Der Gilden-Dienst Nr. 26-2019


Geheimnis eines Lebens


von Trevor Nunn

(entertainment One, Kinostart 4. Juli 2019)

Der Filmtitel ist korrekt, denn nahezu bis an ihr Lebensende musste die Britin Melita Norwood verschweigen, was sie als junge Frau getan hatte. Das ist ihre Geschichte – ihre Filmfigur heißt Joan.

40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Joan Stanley studiert in Cambridge Physik. Die Sowjetunion und der Westen sind im Kampf gegen Hitler zwar verbündet, doch das Verhältnis ist alles andere als gut. Es wird gegenseitig spioniert auf Teufel komm raus.

Joan lernt den gut aussehenden Leo Galich kennen. Es dauert nicht lange bis die beiden, zumindest oberflächlich, sich verlieben – und im Bett landen. Leo ist Kommunist und spioniert für die Russen. Es wird gesagt er sei Deutscher.

Doch Leo ist für Joan kein Mann, mit dem sie auf die Dauer glücklich sein, der sie heiraten könnte. In seinem „Beruf“ als Spion ist er zu sprunghaft, zu oft auf Reisen, zu selten ist Verlass auf ihn. Warum lässt Joan sich dennoch einspannen?

Joan mit Physikerkollegen auf einer Reise nach Kanada. Die „Bombe“ wurde inzwischen von den Amerikanern über Hiroshima und Nagasaki eingesetzt. Joan plagen deshalb als Physikerin ernste Sorgen und Gewissensbisse. Sie ist eine menschlich intakte Frau, sieht den Frieden zwischen West und Ost zunehmend gefährdet, redet sich ein, dagegen etwas unternehmen zu müssen.

Ein neuer Mann, Kollege und Chef, ist in ihr Leben getreten. Sie liebt ihn. Er ist allerdings verheiratet, und seine Frau verweigert die Scheidung.

Doch nicht diese Situation beschäftigt Joan wirklich. Sie bildet sich vielmehr ein, dass das Gleichgewicht und der Frieden gewahrt wäre, wenn die Russen ebenfalls die Bombe hätten. So politisch schwerwiegend das ist, bei ihr kommt es aus einem zutiefst humanen Gefühl heraus. Und was tut sie? Sie überlässt den Sowjets massenweise geheimstes Material über die Atombombe..

Lange bleibt sie unentdeckt. Erst mit 87 Jahren wird alles bekannt, untersucht und sie zur Rechenschaft gezogen!

Es ist nicht nur eine Geschichte über ungeahnt große weltweite politische Auswirkungen, es ist auch eine Geschichte über die tiefgreifende Gewissensnot eines Menschen, der dann auf eine Weise handelt, wie sie riskanter nicht sein könnte.

Das ist milieuecht geschrieben und dramatisiert, historisch interessant und spannend noch dazu. Die Kinoikone Judi Dench spielt überzeugend wie immer die Joan Stanley im Alter, aber großes Glück hatte man auch mit der Actrice Sophie Cookson, die die Joan in jungen Jahren verkörpert.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.    




Apollo 11


von Todd Douglas Miller

(Piece of Magic, Kinostart 7. Juli 2019)

1969. Die Amerikaner landen auf dem Mond. 1961 hatte Präsident Kennedy zugesichert, dass dies noch im selben Jahrzehnt geschehen werde. Man wollte auch manchen Vorsprung der Russen einholen, denn immerhin war ja Kalter Krieg.

Dieser Dokumentarfilm mit viel unveröffentlichtem Material macht deutlich, was das Riesen- und Prestigeprojekt umfasste:

gewaltige Stahlkonstruktionen, wie es sie zuvor noch nie gegeben hatte; Hunderte von Wissenschaftlern und Ingenieuren, die jeden kleinsten technischen Vorgang zu überwachen hatten; eine riesige eindrucksvolle Kontrollstation; eine präzise Aufgabenverteilung; Übungen, Übungen und noch einmal Übungen; ununterbrochen die Durchgabe technischer Daten; die unmittelbare Vorbereitung und Einkleidung der drei Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins; die spannenden Stunden vor dem Start; die bange Frage, ob  wirklich alles glatt gehen würde; endlich der geglückte Start; die überwältigende Freude darüber; Tausende, die aus der Ferne alles verfolgten.

Dann die Landung auf dem Mond; der Aufenthalt dort und die Verrichtung des Geplanten; der Rückflug; die geglückte Rückkehr; die vorläufige Isolierung der Apollo-Besatzung; die Glückwünsche Präsident Nixons.

Insgesamt eine durchaus sehenswerte Dokumentation. 50 Jahre ist die erste Mondlandung jetzt her. Viele haben damals noch nicht gelebt. Für sie besonders könnte ein solcher Film, der weit über das in den üblichen TV-Sendungen Gezeigte hinausgeht, interessant sein.

Auch wenn heutzutage die Technisierung und Digitalisierung im Vergleich zu damals sehr weit fortgeschritten ist, bleibt doch erstaunlich, was damals wissenschaftlich und technisch schon geleistet wurde.

Amerikanische Pläne für eine weitere Mondlandung bestehen übrigens bereits.

Für Interessierte.




Kroos


von Manfred Oldenburg

(NFP, Kinostart 4. Juli 2019)

Ein ausgewachsener Dokumentarfilm über einen Fußballer? Ja. Verdienst er ihn? Ja. Toni Kroos ist tatsächlich einer der besten Fußballer der Welt.

Geboren ist er in Greifswald oder in der Nähe. Schon von Kind an spielte er Fußball. Der Vater war mit der erste Trainer. Ziemlich bald stellte sich heraus, dass Toni begabt ist. Die ersten Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten.

Reichte es zum Profifußball? Ja. Es gibt nichts Schöneres, als wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann. Die Unterstützung der Familie fehlte nie, auch wenn es zuweilen Differenzen zwischen Vater und Sohn gab.

Heute hat Toni Kroos Frau und Kinder. Er liebt seine Familie. Es gibt in diesem Film rührende Bilder dazu. Er nimmt für kurze Zeit lieber einen Nachtflug in Kauf als die Seinen nicht sehen zu können.

Der FC Bayern wurde auf ihn aufmerksam. Mit 17 kickte er schon in München. Es ist ewig schade, dass das Verhältnis zwischen dem Club und ihm nicht immer das beste war. Nach Ablauf des Vertrages bot man ihm schließlich zu wenig, als dass er und seine Berater hätten einverstanden sein können. Eine Torheit. Der Club wird es ewig bereuen.

Nun spielt er halt bei Real Madrid, einem der besten Fußballvereine der Welt. Er beherrscht zuverlässig das Mittelfeld zwischen der Verteidigung und dem Angriff.

Spiele, Tore, Siege, ein aus dem Häuschen geratenes Publikum, der Film ist voll davon. Man sieht, welche eleganten, klugen, sicheren Pässe er schlägt, nicht hektisch doch schnell genug und wohlüberlegt. Er ist aufgrund der Qualität seines Spiels und seines Talents berühmt geworden. Und bleibt doch bescheiden, drängt sich nicht ins Licht wie viele andere. Er hilft schwerstkranken Kindern mit einer Stiftung. Bravo, Toni Kroos.

Die Kollegen, Trainer und führenden Sportjournalisten sind voll des Lobes – Zinédine Zidan, Pep Guardiola und Jupp Heynckes oder Marcel Reif und Matthias Sammer, Uli Hoeneß und Robbie Williams nicht zu vergessen - alle haben sie am Dreh teilgenommen, um sagen zu können, wie sehr sie Toni beruflich und menschlich schätzen.

Zinédine Zidane: „Es ist ganz einfach. Ich habe ihn nie einen Ball verlieren sehen, vielleicht mal einen. Sein Spiel war immer elegant, effizient. Er hatte nie einen schlechten Tag. Er liebt es zu spielen. Er will immer spielen. Das ist etwas, was Toni und mich verbindet. Die Liebe zum Spiel. Für mich kommt das Spiel an erster Stelle. Gewinnen, klar. Aber spielend. Ich denke, das haben wir gemeinsam.“

Jupp Heynckes: „Auf seiner Position gehört er zu den zwei besten Mittelfeldspielern der Welt. Er sieht alles.“

Joachim Löw: „Er ist völlig in der Mitte...wenn man mit Toni spricht, dann strahlt er eine wahnsinnige Überzeugung und Zuversicht aus.“

Für Fußballliebhaber ein Muss.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.




Nonna Mia


von Giancarlo Fontana und Giuseppe G. Stasi

(eksystent Filmverleih, Kinostart 4. Juli 2019)

Die Oma ist eine fromme Frau. Überall in ihrer Wohnung hängen Kreuze, Heiligenbilder und solche von den letzten Päpsten. Sie heißt Birgit und stammt ursprünglich aus Niedersachsen. Die Frömmigkeit nützt jedoch nur bedingt, die Oma stirbt.

Claudia ist die Enkelin. Sie ist Kunstrestauratorin. Ein schöner Beruf, der aber offenbar nicht genug einbringt.- Claudia kann ihr Geschäft nur beibehalten, wenn die Rente der Oma zugeschossen wird. Was tun? Mit ihren beiden Freundinnen berät sie sich. Es gibt nur eine Möglichkeit, die Rente muss weiter fließen. Es muss demnach so getan werden, als sei Birgit noch am Leben. Die Lösung: Der Leichnam kommt in die Tiefkühltruhe. Das ist zwar ebenso unmoralisch wie illegal, aber es geht nicht anders.

Irgendwann ist Steuerprüfung. Der übereifrige Finanzpolizist Simone will mit der Oma sprechen. Doch die ist verständlicherweise nicht da sondern „verreist“. Was kann nun geschehen? Auftauen? Wegbringen?

Zu allem Überfluss kommt jetzt noch der alte Augusto von irgendwo her, der Birgit schon seit 50 Jahren liebt, und der jetzt, da seine Frau gestorben, Birgit endlich unbedingt heiraten will.

Die Freundinnen bringen die Oma in einem Transporter weg - „Birgit kann sich wenigstens bei einem Unfall nicht verletzen“ -, doch da springt unterwegs die Türe auf, und sie verlieren den Leichnam. Es wird immer schlimmer.

Simone allerdings hat es längst mehr auf Claudia abgesehen als auf sein Amt, das Auffinden der Oma oder die Festnahme eines Gangsters, der 30 Morde in Auftrag gegeben haben soll.

Claudia hat sich ebenfalls angenähert. Die beiden gestehen  sich, was sie in der Vergangenheit Schlimmes getan haben – Claudia die Sache mit der Leiche und er, dass er bei seiner Frau, einer Zahnärztin, haufenweise die Berechnung falscher Füllungen öffentlich machte.

Inzwischen ist Claudia schwanger, von Ehe ist ebenfalls die Rede.

Die Rente der Oma lässt noch auf sich warten. Vielleicht muss ihre Leiche doch noch einmal tiefgefroren werden.

Eine italienische Komödie. Sie gefällt sehr wegen vieler lustiger Handlungsverwicklungen, immer neuer Ideen, passender, großenteils ausgezeichneter Dialoge und auch deshalb, weil die Hauptdarsteller, Männlein wie Weiblein, das perfekt spielen.

In Filmkunsttheatern und Programmkinos sehr gut möglich.


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Datum: 24.06.2019


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