mehr?

Diese Bio-Baumwolle liefert u. a. der Schweizer Patrick Hohmann, der sowohl in Indien als auch in Tansania  dortige Bauern dazu brachte, ohne Pestizide zu arbeiten. Der Erfolg ist erstaunlich, wenn dies auch angesichts der riesigen nicht oder noch nicht einbezogenen Produktionen nur als bescheidener Anfang betrachtet werden kann.

Immerhin zeigt er den richtigen Weg, bei dem nicht in erster Linie der Gewinn entscheidend ist sondern wie bei den anderen hier geschilderten Personen und Fällen Fairness, Ethik, soziale Zusammenarbeit und Recycling.

Eindrucksvoll, vielfältig und authentisch zeigt dieser Dokumentarfilm die genannten Beispiele. Wer da nicht ins Grübeln kommt, dem ist nicht zu helfen!  Jeder sollte den Film sehen!

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.




Ein Gauner und Gentleman


von David Lowery

(DCM, Kinostart 31. Januar 2019)

Es geht um die wahre Geschichte des Forrest Tucker, der einen ganz speziellen Beruf hatte: nämlich Bankräuber.

Mit seinem gleichzeitig raffinierten und eleganten Auftreten, wobei natürlich immer eine Waffe im Anzug versteckt war, schaffte er es oft, die Tankstellen-, Laden- oder Bankangestellten zu übertölpeln und Beute zu machen. Ab und zu wurde er von zwei „Mitarbeitern“ unterstützt.

Mit dem Gefängnis machte er oft Bekanntschaft, doch immer wieder brach er aus, zwischen der Pubertät und dem Alter über ein Dutzend mal. Das ging soweit, dass John Hunt, der Detektiv, der zuletzt auf ihn angesetzt war, Tucker sogar heimlich bewunderte.

In diesem Film werden ein paar seiner „Geschäfte“ vorgeführt, die jeweils auf eine ausgeklügelte Weise verliefen. Denn er war gut ausgestattet, wahrscheinlich auch mit einem Gerät, mit dem er den Polizeifunk abhören konnte. Ohne ein „Thank You“ ging er nach getaner „Arbeit“ jedoch nie weg. Irgendwann wurde er nach einer Verfolgungsjagd dann doch geschnappt und kam wieder einmal ins Gefängnis – wo er 2004 mit 83 Jahren auch starb.

So ganz allein wollte er auch nicht sein, weshalb er in einem Café eine Dame ansprach, die sich nach einem gewissen dem Anstand geschuldeten Zögern ihm auch anschloss. Ein wenig Sympathie und Liebe ist daraus trotz Tuckers ungewöhnlichem und nicht ganz ungefährlichem Beruf  dann schon geworden.

Man kann allerdings nicht sagen, dass dies von der Geschichte, der Handlung oder der Dramatisierung her ein großartiger Film sei. Aber mit ihm ist doch etwas ganz Besonderes verbunden. Dieser Forrest Tucker wird nämlich von Robert Redford gespielt – und dabei handelt es sich erklärtermaßen um seinen letzten Film. Dass es um den Schwanengesang dieses charismatischen Mannes und Schauspielers geht, macht schon ein wenig nostalgisch, denn er hat wichtige und bewegende Filme gedreht, die zum festen Bestand auch künftiger Zeiten gehören.

Und noch etwas Positives: Die Dame, von der oben die Rede ist, wird von Sissi Spaceck verkörpert, die man im Kino leider lange nicht sah. Redford und Spacek sind ein Spitzenpaar!

Kein ganz großer aber ein überaus sympathischer Film.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.




Gestorben wird morgen


von Susan Gluth

(Gluthfilm, Kinostart 28. März 2019)

Ziemlich einmalig ist das: In der Wüste Arizonas gibt es die Seniorenstadt „Sun City“. Großzügige (wenn auch vereinheitlichte) Häuser, sonniges Wetter, gepflegte Gärten, breite Straßen. Für Ordnung wird von den freiwilligen Hilfssheriffs gesorgt.

Einer Schule bedarf es nicht, denn wenn man jünger ist als 55 kann man da sowieso nicht wohnen. Kitty und Roger, Jan und Mike, Dee und Dutsch, Earl und Olive oder Betty-Jane und Kelly und wie sie alle heißen – Ehepaare und Alleinstehende.

Einen Friedhof gibt es natürlich auch („Plätze bereits gekauft“), denn manche wissen, dass sie nicht mehr allzu lange da sein werden. „Es wird passieren“, wird einmal gesagt. Natürlich sind manche einsam („Alter bedeutet Stille“), fühlen sich krank, es droht Alzheimer oder der Entzug des Führerscheins. „Mit einem Fuß im Grab“, wird einmal gesungen. Aber auch: „Wir kommen nach Sun City um zu sterben, doch bis dahin haben wir Spaß.“

Überwiegen tut also weitgehend die positive Einstellung. Sie fühlen sich als Gemeinschaft, helfen einander, spenden Geld, tanzen, singen, veranstalten Shows, schwimmen, töpfern, fahren Motorrad, machen Gymnastik, betreiben sowieso die verschiedensten Sportarten, studieren am Computer, haben noch Sex, besuchen sich, beten auch gemeinsam – alles wichtige lebenserhaltende Dinge.

 „Leben ist eine heilige Geschichte“, sagt Abraham Meth einmal. „Alter kann auch Glück sein“, heißt es an anderer Stelle.

Man kann es der Regisseurin hoch anrechnen, dass sie ein Thema aufgegriffen hat, dass viele möglichst von sich wegdrängen. Doch es nützt ja nichts; irgendwann geht jedes Leben  zu Ende.

Susan Gluth hat die Schauplätze, die vielen Gespräche und Äußerungen, die Hobbys und Shows  professionell inszeniert. Gut so!

(Eines sollte man gedanklich trotzdem nicht ganz unter den Tisch fallen lassen: Wer sich Sun City leisten kann, verfügt über die nötigen Mittel. Aber es gibt natürlich auch Millionen alter Menschen, die von so etwas nur träumen können.)

Interessierten in Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.




Prinzessin Emmy


von Piet de Rycker

(Universum, Kinostart 28. März 2019)

Der König von Kandis heißt Karl, die Königin Karla. Sie sind die Eltern von Prinzessin Emmy. Diese hat von ihrer Ahnin Karlotta, die einst Pferde vor einem Sturz von einer Klippe rettete, die dafür erhaltene Gabe geerbt, mit Pferden sprechen zu können.

Das ist jedoch letztlich nur möglich, wenn das Buch, in dem von Karlotta alles aufgezeichnet wurde, nicht verloren geht, zudem nur dann, wenn die Prinzessin etwas Gutes vollbringt und sich so dieser Gabe würdig erweist..

Aber gerade diese Gefahr besteht nun. Denn Emmys Freund David kommt plötzlich mit einer mit allerlei geheimnisvollen Zeichen versehenen Pergamentseite aus dem Buch angelaufen, in dem Karlotta alles aufschrieb.

Und jetzt schwebt die Buchseite auch noch davon und erlischt.

Emmy möchte nun, um rasch alles wiederzufinden, zu Karlottas altem, blumenumranktem  Schloss reiten. Doch ganz so einfach ist das nicht. Denn in zehn Tagen findet der Prinzessinnenball statt, zu dessen Vorbereitung König Karl den Benimmlehrer Cerimonata engagiert hat; für dessen Übungsprogramm mit Lächeln, Klavierspielen und elegantem Tanzen bräuchte es viel Zeit.

Außerdem ist Emmys Kusine Gizana eingetroffen, und mit der ist nicht gut Kirschen essen. Es gibt denn auch laufend  Schwierigkeiten mit Karlottas magischem Buch und vor allem mit der entscheidenden Pergamentseite, die von Gizana schlimmerweise sogar einmal zum Müll geworfen wird.

Was muss Emmy Gutes tun, um sich der Gabe, mit ihren vielen Pferden sprechen zu können, würdig zu erweisen? Nun, sie rettet ihrer Kusine, die Emmy immer wieder zu täuschen und sogar zu bestehlen versucht und später von einer Brücke in einen tiefen Abgrund zu stürzen droht, das Leben.

Eine bessere Tat gibt es nicht.

Ein in traditioneller Animationsmanier handlungsreich gestalteter Film mit Schlossbewohnern, einem Geist, rassigen Pferden, fantasievollen Schauplätzen wie Schlossruinen und Zauberhöhlen sowie reichlich Zuckerguss . . .  

. . . der Kindern und wohl vor allem ganz jungen Mädchen sicherlich gefallen wird.          






zum Download
Datum: 18.03.2019


Drucken