Der Gilden-Dienst Nr. 23-2018


Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes

(leider wegen der Sperrfrist erst morgen frei)





Sternenjäger – Abenteuer Nachthimmel

Von Christian Schidlowski, Rohan Fernando, Hannah Leonie Prinzler, Sebastian Kentner, Johannes Backes

(Universum, Kinostart 14. Juni 2018)

Oft ist der Himmel bedeckt, außerdem sind unsere Städte viel zu hell erleuchtet. Resultat: Man nimmt den Sternenhimmel kaum wahr. Hat man diesen Film gesehen, wird das vielleicht ein wenig anders.

Erzählt wird von einem halben Dutzend am Firmament besonders Interessierten. Sie bereisten den ganzen Globus von der Arktis bis nach Australien, von Indonesien bis nach Chile, von  Kanada bis Norwegen.

Mit ihren Kameras und Fotoapparaten warten sie oft Tage und Nächte, bei gutem und bei schlechtem Wetter, im Sommer wie im Winter.

Das Ergebnis sind außergewöhnliche Bilder von der Milchstraße, von Meteoriten und Sternschnuppen, vom Polarlicht oder von einer totalen Sonnenfinsternis.

Nicht minder interessant die Kommentare. Was haben die Menschen seit Jahrtausenden mit dem Himmel und den Sternen in Verbindung gebracht? Was haben die Religionen für eine Rolle gespielt? Welche wichtigen Erkenntnisse haben die Astronomen gewonnen und gewinnen sie weiterhin? Was haben sich die Astrologen zusammengereimt? Wie wichtig waren die Himmelsrichtungen und die Himmelskörper schon immer für die Seefahrt?

Hier merkt man erst, wie winzig im Vergleich zu unzähligen Sternen unser Planet ist. Und was machen wir daraus? Überlegungen dazu dürften sich nicht nur lohnen sondern werden früher oder später unabwendbar sein.

(20 Kameras erstellten über 150 Stunden Filmmaterial. Die Zeitrafferaufnahmen sind aus mehr als 50 000 Einzelbildern zusammengesetzt. Die Temperaturen bei den Dreharbeiten reichten von minus 30 bis plus 40 Grad.)

Für Interessierte ist dieser Dokumentarfilm eine wahre Fundgrube.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.





Hereditary – Das Vermächtnis

Von Ari Aster

(Splendid, Kinostart 14. Juni 2018)

Die Familie Graham in einem schönen Landhaus nahe am Wald lebend (mit einem kleinen Baumhaus, das gegen Ende des Films noch eine wichtige Rolle spielen wird).

Steve, der Vater, Annie, die Mutter, Peter, der Sohn und Charlie, die Tochter. Alles wäre in bester Ordnung, doch nun stirbt die Großmutter, Ellen.

Nach der Beerdigung untersucht Annie die Hinterlassenschaft ihrer Mutter. Und von da an geht es äußerlich und innerlich abwärts. Was kommt da als Ellens -und ihrer Vorfahren- Erbe alles zum Vorschein: Himmel, Hölle, Selbstmord, Demenz, Schizophrenie, Hysterie, Fantasie, Visionen, Tragödie, übersinnliche Kräfte, Terror – bis zu dem durch Charlie abgeschnittenen Vogelkopf.

Also Horror vom Feinsten. Allerdings muss man das Horror-Genre schon sehr lieben, um den Film auch wirklich genießen zu können.

Szenisch geschaffen ist das erstklassig: Licht/Dunkel; jede Minute eine andere Horrorsequenz; viele grausige Ideen; ein Sound, der dazu passt; rasche Montagefolgen; Unter- und Übernatürliches en masse; immer wieder Überraschungen; und jeder der Beteiligten oder Angegriffenen hat seine persönliche Eigenheit.

Dazu heißt es: „Der Film ist vage von Ari Asters (Autor und Regisseur) eigener, von Unglücksfällen und Tragödien durchzogenen Familiengeschichte inspiriert worden“.

Von den Darstellern ragt –neben den anderen Schauspielern wie beispielsweise Gabriel Byrne als Steve, die ihre Sache ebenfalls gut machen- vor allem Toni Collette als Annie hervor. Sie spielt die von Ahnungslosem, Überraschendem und Bösem heimgesuchte Frau auf beeindruckende und im Gedächtnis haften bleibende Weise.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.





Aus einem Jahr der Nichtereignisse

Von Ann Carolin Renninger und René Frölke

(Steppenwolf*, Kinostart 14. Juni 2018)

Willi, der Bauer, ist inzwischen 90 Jahre alt. Ob er je eine Ehefrau hatte, geht aus dem Film nicht hervor. Er kann sich kaum mehr bewegen, nur wenn er einen Rolli vor sich her schiebt. Einmal bekommt er zum Geburtstag Besuch. Gesprächsthema: Tod, mögliche Einäscherung.

Willi lebt mit seine Hühnern und Enten zusammen. Vieh und Feldanbau gibt es schon lange nicht mehr. Am meisten Gesellschaft bieten ihm seine schnurrenden Katzen.

Im Winter beginnt dieses Jahr der Nichtereignisse. Dann die anderen Jahreszeiten.

Der Hof zerfällt. Wohnung und Umgebung sind eher verwahrlost, abgewirtschaftet, beinahe deprimierend. Wenig Licht. Aber alles Natürliche ist noch da: der Garten, die Blumen, die Büsche, die Brombeeren, die Äpfel. Die Ästhetik der Landschaft kehrt zurück. Manches ist wie verwunschen.

Die Natur holt sich alles zurück. Das hat sein Gutes.

Willi erzählt von seiner Militärzeit während des Krieges in Italien, von den Pionieren, von Monte Casino, vom Po, in dem er oft schwamm. Von den Fliegerangriffen auch.

Fotos von früher. Hier wird Vergänglichkeit spürbar. Ab und zu Uhren. Eine Metapher für die ablaufende Zeit. Man wird unmittelbar zum Nachdenken veranlasst. Bilder von Dornen fehlen ebenfalls nicht.

Viele Filme leben von der Sensation, von der Romantik, von der technischen Perfektion. Dieser hier lebt tatsächlich total vom Nichtereignis. Aber wie gesagt, er kann sehr nachdenklich stimmen.

Von technischer  Perfektion kann man allerdings nicht sprechen. Eher von einem Experiment.

Am Ende ein umgefallener Gartenstuhl. Ist für Willi alles vorüber?





Vom Ende einer Geschichte

Von Ritesh Batra

(Wild Bunch, Kinostart 14. Juni 2018)

Tony Webster ist nicht mehr jung und außerdem geschieden, versteht sich aber mit seiner Ex-Frau Margaret, einer Anwältin, wieder ganz gut. Er führt ein typisches Junggesellendasein, verkauft in seinem kleinen Geschäft alte Leica-Kameras.

Margaret leidet gerade an einem gebrochenen Fuß, und so muss sich Tony auch um seine hochschwangere Tochter Susie kümmern.

Eines Tages dringt ein Brief in sein Leben, der seine Altersruhe ebenso durcheinander bringt wie seine studentische Vergangenheit.

Tony liebte einst Veronika, doch sie liebte ihn offensichtlich nicht. Sie liebte nämlich Tonys Studienfreund Adrian. Nun ist Veronikas Mutter Sarah, die Tony vor ihrer Tochter Veronika gewarnt hatte, gestorben und hat, das ergibt das Testament, Tony etwas hinterlassen. Was? Adrians Tagebuch. Veronika gibt dieses Tagebuch, das Tony zusteht, aber nicht heraus. Warum?

Tony und Veronika treffen sich. Während ersterer beinahe so fasziniert ist wie früher, gibt sich letztere erneut kühl und distanziert. Sie übergibt Tony zwar etwas, aber nicht das Tagebuch, sondern einen Brief, und zwar den, den Tony einst aus Enttäuschung an Adrian schrieb. Hat der –wie sich herausstellt schockierende- Brief etwas mit Adrians Selbstmord zu tun? Und wieso kommt Adrians Tagebuch von Veronikas Mutter Sarah? Was hat es damit auf sich?

Das gibt es häufig, dass etwas längst Vergangenes und Vergessenes die Gegenwart wieder aufreißt – und endgültige Klärung erfordert.

Zitat: „Wie oft erzählen wir unsere eigene Lebensgeschichte, wie oft rücken wir sie zurecht, schmücken sie aus, verheimlichen etwas. Und je länger das Leben andauert, desto weniger Leute verbleiben, die uns daran erinnern, dass das gar nicht unser Leben ist, sondern nur die Geschichte, die wir über unser Leben erzählt haben – anderen, aber vor allem uns selbst.“

So ist das auch mit Tonys Leben. Vielleicht war doch alles ein wenig anders, als er das im Alter empfindet und vor Margaret dargestellt hat.

Auch der Film (der sich auf eine bekannte Buchvorlage stützt) bleibt absichtlich sehr geheimnisvoll. Was nichts daran ändert, dass er vortrefflich gestaltet ist.

Das gilt für die Lebensgeschichte, das gilt für die geschickte Montage der zwei Epochen, in denen er spielt, das gilt für das Drehbuch und die Regie, und das gilt vor allem für die Darsteller.

Jim Broadbents Tony Webster ist eine absolute schauspielerische Glanzleistung. Bedenkt man, dass er von Damen wie Charlotte Rampling (Veronika im Alter), Emily Mortimer (Sarah) und Harriet Walter (Margaret) unterstützt wird, kann man wirklich nichts Besseres verlangen.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.   

 

     



 



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Datum: 04.06.2018


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