NEU in Programmkinos
Der Vorname
Sönke Wortmanns Neuverfilmung der Gesellschaftssatire um einen etwas besonderen Vornamen
Nanouk
Eine bildgewaltige Reise in den Norden Sibiriens
The Guilty
Intensiver Entführungsthriller aus Dänemark
Girl
Drama um einen Jungen auf dem Weg, eine Frau und Ballerina zu werden
Dogman
Nach „Gomorrha“ der neue Film von Regisseur Matteo Garrone
Champagner und Macarons
Ein Gartenfest in bester Gesellschaft
A Fábrica de Nada
Portugiesisches Sozialdrama vor der Hintergrund der Wirtschaftskrise
DEMNÄCHST in Ihrem Kino
Moritz Daniel Oppenheim
Über das Werk und das Leben von Moritz Daniel Oppenheim
Der Affront
OSCAR-nominierte politische Parabal aus dem Libanon
Projekt: Antarktis
Drei Junge Männer auf der Reise ihres Lebens
Sorry Angel
Französisches Drama um eine Beziehung zwischen zwei sehr unterschiedlichen Menschen
Filmkunstmesse 2018 - Abspann
(25.9.2018)
Die Filmkunstmesse Leipzig 2018 war die 18. – sie ist damit „volljährig“ geworden, wie Christian Bräuer, der Vorsitzende der AG Kino-Gilde, die die Messe veranstaltet, betonte. Der amerikanische Arthouse-Convergence-Founder Russ Collins verglich mit viel Empathie das Geschichten-erzählen im Kino mit den Legenden der Schamanen einst an den Lagerfeuern, die CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas betonte, dass die Politik sich für die Förderung der Arthouse- und Landkinos einsetzen will („Zukunftsprogramm Kino“), viele Workshops behandelten aktuelle Themen von SmartData über Grünes Kinos und Kinotechnik bis zur Personalplanung, viele Filme begeisterten wie „Green Book“, „A Beautiful Boy“, „Trautmann“ und „Juliet, Naked“. Die Mitgliederversammlung bestätigte mit größtmöglicher Zustimmung die bisherigen Vorstandsmitglieder und positionierte sich gegen die Kinonegierung von Netflix, worüber selbst der SPIEGEL berichtete. Zudem wurden die MDM-Kinoprogrammpreise vergeben. Und schließlich „rockte Andreas Dresen die Gilde-Preise“, wie es Blickpunkt:Film-Redakteur Marc Mensch auf den Punkt brachte.


"Andreas Dresen rockt die Gildepreise"
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„Man darf es einfach mal so sagen: Was die AG Kino-Gilde im Rahmen der Verleihung der Gilde-Filmpreise wiederholt auf  die Beine stellt, ist schon für sich genommen preiswürdig. Die 18. Filmkunstmesse war da keine Ausnahme – sondern vielmehr ein Paradebeispiel“, lobte Blickpunkt:Film-Redakteur Marc Mensch weiter.

Viel Applaus erhielt der frisch wiedergewählte AG-Kino-Vorsitzende Christian Bräuer für seine Eröffnungsrede, ebenso der allseits beliebte Andreas Dresen für seinen Film „Gunderland“ und seine Band, und sehr starken Applaus gab es zudem für Christian Pfeils engagierte Laudatio auf den Dokumentarfilm-Preisträger „Wildes Herz“ von Charly Hübner.
 

  • Die PRÄSENTATIONEN der einzelnen Workshops sind in Kürze auf der Website der AG Kino www.agkino.de downloadbar

  • Die PROGRAMMKINO-STUDIE der FFA downloadbar hier..

  • Das GRÜNE KINOHANDBUCH und Weiteres zum Thema hier...


  • Das Video von der Gildepreis-Verleihung hier...


Die Eröffnungsrede von Christian Bräuer und die "Wildes Herz"-Laudatio von Christian Pfeil zum Nachlesen hier:



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Eröffnungsrede Gildepreisverleihung Dr. Christian Bräuer:

Liebe Preisträgerinnen, Liebe Laudatorinnen und Jury-Mitglieder, lieber Claas Danielsen, liebe Förderer und Partner der Filmkunstmesse und ganz besonders auch liebe Gäste, liebe Mitglieder, herzlich Willkommen hier im Täubchenthal zur 41. Verleihung der Gilde-Filmpreise  nun schon traditionell im Rahmen der 18. Filmkunstmesse Leipzig!

18! Volljährig!
Wie Kinder und Jugendliche auch ist die Filmkunstmesse in diesen Jahren gewachsen. Und mit Ihr die Filmkunstszene! Ich wage zu behaupten, dass ohne die Filmkunstmesse, ohne die voranschreitende Vernetzung die Filmkunstbranche nicht so gewachsen wäre!  Herzlichen Dank an Eva Matlok, Detlef Roßmann, Hermann Thieken - und allen, die ihre Vision teilten!

Erneut kamen mehr Fachbesucher, um daran teilzunehmen! Wir hatten mehr Workshops denn je und jedes Einzelne bot mit all den ausgetauschten Erfahrungen und entwickelten Ideen ein Arsenal an Gründen für ein Zukunftsprogramm Kino! Was wir in den letzten Tagen gesehen haben, zeigt beeindruckend die Leistung, Vitalität und Innovationskraft unserer Branche. Und sie zeigte die Leidenschaft, die in und hinter jedem einzelnen Kino steckt!

Leidenschaft ist auch notwendig – wenn wir die rasanten Veränderungen unseres Marktes in der digitalen Zeit betrachten. Leidenschaft und Optimismus zeigte auch unser amerikanischer Ehrengast Russ Collins, Gründer und Direktor der amerikanischen Arthouse Convergence: “Goliath” (Netflix) ist zu groß zum Ignorieren, aber “David” (das Arthouse) ist nicht zu stoppen!

„Campfire desire“ nannte Russ Collins als Begründung - denn schon vor 100.000 Jahren saßen die Menschen um Lagerfeuer, lauschten Schamanen und Geschichtenerzählern. Diese Geschichten lehrten die Stammeskultur, überlieferten Traditionen, und sie erlaubten einem weisen Geschichtenerzähler, die gegenwärtigen Bedingungen, Torheiten und Schwächen der Gruppen zu kommentieren. Oder manchmal, und nur aus reinem Spaß, hätte dieser weise Erzähler den Stamm unterhalten, um ihn von den Schwierigkeiten und Prüfungen des Lebens abzulenken.

Der menschliche Geist ist darauf ausgerichtet, Geschichten zu hören und zu sehen. Das Verstehen und Erinnern von Geschichten passt gut zu unserem Gehirn. Geschichten in irgendeiner Form - Bücher, Fernsehen, Online-Streaming, es ist egal, wir lieben Geschichten. Aber Geschichten, die im öffentlichen Raum eines Theaters erzählt werden,  erfüllen das tiefe menschliche Bedürfnis nach öffentlichem Geschichtenerzählen. Und genau aus diesem Grund besitzt das mit Leidenschaft betriebene, im lokalen Umfeld verankerte Arthousekino  eine unaufhaltsame kulturelle Kraft!

Kino ist die intensivste Form des Geschichtenerzählens. Im Kino sitzen wir in einem abgedunkelten Raum mit Familie, Freunden und Fremden. Hier lachen, weinen und staunen wir. Im Kino begegnen wir auf vielfältige Weise Menschen und ihren Schicksalen, vor allem aber begegnen wir uns selbst.  

Das Kino bringt uns zum Träumen, vor allem aber nimmt es uns auch in die Pflicht! Das zeigte sich schon im Gründungsjahr 2001 – während der Filmkunstmesse ereignete sich 9/11! Wann, wenn nicht jetzt muss, Filmkunst zeigen, zu welcher Leistung sie in der Lage ist. Und diesem Anspruch fühlt sich die Leipziger Filmkunstmesse seit ihrer Gründung verpflichtet.  

Wir Filmkunstkinobetreiber sehen uns als Partner der kreativen Filmschaffenden, die einen offenen Blick auf unsere Geschichte, Gesellschaft und eine Welt in der Krise richten, die uns manchmal, und nur aus reinem Spaß, unterhalten, um uns vom Alltag und unseren Sorgen abzulenken, die die hohe Kunst des Geschichtenerzählens verstehen und mit aller Kraft des Mediums ihre Geschichten im Kino lebendig werden lassen. Der Gilde-Filmpreis ist ein besonderes Bindeglied zwischen Kreativen und denen, die die Filme auf die große Leinwand bringen. 

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger: wenn man die beeindruckende Liste der bisherigen Preisträger liest, ist der Gildepreis vor allem aber auch eine Liebeserklärung! Eine Liebeserklärung an die Filmkunst und diejenigen, die diese mit Talent und Feingefühl schaffen und prägen wie Sie!

Liebe Verleiherinnen und Verleiher: der Gilde-Filmpreis ist immer auch eine Auszeichnung für den jeweiligen Verleih. Euch ein herzlicher Dank für den Einsatz für die Filmkunst, ohne Euch würden die Filme, die wir heute auszeichnen und die wir in dieser Woche gesehen haben, nicht den Weg auf die große Leinwand finden.

Ein herzlicher Dank an die vielen unabhängigen deutschen Verleiher, die die Filmvielfalt sichern, ein herzlicher Dank aber auch an die FOX, die uns hoffentlich noch lange erhalten bleibt. Und ein herzlicher Dank an Paul Steinschulte und die UNIVERSAL, die mit ihren Filmen bislang in 2018 in rund der Hälfte der Zeit auf Platz 1 der Arthouse-Charts lagen. Ohne Geld geht es auch nicht...

Wir freuen uns sehr, dass Sie und Ihr alle heute gekommen seid, um mit uns zu feiern! 18 – volljährig! Ein Grund, es auch richtig Krachen zu lassen! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch allen jetzt viel Spaß bei der Gilde-Preisverleihung und anschließend eine tolle Party!
 
Christian Bräuer, 1. Vorsitzender der AG Kino-Gilde




Christian Pfeil u.a. mit Torsten Frehse (Neue Visionen) und Regisseur Charly Hübner
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Laudatio Christian Pfeil zu "Wildes Herz":

Über die Frage, was denn nun ein guter Dokumentarfilm sei,ließe sich herrlich streiten oder das eine oder andere Proseminar ausrichten.
Wir haben als Kinobetreiber oft eine andere, einfachere Betrachtungsweise, wir schauen uns die Besucherzahlen an, und manchmal noch die Laune unserer Gäste vor und nach dem Film.
Ich möchte auch nicht in Abrede stellen, dass wir uns gern auch von guter Verleiharbeit korrumpieren/ überreden lassen. Unser heutiger Preisträger hat allein an einem Previewtag 10.000 Menschen mobilisiert und in unsere Kinos gelockt, und zwar in in fast ausnahmslos ausverkaufte Vorstellungen.
Der Verleih des Preisträgerfilmes bekommt gemeinhin keinen Preis, heute schon und deshalb : danke.

Ein wichtiges Verkaufsargument bei Dokumentarfilmen ist neben der Qualität immer das Thema. Da wird es jetzt etwas schwierig, denn dass es Rechtsradikale in Ostdeutschland gibt, national befreite Zonen und anderes Unerfreuliches mehr, ist als Filmthema nicht wirklich verführerisch, geschweige denn herzerwärmend. (Wenn auch notwendig, weil wir alle uns dem stellen müssen, was in diesem Land passiert. Aber Freude machen DIE einem nicht.)
Doch unser Preisträger hat DIE ja gar nicht zum Thema, sondern eher DIE, die das nicht haben wollen und sich lautstark und mehr oder weniger „stubenrein“, also disharmonisch dagegen zur Wehr setzen. Sie schreien und singen, dass es Andere gibt und dass man nicht allein ist damit, Ausgrenzung, Faschismus, Brutalität nicht hinzunehmen.

Die porträtierte Kapelle „Feine Sahne Fischfilet“ hilft würdig mit, zu zeigen, dass es auch gut sein kann im Osten unseres Landes.
Es gibt bürgerliche Politiker, für die Liedtexte, die über Gewalt gegen Polizisten sinnieren, genauso kriminell sind wie Hetzjagden auf Menschen oder das Anzünden von Asylbewerbeheimen. Das heißt, dass wir uns auf die nicht verlassen können, sondern die Debatte selber führen müssen. Heißt auch, dass wir solche Filme wie unseren heutigen Preisträger brauchen, der alles hat, was ein guter Dokumentarfilm haben sollte:
viel Wucht, viel Haltung und ein „Wildes Herz“.

Herzlichen Glückwunsch an Charly Hübner.



Weitere Bilder von der Filmkunstmesse:
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Der Empfang in den Salles de Pologne


Die Verleihung der MDM-Kinoprogrammpreise (3.v.r. MDM-Chef Claas Danielsen)


Politisches Panel: Moderator Ulrich Höcherl (Blickpunkt:Film), Emily Atef ("3 Tage in Quiberon"), Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas, Christian Bräuer, AG Verleih-Chef Björn Hoffmann)


Keynote-Redner Russ Collins (Arthouse-Convergence USA)


Einer von vielen Workshops: Grünes Kino - Nachhaltigkeit im Kino, FFA-Vorstand Peter Dinges (Mitte) präsentiert "Das grüne Kino-Handbuch"
(v.l.: Dr. Burkhard Huckestein (Bundesumweltamt), Korina Gutsche (AG kino-Gilde), Elmar Bux (Kino im Waldhorn), Peter Dinges, Birgit Heidsiek (Autorin "Das grüne Kinohandbuch"), ERwin Heberling (Filmbüro Hessen), Felix Bruder (GF AG Kino-Gilde), Michael Thomas (Cineplex Bayreuth)


Filmemacher als Gäste der FKM: hier Christian Bräuer mit Marcus H. Rosenmüller ("Trautmann")


Vollbesetzte Mitgliederversammlung in der Alten Handelsbörse


Ehrung für Hans Laumann für 25 Jahre ehrenamtliche Kassenprüfung


Der frisch wiedergewählte Vorstand: Petra Rockenfeller, Sigrid Limprecht, Christian Bräuer, Hermann Thieken, Christian Pfeil


Der Organisator: AG-Kino-Geschäftsführer Felix Bruder


Alle Gildepreisträger und Laudatoren vereint