NEU in Programmkinos
Die Blüte des Einklangs
Eine märchenhafte Reise ins Innere der menschlichen Seele
Impulso
Dokumentation über die Flamenco-Tänzerin Rocío Molina
Luft
Queeres Coming-of-age-Drama
DEMNÄCHST in Ihrem Kino
Der goldene Handschuh
Fatih Akins Verfilmung des Romans von Heinz Strunk.
Vice - Der zweite Mann
Christian Bale als ehemalige US-Vizepräsident Dick Cheney - eine bitterböse Politfarce.
Der verlorene Sohn
Beklemmendes Drama über den Kampf eines jungen Mannes gegen Homophobie und für ein selbstbestimmtes Leben.
Can You Ever Forgive Me?
Komödie mit Melissa McCarthy als kratzbürstige Schriftstellerin, die sich mit Fälschungen durchs Leben schlägt.
Mein Bester & Ich
„Breaking Bad“-Star Bryan Cranston und Comedian Kevin Hart in der Neuverfilmung von „Ziemlich beste Freunde“.
Hotel Jugoslavija
Doku über das gleichnamige Hotel und eine Annäherung an den ehemaligen Vielstaatenbund,
Interview mit Marlies Kirchner zur Verleihung der Berlinale-Kamera
(23.2.2016)
Im Rahmen der Berlinale wurde die langjährige Münchner Kinobetreiberin Marlies Kirchner mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet. Das Branchenmagazin BLICKPUNKT:FILM führte dazu ein Interview mit ihr - das wir hier mit freundlicher Genehmigung von Blickpunkt:Film wiedergeben.

Festivaldirektor Dieter Kosslick, Marlies Kirchner, Andreas Rost
bei der Verleihung am 17. Februar 2015
- zum Vergrößern bitte anklicken - Foto: Berlinale -


"Dieses Jahr muss besser werden!"

Seit mehr als 40 Jahren betreibt Marlies Kirchner das Münchner Traditionskino Theatiner Film. Für ihr Engagement wurde sie nun mit der Berlinale Kamera ausgezeichnet. Blickpunkt: Film sprach mit der Preisträgerin am Rande des FFF-Empfangs - wo sie mit einer Riesenrunde Applaus gewürdigt wurde.
 
Herzlichen Glückwunsch. Wie fühlen Sie sich als frisch gebackene Preisträgerin?
 
Marlies Kirchner: Erleichtert, dass es vorbei ist! Aber für unser Kino ist es gut, wir brauchen ein bisschen Werbung. Es ist schwieriger geworden für die Arthouse-Kinos, es werden z. B. immer weniger der für uns wichtigen Filme besprochen.
 
Hat die Presse für Sie als Kinobetreiberin eine wichtige Funktion?
 
Oh ja! Leider ist dort aber vor allem Amerika dran ... Ich hänge die Besprechungen aus, die sind für mein Publikum relevant. Aber die Presselandschaft hat sich natürlich sehr verändert. Und es kommen auch zu viele Filme heraus, die können nicht alle besprochen werden.
 
Wie war Ihr letztes Jahr?
 
Es war schlecht, wir hatten weniger Besucher. Zum einen waren nicht die richtigen Filme da, auch die französischen nicht, und dann die drei Monate Hitzewelle - mein Publikum fährt dann gar nicht in die Stadt... Viele ältere Zuschauer besuchen gern die Nachmittagsvorstellung oder die um 18 Uhr, die waren besonders schlecht besucht. Die jüngeren nehmen verstärkt die 20:30-Schiene war. Aber da bin ich nicht allein, meinen Kollegen ging es nicht besser. Es gibt im Kinobetrieb eine Schere, die immer mehr auseinandergeht - Mainstream-Filme haben ja große Zuwächse verzeichnet.
 
Seit wann betreiben Sie die Theatiner Filmkunst?
 
Selbständig seit 1975. Nach München gekommen bin ich 1957, aus Göttingen. Da wurde das Kino vermietet, das es damals seit einem Jahr gab und das von einem Landwirt betrieben wurde, der sich aber in dem Geschäft nicht auskannte und aufgab. Walter Kirchner hat sich darum bemüht und den Zuschlag bekommen. Die Neue Filmkunst hat es übernommen und ich habe mich bereit erklärt, nach München zu gehen. Ich bin viel gereist, habe die Festivals besucht und mir auf der ganzen Welt Filme angeguckt. Ich habe viele Filme gesehen - meine Lieblingsbeschäftigung! Ich bin ein Kinofreak, seit meiner Kindheit. Das habe ich wohl von meiner Mutter, die in Bochum, wo ich mit drei Brüdern aufgewachsen bin, immer ins Kino ging.
 
Sie sind seit Jahrzehnten Kinobetreiberin - ist es heute schwieriger geworden, ein gutes Programm zu machen? Die Auswahl an Filmen ist ja größer geworden.
 
Es gibt viel mehr Filme, aber leider nicht viel mehr gute Filme. Selbst mit den französischen Filmen, die bei mir traditionell ihre Heimat haben, stehe ich manchmal auf Kriegsfuß. Aber da gibt es natürlich auch wunderbare Filme wie der Téchiné im Wettbewerb ("Quand on a 17 ans") oder Mia Hansen-Love ("L'Avenir"), die ich sehr schätze und deren vorherige Filme ich auch gespielt habe, "Eden  ", der aber auch nicht lief, und "Der Vater meiner Kinder  ". Ich spiele nichts, was ich nicht gesehen habe - das kann ich nicht.
 
Wird die Berlinale Kamera einen Ehrenplatz in Ihrem Kino bekommen?
 
Ja, sie kommt hinter Glas in eine Vitrine. Und sorgt hoffentlich auch für etwas Aufmerksamkeit, die wir so dringend brauchen. Dieses Jahr muss besser werden!
 

Interview: Marga Boehle
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von Blickpunkt:Film
 

Dieter Kosslick: Ein Posit auf die Kinomacherin!
- zum Vergrößern bitte anklicken - Foto: Berlinale -