A Royal Night – Ein königliches Vergnügen

Das schwungvolle Historienstück „A Royal Night Out“ startete pünktlich zum 70. Jubiläum des Tags der Befreiung am 8. Mai 2015 in den britischen Kinos. Regisseur Julian Jarrold („Brideshead Revisited“) adaptiert eine Anekdote aus dem britischen Königshaus sehr frei als Feel-Good-Movie um die jungen Prinzessinnen Elizabeth II. und Margaret, die das Ende des Zweiten Weltkriegs inkognito auf den Straßen Londons begießen. Der fertige Film ist letztlich ziemlich genau so, wie man ihn sich vorstellt: leicht und durchaus vergnüglich.

Webseite: www.aroyalnight-film.de

OT: A Royal Night Out
GB 2015
Regie: Julian Jarrold.
Mit Sarah Gadon, Bel Powley, Jack Reynor, Rupert Everrett, Emily Watson
Länge: 96 Min.
Verleih: Concorde
Kinostart: 1.10.2015
 

FILMKRITIK:

Als der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 offiziell beendet ist, steht ganz London Kopf. Die künftige Königin Elizabeth II. (Sarah Gadon) und ihre Schwester Margaret (Bel Powley), damals 19 und 14 Jahre alt, wollen die Feierlichkeiten allerdings nicht im Elfenbeinturm namens Buckingham Palace erleben, sondern draußen auf der Straße. Queen Elizabeth (Emily Watson) ist von der fixen Idee wenig begeistert, doch ihrem Vater George VI. (Rupert Everett) ringen die Mädchen die Erlaubnis für ihren Inkognito-Ausflug ab. Nicht zuletzt erhofft sich der König vom Streifzug seiner Töchter ungefilterte Einsichten in die Stimmungslage im Volk, muss er doch bald eine Rede an die Nation halten. Elizabeth und Margaret dürfen allerdings nur in Begleitung zweier junger Soldaten in die Stadt – und sollen pünktlich um 1 Uhr nachts wieder im Palast sein. Ihre unbeholfenen Aufpasser hängen die Schwestern spielend leicht ab und verlieren sich bald darauf in der Menschenmenge aus den Augen. Während die blauäugige Margaret das Londoner Nachtleben entdeckt, verfolgt die verantwortungsvollere Elizabeth die Spur ihrer jüngeren Schwester. Zur Seite steht ihr der junge Soldat Jack (Jack Reynor), der die Monarchie skeptisch beäugt und nicht ahnt, dass „Lizzie“ die Thronfolgerin ist.
 
Es waren einmal zwei reizende Prinzessinnen, die aus dem Buckingham Palace ausbüchsten… Der märchenhafte Plot von „A Royal Night Out“ geht im Kern auf eine wahre Anekdote zurück. Elizabeth und ihre Schwester mischten sich am Tag der Befreiung tatsächlich unters Volk. In Wirklichkeit waren die Schwestern indes mit einer 16-köpfigen Entourage unterwegs und kehrten artig zur vereinbarten Zeit nach Hause zurück. Wie schon in „Geliebte Jane“ mit Anne Hathaway, der eine Jane-Austen-Biographie aus Leitmotiven ihrer Romane erdichtet, weitet Regisseur Julian Jarrold die kleine Anekdote zu einer turbulenten Erzählung aus, die sich von den historischen Archivbildern des Vorspanns aus als eine alternative history entfaltet. So entsteht eine leichtfüßige Mischung aus Coming-of-Age- und Kostümfilm, in der zwei königliche Schwestern durch eine liebevoll ausgestaltete Londoner Nacht wirbeln und bis in die Morgenstunden das Tanzbein schwingen.
 
Den größten Esprit und somit auch Unterhaltungswert versprüht der Handlungsfaden um die feierwütige Margaret, die in verrauchten Clubs dem Glücksspiel frönt und sogar ein Bordell besucht. Die aus dem Sundance-Erfolg „The Diary of a Teenage Girl“ bekannte Bel Powley verleiht der entfesselten Prinzessin eine quirlige Ausstrahlung. Die Kanadierin Sarah Gadon („Maps to the Stars“) tritt als die ältere Schwester Elizabeth hingegen etwas bedachter auf, erlebt aber dennoch eine aufregende Nacht voller Romantik, die sie als die beste ihres Lebens bezeichnet.
 
In gewisser Weise ist „A Royal Night Out“ das beschwingte Gegenstück zum Oscar-Gewinner „The King's Speech“. Hier wie dort umtreibt eine wichtige Rede den König, doch der Ton beider Filme ist – den historischen Umständen und der Erzählperspektive entsprechend – grundlegend anders. Julian Jarrold inszeniert die launige Tour durch London in der Tradition einer Screwball-Comedy mit viel Swing-Musik, einer Überbetonung des britischen Akzents und reichlich Verwicklungen. Zwischen dem herzlichen Chaos auf den Straßen handelt der Wohlfühlfilm letztlich von zwei Schwestern, die aus einem starren Gesellschaftskorsett ausbrechen wollen; eine romantische Sehnsucht, die für Königskinder unerfüllt bleiben muss.
 
Christian Horn