NEU in Programmkinos
My Zoe
Julie Delpys Familiendrama um Verlust, Trauer – und Reproduktionsmedizin
But Beautiful
Erwin Wagenhofers Blick auf die „schönen und positiven“ Seiten auf unserer Erde
Gott existiert, ihr Name ist Petrunya
Sozialkritische Satire aus Mazedonien
Bamboo Stories
Dokumentarfilm aus der Welt der Bambusfäller
P. J. Harvey - A Dog Called Money
Dokumentarisches Porträt über die Musikerin und Künstlerin PJ Harvey
Smuggling Hendrix
Ein Mann, sein Hund und das Problem der gemeinsamen Grenzüberquerung
Sterne über uns
Eine alleinerziehende Mutter und der tägliche Kampf um die Existenz
Morgen sind wir frei
Ein junges Ost-Paar Ende der 70er auf der Suche nach der Freiheit
Bis dann, mein Sohn
Drei Jahrzehnte chinesische Geschichte vor dem Schicksal zweier Eheleute
DEMNÄCHST in Ihrem Kino
Die Götter von Molenbeek
Kindheitsgeschichten aus dem Brüsseler-Stadtteil
Ich bin Anastasia
Wie ist es für eine Transgender bei der Bundeswehr?
Pferde stehlen
Stellan Skarsgård in der Verfilmung des skandinavischen Bestsellers
Was gewesen wäre
Was wäre gewesen, wenn die DDR-Liebe gehalten hätte?
Schmucklos
Schwarzhumorige Spielfilm-Hommage an die bayerische Landeshauptstadt
Land des Honigs
Poetische Doku rund um das fragile Verhältnis der Menschen zur Natur
Bernadette
Cate Blanchett als Frau auf Sinnsuche in einer Emanzipations-Komödie von “Boyhood”-Regisseur Richard Linklater
Official Secrets
Keira Knightley und Ralph Fiennes in einem Whistleblower-Politthriller
Alles was du willst
Ausgezeichnet mit zwei italienischen Filmpreisen
Kinoprogrammpreise und Verleiherpreise 2019
(31.10.2019)
Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, hat am gestrigen Mittwoch im Peppermint Pavillon in Hannover die Kinoprogramm- und Verleiherpreise der Bundesregierung überreicht. In diesem Jahr wurden 227 Programmkinos mit insgesamt 1,8 Millionen Euro für ihr herausragendes Kinoprogramm im Jahr 2018 prämiert. Den Spitzenpreis 2019 für das beste Jahresfilmprogramm in Höhe von 20.000 Euro erhielt das „delphi LUX“ aus Berlin. Der mit 10.000 Euro dotierte Spitzenpreis für das beste Kurzfilmprogramm ging an das „3001-Kino“ aus Hamburg. Das „Mal Seh´n Kino“ aus Frankfurt am Main wurde für das beste Dokumentarfilmprogramm und das „Lichtspiele-Kino zum Wohlfühlen“ aus Großhabersdorf für das beste Kinder- und Jugendfilmprogramm mit jeweils 10.000 Euro ausgezeichnet.


Kulturstaatsministerin Monika Grütters vergab zudem die Verleiherpreise 2019 an drei gewerbliche Filmverleiher für besondere Leistungen bei der Verbreitung künstlerisch herausragender Filme. Die Verleiherpreise in Höhe von jeweils 75.000 Euro erhielten die Neue Visionen Filmverleih GmbH, die Wild Bunch Germany GmbH und die W-film Distribution.

Monika Grütters erklärte: „Kinos sind Erlebnisräume, die uns mit Menschen aus anderen sozialen Schichten, aus fremden Kulturen und früheren Zeiten verbinden. Und meist verlassen wir den Kinosaal mit geweitetem Horizont. Das ist insbesondere auch das Verdienst der Programmkinobetreiberinnen und -betreiber, der Verleiherinnen und Verleiher, die mit großem Engagement künstlerisch herausragende Filme auf die Leinwand bringen. Sie sorgen dafür, dass Zusammenhalt erfahrbar wird: mit ambitionierten Programmen und nicht zuletzt mit Initiativen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. In einer Gesellschaft, in der der Ton immer rauer wird, tragen sie zu Verständnis und Verständigung bei und stärken damit das Rückgrat unserer Demokratie.“
 
Kulturstaatsministerin Grütters weiter: „Ich bin überzeugt: Kinos werden mehr denn je als Orte des Austauschs und der Verständigung gebraucht – gerade dort, wo Kultureinrichtungen dünn gesät sind: in kleinen Städten, in ländlichen Regionen. Deshalb haben wir ein mit 5 Millionen Euro ausgestattetes Soforthilfeprogramm für Kinos im ländlichen Raum auf den Weg gebracht. Es unterstützt erforderliche Modernisierungen und den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Die Nachfrage war erfreulich groß –deshalb habe ich aus meinem Etat kurzfristig noch einmal eine halbe Million Euro bereitgestellt, um möglichst alle Kinos, die die Fördervoraussetzungen erfüllen, an diesem Programm teilhaben zu lassen. Darüber hinaus arbeiten wir an der Gestaltung des längerfristigen Zukunftsprogramms Kino, das im ersten Quartal 2020 mit der Förderung startet und neben Kinos in ländlichen Räumen unter bestimmten Voraussetzungen auch Kinos in städtischen Gebieten einbezieht.“


Die Liste aller Kinoprogrammpreisträger als PDF-Download hier...

NACHTRAG:

Die Laudatio von Torben Schiller (BKM-Jury) zu den Kinoprogrammpreisen im allgemeinen und zum Spitzenpreisträger, dem delphi-LUX Berlin im besonderen.

Nach sechs Jahren geht für drei meiner Kollegen und mich die Zeit in der BKM-Jury zu Ende.
Wir haben in dieser Zeit mehr als 1.500 Anträge gesichtet und über genauso viele Anträge diskutiert und abgestimmt.
Gerade der aktuelle Jahrgang 2018 war dabei durchaus eine besondere Herausforderung:
Sie als Kinobetreiber, als Programmchef, als Kurator haben einmal im Jahr die Möglichkeit, Ihre gesamte Arbeit einer Jury zu präsentieren. In dem Moment, in dem ein Jurymitglied einen Antrag von Ihnen in die Hand nimmt, geht es nur um Sie. Das Jurymitglied möchte etwas darüber erfahren, was IHR Programm und IHR Kino zu etwas Besonderem macht.
Die meisten von Ihnen machen das wirklich beeindruckend und es ist eine wahre Freude zu sehen, was für eine unfassbar gute Arbeit in den Kinos sowohl in der Großstadt, als auch auf dem Land gemacht wird.
Wenn ich sage: „Die meisten von Ihnen“, dann meine ich damit aber auch, dass es gerade in diesem Jahr viele Anträge gab, die mehr Entschuldigung oder Rechtfertigung für das Programm 2018 waren, als eine Bewerbung um eine Auszeichnung.
Einerseits wird Mitbewerben und Verleihern die Schuld daran gegeben, dass das Programm unter den eigenen Ansprüchen geblieben sei. Andererseits findet man Entschuldigungen für den Einsatz bestimmter Filme.
Ging es in den letzten Jahren meist um kommerzielle Titel wie „Ocean’s 8“, oder „Star Wars“, stand 2018 vor allem der Netflix-Film „Roma“ im Mittelpunkt.
Einige von Ihnen haben diesen Film ins Programm genommen und das war, so nehme ich es an, eine bewusste Entscheidung, und es ist auch völlig legitim, das so zu entscheiden.

In den Anträgen wurde dazu geschrieben:

- „wir MUSSTEN Roma spielen, denn so ein Film gehört ins Kino“

- „wir MUSSTEN Roma spielen, denn die Nachfrage war so groß“

- „wir MUSSTEN Roma spielen, weil es so ein schweres Jahr für uns war“

In einem Antrag hieß es sogar: „Und nur weil ich Roma gespielt habe, bekomme ich jetzt bestimmt keinen Preis“.
An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass der Einsatz oder Nichteinsatz von „Roma“ keinerlei Einfluss auf die Juryentscheidungen hatte.
Die Entscheidung für einen Einsatz dieses Filmes haben Sie alle aber aus freien Stücken getroffen, sie MUSSTEN nicht, sondern sie WOLLTEN. Und Sie werden sicherlich gute Gründe dafür gehabt haben.
Niemand zwingt Sie, irgendwelche Filme einzusetzen, sondern Sie entscheiden bewusst. Zumindest sollte das immer die Basis sein, wenn man sich mit seinem Programm um eine Auszeichnung bewirbt.
Sollte es also im nächsten Jahr auch wieder Filme geben, auf die Sie Aufmerksamkeit in Ihrem Programm lenken wollen, dann erklären Sie in Ihrem Antrag doch gerne warum Sie diese einsetzen WOLLTEN, nicht aber, warum Sie sie einsetzen MUSSTEN.
Ihr Antrag auf einen Kinoprogrammpreis ist Ihre Plattform, sich zu präsentieren. Sie haben damit einen Moment lang die ungeteilte Aufmerksamkeit jedes einzelnen Jurymitglieds.
Und Stichwort: Selbstmarketing
Überlegen Sie sich einfach, was Sie der Jury mit auf den Weg geben wollen, welchen Eindruck Sie hinterlassen wollen und welche Botschaft sie rüberbringen möchten.
Das war die kleine Vorrede. Jetzt komme ich aber wirklich zur Jurybegründung und Laudatio auf unseren diesjährigen Hauptpreisträger.

Darf man ein Kino, welches erst Ende 2017 eröffnet hat für das Jahr 2018 mit dem Spitzenpreis des BKM auszeichnen? Das haben wir uns als Jury natürlich auch gefragt, haben diskutiert und sind zu dem Schluss gekommen: Man darf nicht nur, man MUSS.
Auch wenn es in den Arthäusern besser lief als in den Plexen, geht 2018 als ein Jahr in unsere Branchengeschichte ein, in dem das Kino totgesagt wurde.
In diversen Ihrer Anträge haben wir Presseartikel gefunden, in denen Sie sich zum schwachen Kinosommer, dem schlechten Kinojahr, zu Streamingdiensten und Überleben und Tod von Filmtheatern geäußert haben.
In solch einem Marktumfeld gibt es jemanden, der ein wirklich großes Projekt stemmt, die Neueröffnung eines Arthouse-Komplexes – und die war ein voller Erfolg.
Auf sieben Leinwänden bietet das Kino eine nahezu unglaubliche Programmvielfalt. Fast 300 Filme waren 2018 zu sehen. Diese Quantität bedeutet dabei aber keinesfalls einen Mangel an Qualität.
Neben dem regulären Programm findet man unter anderem eine Filmreihe zum Thema Nachhaltigkeit, eine Wim Wenders Retrospektive sowie unzählige Sonderveranstaltungen mit Gästen. Außerdem bietet das Haus zahlreichen Festivals eine Heimat.
Besonderen Wert legt unser Spitzenpreisträger auf digitale Kundenansprache und schafft es damit, ein junges Publikum wieder für Arthouse Kino zu begeistern.
Von Null auf Hundert in einem Jahr, so könnte man die Erfolgsgeschichte unseres Hauptpreisträgers beschreiben. Innerhalb kürzester Zeit hat sich das vom Publikum geliebte Kino zum Besuchermagneten entwickelt.