Der Gilden-Dienst Nr. 27-2019
Unsere große kleine Farm

von John Chester

(Prokino, Kinostart 11. Juli 2019)

John und Molly Chester ändern ihr Leben. Sie verlassen Los Angeles und kaufen eine Autostunde entfernt 81 Hektar Land. Sie werden Bio-Bauern.

Aber das Land ist öde und leer. Sie müssen mit ihrer Hände Arbeit alles neu aufbauen. Das wird Jahre in Anspruch nehmen.

Doch schon treiben die ersten Pflanzen, wachsen die ersten Bäume, springen die ersten Tiere herum. Für alles muss gesorgt werden: für das Wasser, den Kompost, die ersten Nutztiere wie Hunde, Kühe, Bullen, Schafe, Schweine, Hühner, Enten, Bienen, sogar Eulen. Maden, Schnecken und Fliegen fehlen nicht.

Bis die Kojoten kommen. Gefahr!

An die 70 Obstsorten gibt es bereits. Es regnet zu lange nicht. Dann wieder hört der Platzregen nicht mehr auf. Waldbrände spielen sich in gefährlicher Nähe ab.

Die Krönung: Die Chesters bekommen ihr erstes Kind.

Nach den verheerenden Fehlern, die bisher in den verschiedensten Bereichen auf der Erde gemacht wurden, scheint sich die Denkweise umzukehren. „Bio“ heißt ein Zauberwort. Das gilt in erster Linie für die Landwirtschaft. Bei aller Sorge um die zunehmende Erdbevölkerung und den damit verbundenen erhöhten Ernährungsbedarf muss und wird letztlich die Bio-Landwirtschaft die Oberhand gewinnen.

Das ist das Bedeutende an diesem Film, in dem einem alles vor die Augen und vor die Seele tritt: das All, die Natur, die Schönheit, die Pflanzen, die Tiere, das Leben schlechthin, die Gefahren und auch der Tod.

Ein besinnlicher, lebensnah gestalteter, schöner Film.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.

 

Rebellinnen - Leg dich nicht mit ihnen an!

Von Allan Mauduit

(Concorde, Kinostart 11. Juli 2019)

Sandra, Nadine und Marilyn arbeiten in der Fischfabrik. Sie verpacken vorbereiteten Fisch in Konservendosen. Sandra war einmal regionale Schönheitskönigin. Nadine ist eine gestandene Hausfrau, die mit ihrem Franck zusammenlebt. Marilyn kümmert sich neben der Arbeit um ihren etwa 12/13jährigen Sohn.

Eines Abends sind die drei noch allein in der Fabrik, vielleicht so etwas wie eine Nachtschicht. Oder sind sie doch nicht allein? Tatsächlich. Der Chef ist noch da – und der geht auf die schöne Sandra los, will sie vergewaltigen. Es kommt zum Kampf; danach ist der Chef tot, und außerdem hat ihm eine schwere zugeschlagene Tür den halben Penis abgetrennt.

Die drei finden im Schließfach des Toten Geld, viel Geld. Sie wollen es teilen und zunächst natürlich schweigen. Ein wenig geben zwei der Frauen dann doch aus – für ein neues Auto und für geschuldete Miete -, und das fällt auf. Jetzt wird die Polizei aufmerksam, aber vor allem die belgischen Drogengangster, denen das Geld eigentlich zusteht.

Die drei Damen kommen in erhebliche Schwierigkeiten. Wie jede sich herauszuwinden versucht, wie die Gangster zunächst die Oberhand gewinnen, wie Sandras Vater in die Klemme kommt, wie Marilyns Bub die Polizei unbemerkt alarmiert, wie bei einer höllischen Schießerei nur die „Guten“ übrigbleiben – und ob Sandra schließlich mit dem Geld (und einem Kerl) doch noch abhauen kann, das bildet die Haupthandlung.

Um es vorweg zu sagen: ein köstlicher Film!

Die Ideen, die Verwicklungen, der durchgehende Witz, die Drehbuchqualität, das Tempo, die Montage, die flüssige Regie, die schauspielerischen Leistungen der drei Frauen, der Cécile de France als Sandra, der Kino-Ikone Yolande Moreau als Nadine sowie der Audrey Lamy als Marilyn sind so gut, dass man wirklich von einer Spitzenunterhaltung sprechen kann.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.

 

My Days of Mercy

von Tali Shalom-Ezer

(Kinostar, Kinostart 11. Juli 2019)

Die Geschwister Martha, Lucy und der kleine Benjamin müssen allein zurechtkommen, denn die Mutter wurde vom Vater umgebracht, und der sitzt im Gefängnis.  Dass er seine Frau getötet hat bestreitet er; dennoch wurde er zum Tode verurteilt. In vier Monaten wird die Hinrichtung sein.

Martha bemüht sich natürlich um einen befreundeten Anwalt, doch vergebens. In manchen Staaten der USA wird die Todesstrafe eben noch vollstreckt.

Die Geschwister ziehen oft im Land umher, gesellen sich zu den Demonstranten, die gegen die Todesstrafe sind. Da stehen sich dann Befürworter und Ablehnende gegenüber. Zu denen, die die Vollstreckung verlangen, gehört auch die junge (und hübsche) Mercy. Ein Kollege ihres Vaters, der Polizist ist, wurde getötet. Und auf Polizistenmord steht in den Vereinigten Staaten in der Regel eben die Todesstrafe.

Obwohl Lucy und Mercy gegensätzliche Ziele verfolgen, freunden sie sich nicht nur an sondern beginnen ein Liebesverhältnis.

Marthas, Lucys und Benjamins Vater wird hingerichtet. Blutspuren waren ein eindeutiger Beweis gegen ihn.

Zwei Themenschwerpunkte sind erkennbar. Zunächst das (sogar sexuell aktive) freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden Mädchen. Sie sind zunächst absolut konträrer Haltung, nähern sich jedoch vollkommen an. Das kann in Sachen Vollstreckung der Todesstrafe einen Weg zur gegenseitigen Verständigung signalisieren.

Insofern wäre es eine Art Aufruf.

Dann die juristische Situation. Einige US-Staaten denken gar nicht daran, die von der jeweiligen Jury ausgesprochenen Todesurteile zu missachten. Sollten solche Urteile der Vergangenheit angehören? Oder sind sie gerechtfertigt und gar notwendig?

Diese Fragen sind noch unbeantwortbar.

Dramatisiert ist das alles auf eine durchaus eingängige Weise. Die beiden jungen Damen Lucy (Ellen Page) und Mercy (Kate Mara) stellen zudem ihre Rollen sehr überzeugend dar.

In Filmkunsttheatern und Programmkinos sehr gut möglich.

 

Kursk

von Thomas Vinterberg

(Wild Bunch, Kinostart 11. Juli 2019)

Jahr 2000. Russland hat sich vom Zusammenbruch der Sowjetunion noch lange nicht erholt. Auf die militärische Stärke hat dies einen großen Einfluss.

Das U-Boot „Kursk“ wird für eine Manöver-Fahrt flott gemacht. Es gehört zur russischen Nordflotte. Übungsgebiet: Barentsee.

Die Mannschaft – über 120 Mann – bereitet sich ebenfalls vor. Doch zuvor feiern Pawel und seine junge Frau noch Hochzeit. Die Freunde freuen sich. Zuerst wird die Ehe in der Kirche gesegnet, danach wird wild drauflos gefeiert.

Jetzt ist die Kursk unterwegs. Zunächst läuft alles glatt. Dann fällt Pawel die Temperatur an einem der Torpedos auf. Sie ist zu hoch. Er meldet es. Doch der zuständige Offizier schenkt dem nicht genügend Beachtung.

Dann eine starke Explosion. Das defekte Torpedo hat die meisten Kammern des U-Bootes sehr stark beschädigt. Überall tritt sofort eine Menge Wasser ein. Das Schiff sinkt auf den Meeresgrund.

Zwar kann die russische Admiralität schnell informiert werden, doch die Rettungsmöglichkeiten sind gering. Es fehlen Ersatzteile, das entsandte Rettungsboot kann an der Kursk nicht andoggen. Es vergehen Tage.

Internationale - vor allem britische – Hilfe lehnt Russland aus Angst vor Spionage ab. Viele Mitglieder der Besatzung sind bereits tot. In die U-Boot-Kammer 9 konnten sich Matrosen noch retten. Doch wie wird das Drama enden?

Der Film hat nach Auskunft der Macher an der damaligen Realität einige Änderungen vorgenommen, doch das meiste ist tatsächliche Begebenheit. Der gewaltige technische Betrieb im Boot, der Zusammenhalt der Mannschaft in der allergrößten Not, das Versagen der Rettung, die unverständliche Haltung der russischen Admiralität, die Ablehnung der britischen Hilfe, die letzten Stunden der Mannschaft, das verständliche und sehr heftige Aufbegehren der Matrosenfrauen, die falsch informiert und lange hingehalten werden. . .

. . . all das ist doch ziemlich realistisch und glaubhaft geschildert.

An bekannten Schauspielern haben die Macher dieser internationalen Produktion keineswegs gespart. Colin Firth, Peter Simonischek, Max von Sydow, die Französin Léa Seydoux, der Belgier Matthias Schoenaerts und August Diehl oder Matthias Schweighöfer sind mit ihren bekannten darstellerischen Fähigkeiten dabei.

Eine wahre Tragödie. 71 Kinder, wird gesagt, haben ihre Väter verloren.

Filmkunsttheatern und Programmkinos zu empfehlen.  

 

     

 

 

 

  

 

 

 

 
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Datum: 01.07.2019


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