Der Gilden-Dienst Nr. 41-2018


Moritz Daniel Oppenheim


von Isabel Gathof

(RealFiction, Kinostart 25. Oktober 2018)

Dies ist die Geschichte des jüdischen Malers Moritz Daniel Oppenheim, der im 19. Jahrhundert, abgesehen von seinen vielen Reisen in alle Welt, in Hanau und in Frankfurt lebte und arbeitete.

Jahrhundertelang wurden die Juden für schuldig befunden, missachtet, in Gettos gesperrt, verfolgt und getötet. Nur langsam - von den unbegreiflichen Verbrechen der Nazis einmal abgesehen – verschwand die Diskriminierung, nur langsam kam es zur Aufklärung, zur  Emanzipation. Dies war ein allgemeiner politischer und gesellschaftlicher Prozess, aber er war eben auch zurückzuführen auf große jüdische Persönlichkeiten – und zu diesen gehörte Moritz Daniel Oppenheim.

Obwohl standhaft jüdisch fromm, obwohl mit seiner Familie die Feste und Rituale seiner Jahrtausende alten Religion feiernd, identifizierte er sich mit Deutschland, spielte bei ihm die deutsche Kultur, der christlich-jüdische Dialog, der Religionsaustausch offenbar eine wichtige Rolle. Auch seine Bilder mit christlichen Motiven dürften ein Beweis dafür sein.

(Allerdings bekam er bei einem Wettbewerb für ein Bild mit einem christlichen Thema nur deshalb nicht den ersten Preis, weil er Jude war.)

Er malte bis ins hohe Alter wunderbare Genrebilder – Schönhit, Frömmigkeit, Tradition - im Nazarener-Stil, wie beispielsweise den „Segen des Rabbi“. Wertvolles Bildmaterial ist in diesem Dokumentarfilm zu sehen. Vor allem das Großbürgertum war seine Kundschaft. Doch er war auch mit Goethe in Verbindung, illustrierte dessen „Hermann und Dorothea“. Seine heutigen Nachfahren wie etwa seine Ur-Ur-Ur-Großenkelin Patricia Lewin sind stolz auf ihn. Im alten jüdischen Friedhof zu Hanau befindet sich sein Grab.

Und seit noch nicht allzu langer Zeit steht in Hanau eine Skulptur Oppenheims. Im Film wird auch ausführlich gezeigt, wie der Bildhauer die Figur schuf und wie das Standbild dann gegossen wurde. Die Stadt Hanau, das spürte man bei der Einweihung der Statue, empfindet all dies als eine Bereicherung.

Ein persönlich, künstlerisch, theologisch und auch politisch-gesellschaftlich nicht unwichtiges Lebensbild, das man sich mit Gewinn zu Gemüte führen sollte.




Nanouk


Von Milko Lazarov

(Neue Visionen, Kinostart 18. Oktober 2018)

Wie in unserer schnellen, materiellen, auf allen Sektoren überfrachteten Welt noch existieren?

Manche ziehen sich zurück wie der Rentierhirte Nanouk und seine Frau Sedna, die in einer einfachen Felljurte im nördlichen Sibirien leben, wo es nur Eis und Schnee und totale Einsamkeit gibt. Die beiden lieben sich, das spürt man, aber sie reden wenig, arbeiten, versuchen zu fischen – karger könnte ihr Leben nicht sein.

Die Tochter Aga ist längst aus dem Haus. Sie arbeitet in der weitab gelegenen Diamantenmine. Selten kommt Chena vorbei, ein junger Mann und die einzige Verbindung zur Zivilisation.

Die Schneeschmelze setzt eher ein als in früheren Zeiten, und manchmal findet Nanouk im Schnee Tiere, die an einer unbekannten Krankheit verendet sind. Offenbar Anzeichen einer sich verändernden und sich verschlechternden Welt.

Sedna leidet an einem handflächengroßen Geschwür. Außer einer selbstgefertigten Salbe gibt es in dieser Einöde keine Hilfe. Sie überlebt die Blutvergiftung denn auch nicht.

Jetzt kann Nanouk nur noch aufbrechen. Er will seine Tochter noch einmal sehen.

Die Natur ist es, die hier eine dominierende Rolle spielt. Da wo Sedna und Nanouk leben, konnte der Mensch sie gottlob noch nicht zerstören. Das tut gut, und das ist wohl auch die Summe der Ideen die den Filmemachern vorschwebten und die auch beim Betrachter des Films auftauchen: Vor der heutigen Massenhysterie kann und muss der Mensch sich zuweilen in das Alleinsein retten.

Die Naturaufnahmen sind beeindruckend, die symphonische Begleitmusik sogar außerordentlich schön. Das Thema ist aktueller, als viele es wahrhaben wollen. Gespielt wird künstlerisch perfekt.

Man muss sich allerdings dem Rhythmus des Films unterordnen und die nötige innere Muße mit ins Kino bringen.

Dann ist das Ganze für Filmkunsttheater und Programmkinos empfehlenswert.




Hunter Killer


von Donovan Marsh

(Concorde, Kinostart 25. Oktober 2018)

Der Film spielt in arktischen Gewässern. A propos arktische Gewässer: Unter dem Eis scheinen wichtige Bodenschätze zu liegen. Die Ansprüche sind umstritten, niemand weiß so genau, wer welche Rechte hat. Es kann also gut sein, dass wie hier einerseits russische und andererseits amerikanische U-Boote das Gebiet kontrollieren wollen.

(So ganz ungefährlich ist das übrigens auch anderswo nicht, wenn man beispielsweise liest, dass wegen eines Seemanövers Russland unlängst das östliche Mittelmeer abgesperrt hat.)

Hier geht es also um die Arktis. Ein wenig erinnert der Film übrigens an den Kalten Krieg. Kurz die Handlung: Ein abtrünniger russischer General hat den Präsidenten seines Landes entführt. Nicht ein russisches U-Boot rettet ihn, sondern ein amerikanisches.

Aber nicht die Story ist in diesem Falle das Wichtigste sondern die Machart. Denn es wurde mit Hilfe des Pentagons mit erheblicher technischer und administrativer Unterstützung ein spektakuläres und komplexes doch ziemlich dynamisches und authentisches Bild gestaltet: die überbordende komplizierte Technik; das Katz-und-Maus-Spiel der „gegnerischen“ U-Boote; die Verfolgungen in der dunklen Meerestiefe; die Gefahr; die Angst; die Spannung; die Hektik; die ständigen Torpedoangriffe; das Feuer im Inneren des Schiffes; das eindringende Wasser; die Klaustrophobie; die komplizierten Entscheidungen. . .

. . . aber auch der Überlebenswille, die faire Behandlung der gefangenen Russen oder der gegenseitige Respekt der „alten Schule“ zwischen den beiden Kapitänen.

Hollywoods übliches Amerika-Hochgefühl nicht zu vergessen.

Montiert ist die Sache professionell, und gespielt wird hervorragend. Vor allem Gerard Butler als Kapitän der USS Arkansas ist da zu nennen, aber auch Gary Oldman und der inzwischen leider verstorbene Michael Nyqvist.

Fans solcher militärischer Thriller kommen auf ihre Kosten.




Krystal


von William H. Macy

(Kinostar, Kinostart 18. Oktober 2018)

Der junge Taylor Ogburn ist herzkrank. Das bedeutet vorsichtig leben und sich beispielsweise auch nicht verlieben. Dann geschieht es doch. Am Strand fällt Taylor in Ohnmacht und wird von der Ex-Prostituierten Krystal gerettet, die sich gerade im Streit von ihrem Ex-Lover getrennt hat.

Er kommt ins Krankenhaus und wird von einem Arzt gepflegt, der zuerst viel redet und dann erst heilt.

Taylor hat sich in Krystal verliebt. Die weist ihn aber ganz schön ab. Sich in die falsche Frau verlieben – soll es schon gegeben haben. Sie ist Alkoholikerin. Also gibt sich Taylor ebenfalls als Alkoholiker aus. Als das wieder nicht funktioniert, macht er auf Macho mit Motorrad und entsprechender Aufmachung. Gute Ratschläge bekommt er von Vera, der Chefin der Galerie, in der Taylor arbeitet.

Krystal hat einen Sohn, der im Rollstuhl sitzt. Wenn sich Taylor mit diesem anfreundet, kommt er vielleicht eher ans Ziel. Das scheint zu klappen.

Denn schließlich lässt sich Krystal doch erweichen, besucht sogar Taylors Familie. Aber stimmt das, dass Taylors Vater Wyatt schon einmal etwas mit Krystal hatte? Und wie reagiert die Mutter des Jungen darauf?

Trotz alledem dominiert Taylors Liebe.

Auch wenn der Film seinen Erfolg, der bis jetzt offenbar ausblieb, erst noch wird beweisen müssen, gibt es immerhin einige wenige gute Ansätze: wie das Thema der Liebe zwischen zwei derart unterschiedlichen Menschen; oder nach längerer Zeit das Wiedersehen mit der sympathischen Kathy Bates.                        


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Datum: 08.10.2018


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