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Diskussionen um FFA-Förderleitlinien
(14.7.2017)
Wohl als Reaktion auf eine Kolumne von Frederic Jaeger vom Verband der Filmkritik  auf SPIEGELonline hat die Bundeskulturministerin Monika Grütters "die angestrebte zukünftig sehr viel stärkere Ausrichtung der FFA an rein wirtschaftlichen Kriterien bei der Entscheidung über die Förderung eines Filmprojekts" kritisiert. Ein solcher Förderansatz werde dem deutschen Kinofilm als Kultur- und Wirtschaftsgut in seiner Vielfalt nicht gerecht und sei kulturpolitisch auch nicht geboten. Grütters weiter: "Die sehr erfreulichen deutschen Beiträge und Erfolge in den letzten Jahren in Cannes zeigen dies deutlich. Die Förderung von Filmen wie Maren Ades ´Toni Erdmann´ oder auch Fatih Akins ´Aus dem Nichts´ oder Valeska Grisebachs ´Western´ stünden auch der FFA weiterhin gut zu Gesicht.“ Der Vorstand der AG Kino-Gilde hat die "Leitlinien" der FFA mitgetragen und betont dazu:
NACHTRAG: In einer Pressemitteilung vom 17.7. begrüßt die AG Verleih die Kritik der Ministerin und fordert sie auf darauf hinzuarbeiten, "dass die Grundsätze Wirtschaftlichkeit und Kultur sich auch in Zukunft in den Förderentscheidungen der FFA widerspiegeln".
Der Vorstand der AG Kino-Gilde hat die "Leitlinien" der FFA mitgetragen und betont dazu:

Auch der Vorstand der AG Kino setzt sich für eine Stärkung des kulturell wie wirtschaftlich erfolgreichen Films ein. Aus Sicht des Vorstands ist hierfür eine Fördermittelkonzentration und eine Ausrichtung am Prinzip 'Klasse statt Masse' erforderlich. Auch wenn eine Orientierung an einem relativen Erfolgsbegriff, dessen Verankerung der Verband seit langem fordert, nicht durchsetzbar war, da sich hierfür wichtige Partner dem Diskussionsprozess und der Mitgestaltung entzogen haben, hat der Vorstand die Förderziele unterstützt.

Hintergrund ist, dass sich gerade im mittleren Segment Filme immer schwerer finanzieren lassen. Zugleich gibt es bei Produzenten wie Verleihern eine Tendenz, verstärkt viele kleine Filme herzustellen und herauszubringen. Dies geschieht allerdings nicht vorrangig im Sinne einer kulturellen Vielfalt und Bereicherung, sondern um die jeweiligen Betriebe am laufen zu halten. Zudem drängen viele Fernsehprodukte in den Kinomarkt.

Der Fokus der jüngsten Diskussion um die Förderziele geht aus Sicht des Vorstands am eigentlichen Problem vorbei. Nicht die Finanzierung kleiner, kulturell ambitionierter Projekte an sich ist die Frage, mit über 400 Mio. Euro sind die Fördertöpfe voll wie nie zuvor. Vielmehr geht es darum, warum trotz deutlich gestiegener Filmförderung so wenig Projekte wie die von der Ministerin genannten entstehen.

Aus Sicht des Vorstands sind die Förderziele ein erster Schritt, dessen Wirkung verpufft, wenn den Erfolgszielen keine weiteren qualitativen Maßnahmen folgen. Dazu zählt insbesondere die  Produktionszentrierung der deutschen Filmförderung, die sich zu isoliert auf die Filmfinanzierung konzentriert. Erforderlich ist es, wie dies die Kulturstaatsministerin auch betont, den Kreativprozess zu stärken und nachhaltiger von der Entstehung bis zum Start im Kino zu denken. In diesem Sinne setzt sich der Vorstand für einen zweiten Schritt ein, der ein mutigeres Filmschaffen und die Förderung der kreativen Talente ebenso einbezieht wie die Auswertung im Kino, die wieder stärker Teil der Filmfinanzierung sein sollte.

Um  Sichtbarkeit, Marktanteil und Erfolg des deutschen Films zu erhöhen, braucht Deutschland als  Produktionsland  ähnlich wie Frankreich eine systematischere und intensivere Förderung der Kinoinfrastruktur einschließlich der Herausbringung für diese Filme. Um diesen Paradigmenwechsel anzustoßen, ist der Vorstand bereits mit den Partnern im Gespräch.



NACHTRAG AG Verleih 17.7.2017

Die AG VERLEIH – Verband unabhängiger Filmverleiher begrüßt die Kritik der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Frau Monika Grütters, an den neuen Leitlinien der Filmförderungsanstalt.

Die Fixierung willkürlicher Grenzen durch den Verwaltungsrat in den veröffentlichen Leitlinien ist nicht nachvollziehbar. Diese Grenzen spiegeln weder Effizienz, noch Wirtschaftlichkeit eines Filmes wieder. Ganz im Gegenteil, durch die Fixierung auf höhere Budgets in Verleih und Produktion ist der Rückfluss von Fördermitteln erfahrungsgemäß erschwert. Effiziente mittlere und kleine Filme mit ihrem rationalen Verhältnis von Budget und Recoupment werden jetzt von vornherein ausgeschlossen, obwohl doch gerade hier die Kriterien Wirtschaftlichkeit und Effizienz erfüllt werden.

Ein wesentliches Kriteririum für die Wirtschaftlichkeit eines Films ist in der Frage der Förderrückflüsse zu sehen. Wir plädieren in diesem Sinne für Transparenz und fordern erneut und nachdrücklich die Offenlegung aller bisherigen und zukünftigen Förderrückflüsse. Nur so ist die Möglichkeit zur Evaluation von Wirtschaftlichkeit und Effizienz im Sinne aller Marktteilnehmer gegeben.

Wie Frau Grütters zurecht betont, kann auch ein Film mit weniger als 250.000 Zuschauern ein kultureller und wirtschaftlicher Erfolg sein. Erschwerend kommt hinzu, dass der Verzicht der FFA auf die Eigenständigkeit des kulturellen Kriteriums die Daseinberechtigung der Institution FFA in Frage stellt und mit europäischem Recht kollidiert. Die Filmförderungsanstalt soll Struktur und kreativ-künstlerische Qualität des deutschen Films sichern, also sämtliche Belange des deutschen Filmes unterstützen. Wir bitten die Beauftragte für Kultur und Medien, Frau Grütters, daher, ihre Rechtsaufsicht über die FFA tatsächlich auszuüben und darauf hinzuarbeiten, dass die Grundsätze Wirtschaftlichkeit und Kultur sich auch in Zukunft in den Förderentscheidungen widerspiegeln.

Ebenso erwarten wir, dass Filme mit Herstellungskosten von weniger als 2,5 Millionen Euro und weniger als 250.000 Besuchern bis auf Weiteres vom Abführen der Filmabgabe ausgenommen werden, da diese Projekte mit Veröffentlichung der Leitlinien offensichtlich nicht mehr dem Portfolio der FFA-Förderung angehören sollen.

Die AG VERLEIH – Verband unabhängiger Filmverleiher ist der Interessenverband von 37 unabhängigen Unternehmen.

AG VERLEIH
Der Vorstand
Torsten Frehse, Hans-Christian Boese, Alexandre Dupont-Geisselmann, Michael Höfner, Björn Hoffmann, Joachim Kühn