21 Bridges

Was als klassischer, roher Film-Noir beginnt, bekommt bald einen sehr zeitgemäßen Anstrich. In „21 Bridges“ bedient sich Regisseur Brian Kirks vieler Genre-Muster, die er mit Verve und überschüssiger Energie variiert. Das Ergebnis ist ein B-Picture über Korruption und Verrat, das manchmal etwas zu viel will, aber im Kern angenehm altmodisch ist.

Webseite: www.facebook.com/21Bridges.DerFilm

USA 2018
Regie: Brian Kirk
Buch: Adam Mervis & Matthew Carnahan
Darsteller: Chadwick Boseman, Sienna Miller, J.K. Simmons, Stephan James, Taylor Kitsch, Keith David
Länge: 101 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 6. Februar 2020

FILMKRITIK:

Andre Davis (Chadwick Boseman) ist ein harter Polizist wie er im Buche steht, eine Art moderner Dirty Harry auf der anderen Seite Amerikas, der nicht in San Francisco sondern in New York aufräumt und im Zweifelsfall lieber zu früh die Pistole zieht als zu spät. Etliche Verbrecher hat er schon auf dem Gewissen, deswegen auch immer wieder Probleme mit der Dienstaufsicht, doch an diesem Abend scheint er genau der richtige Mann für den Job zu sein.
 
Denn bei einem Überfall haben die beiden Kleinkriminellen Ray (Taylor Kitsch) und Michael (Stephan James) nicht nur den größten Fang ihrer Karriere gemacht – und 300 statt 30 Kilogramm Kokain gefunden – sondern auch sieben Polizisten getötet. Kein Wunder also, dass die New Yorker Polizei alles daran setzt, um die Täter zu stellen. Für dieses Ziel erlaubt sein Vorgesetzter Captain McKenna (J.K. Simmons) Andre auch mehr als ungewöhnliche Methoden: Sämtliche der 21 Brücken, die die Insel Manhattan mit dem Festland verbinden zu sperren (und auch Tunnel und U-Bahn-Verbindungen), um die Täter noch vor Morgengrauen zu fassen.
 
Zu seinem Missfallen bekommt Andre mit der Drogenfahnderin Frankie Burns (Sienna Miller) eine Kollegin an die Seite gestellt, die ausgerechnet aus dem gleichen Revier kommt, wie die getöteten Beamten. Nicht der einzige Hinweis darauf, dass weit mehr hinter der Sache steckt, als ein schief gegangener Überfall.
 
Früher wäre ein Film wie „21 Bridges“ vollkommen schnörkellos erzählt worden, hätte es gereicht, 90 Minuten Räuber und Gendarmen zu zeigen, die sich jagen und am Ende das Gute siegt. Doch wir leben in anderen Zeiten, sowohl was die fiktive Welt des Kinos angeht, als auch die Realität.
 
Gerade wenn ein Film Polizisten in New York thematisiert, der Held auch noch ein Schwarzer ist, ist es praktisch undenkbar, dass eine der großen Debatten der amerikanischen Gegenwart nicht Eingang in das filmische Universum findet: Polizeigewalt, meist gegen Schwarze, meist von weißen Polizisten verübt.
 
So ist es auch hier, so passiert es auch im von Adam Mervis und Matthew Carnahan geschriebenen Buch, das sich nicht damit begnügt nur von Korruption innerhalb der Polizei zu erzählen, sondern auch die schwierigen Rassenverhältnisse Amerikas stets mitschwingen lässt. Diese Anflüge dramatischer Schwere versprechen jedoch mehr als sie halten und kaschieren vor allem, dass „21 Bridges“ im Kern nicht mehr ist als ein schnörkelloser Genrefilm.
 
Denn auch wenn die überraschenden Wendungen, die das Drehbuch bereit hält, nicht wirklich überraschen, auch wenn die Figuren kaum mehr als Variationen von bekannten Typen sind: Als roher, düsterer Neo-Noir weiß Brian Kirks Film zu überzeugen, ohne dabei das Genre neu zu erfinden.
 
Michael Meyns