NEU in Programmkinos
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Filmporträt des Land-Art-Künstlers Andy Goldsworthy
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Kaffee mit Milch und Stress
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Kinoprogrammpreise Schleswig-Holstein mit Offenem Brief der Jury
(13.6.2017)
Im Kinocenter Husum wurden gestern die Kinoprogrammpreise Schleswig-Holstein vergeben. Dabei sagte die Ministerin Anke Spoorendonk: „Der Kinoprogrammpreis ist ein Beitrag des Landes für den Erhalt einer lebendigen Kinolandschaft, eine Würdigung guter Programmarbeit und ein Dankeschön für eine kulturell wertvolle Arbeit an vielen Orten in unserem Lande. Ich freue mich, dass es gelungen ist, die Vergabesumme für den Kinoprogrammpreis Schleswig-Holstein auf 42.500 Euro anzuheben. So kann das Engagement der Kinobetreiberinnen und Kinobetreiber auch künftig angemessen gewürdigt werden.“ "Spitzenpreise" in Höhe von 4.000 bzw. 3.000 Euro gingen an das Studio Filmtheater in Kiel, das Capitol in Kappeln, das Kinocenter in Husum und die Schauburg in Rendsburg. - Alle Preisträger hier...
Besonders engagiert zeigte sich die Jury um Eduard Barnsteiner, die in einem Offenen Brief an die Ministerin und die Fraktionen des Landtages eine strukturellere Förderung der Kinos nahelegte. Die Problematik, den Kultur orientierten Preis zu vergeben und dabei den tatsächlichen Bedürfnissen der kleineren ländlichen Kinos gerecht zu werden ist, sei hierbei eine grundlegende Überlegung gewesen. - Der ganze Offene Brief hier...
OFFENER BRIEF

Sehr geehrte Frau Ministerin Spoorendonk,
sehr geehrte Damen und Herren.

Wir, die Vergabejury des Kinoprogrammpreises des Landes Schleswig-Holstein, möchten den Anlass unserer diesjährigen Sitzung nutzen, um einige Anregungen an Sie zu richten.

Zunächst lassen Sie uns jedoch Danke sagen, dass der Preis auch diese Jahr von der Regierung unterstützt wurde, sogar im erhöhten Maße. Der Preis zeichnet sich im speziellen dadurch aus, dass er schwerpunktmäßig den kulturellen Aspekt der Kinoarbeit und deren Umsetzung würdigt. Hierbei sollen künstlerische und kulturelle Inhalte voran stehen.

Wieso wenden wir uns aber heute an Sie? Wir leben in einer Zeit in der gerade die ländlichen Strukturen immer mehr ausgedünnt werden. Kulturelle und auch bildungsrelevante Angebote sind immer schwerer zu finden und ziehen sich mehr und mehr auf die Sammelstätten der größeren Städte zurück. Oftmals sind die letzten Stätten das Gemeindehaus, der Dorfkrug und das eine Kino vor Ort. Diese Kinos bieten oftmals neben dem Filmangebot die Möglichkeit für weitere kulturelle Ereignisse wie Lesungen, Vorträge, Kooperationen etc. Sie sind aber darüber hinaus meist die letzte Institution, die noch vorhanden ist. Meist handelt es sich hierbei um Familienbetriebe, die in der zweiten oder dritten Generation das Lichtspielhaus betreiben, aber es finden sich auch kulturbegeisterte Menschen, die das Wagnis auf sich genommen haben, ein solches Haus zu betreiben und zu erhalten. Und zu guter Letzt finden sich immer mehr Vereine, die ein Haus vor der Schließung bewahren.

Wir haben über die Jahre festgestellt, wie hart dieser Markt ist. Anhand unserer Erfahrung, auch bundesweit, können wir heute attestieren, dass Orte, die ihr Kino verlieren, dies zumeist nicht wiederbeleben können. Nicht nur hier, sondern auch in den meisten anderen Bundesländern findet diese Ausdünnung statt. Ausgenommen sind davon die Bundesländer, welche neben einer Filmförderung im Bereich der Produktion auch eine konkrete Förderung der Kinos im Lande betreiben.

Dieses Instrument vermissen wir hier in Schleswig-Holstein und es wird uns immer wieder dann bewusst, wenn wir anhand der Einreichungen erkennen müssen, dass Spielzeiten reduziert wurden, Engagement nach hinten gedrückt wird und nicht zuletzt auch solche Häuser einen Antrag stellen, welche zwar ein hervorragendes Programm machen, aber eben keines, welche einen Programmpreis bekommen kann, weil die kulturelle Anspruch des Preises nicht erreicht werden kann.

Um die Kosten von Innovationen, Umrüstungen, aber auch einfachen Erhalt der Abspielstellen durch Substanzerhaltung tatsächlich tragen zu können, bedarf es einer gezielten wirtschaftlich orientierten Förderung, welche sich als Maßnahme zum Erhalt der kulturellen Landschaft versteht. Letztlich ist die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes auch davon abhängig, welches Angebot er im Bereich Kultur und Bildung seiner künftigen Population anbietet. Und einer der Bausteine hierfür könnte eine Förderung der Kinolandschaft durch ein eigenes Fördersystem sein, das Investitionen zum Erhalt oder Neuaufbau von Kinos ermöglicht.

Derzeit werden im Nachgang der Wahlen die Pflöcke für die kommenden Jahre in der Regierung, aber auch in der Opposition geschlagen. Diese Zeit bietet immer die Möglichkeit, Altes zu verändern, aber auch Neues auf den Weg zu bringen.
Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn die bereits erfolgreiche Förderung im Bereich der Produktion ihren nächsten logischen Schritt vollziehen würde, um ein erfolgreiches Abspiel auch in Schleswig-Holstein in Zukunft nachhaltig zu ermöglichen.

Mit den besten Grüßen
Eduard Barnsteiner, Filmverleiher, Ascheffel
Katrin Mersmann, Förderreferentin, Hamburg
Astrid Muckli, Kinobetreiberin, Aschedorf