Alles was ich an euch liebe

Spanien/Argentinien/Portugal/Großbritannien 2004
Regie: Teresa de Pelegri & Dominic Harari
Darsteller: Norma Aleandro, Guillermo Toledo, Maria Botto, Marian Aguilera, Fernando Ramallo, Alba Molinero, Max Berliner, Mario Martin
89 Minuten
Verleih: Arsenal Filmverleih (Start am 13.10.05), www.arsenalfilm.de

Aus Belgien kam „Der Tango der Rashevskis“, aus Deutschland der Filmpreisabräumer „Alles auf Zucker“, Spanien schlägt nun mit „Alles was ich an euch liebe“ in eine ähnliche Kerbe: es geht um Toleranz im Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, um Akzeptanz religiöser Eigenheiten. Geschildert werden sie am Beispiel der jüdisch-spanischen Familie der Dalinskys, die gespannt dem ersten Besuch des Verlobten von Tochter Leni entgegensieht. Dass er Palästinenser ist, bringt den Familienfrieden kurzzeitig in Gefahr.

Für Leni (Marian Aguilera) und ihren Verlobten Rafi (Guillermo Toledo) ist es kein Problem: die beiden lieben sich, ungeachtet der Tatsache, dass sie Jüdin und er Palästinenser ist. Als Mutter Gloria (gespielt von der argentinischen Schauspielveteranin Norma Aleandro) das erfährt, schwant ihr Böses. Denn „Juden und Palästinenser denken anders“, ihr Verhältnis – das zeigt die Geschichte – sei von Hass und Töten bestimmt. Dann aber passiert Rafi ein Missgeschick, das dem Verlauf des Familientreffens eine bedeutsame Wende gibt und es außer Kontrolle geraten lässt. So unglaublich es klingt: beim Lösen einer tiefgefrorenen Suppe aus ihrem Behältnis entgleitet Rafi der Eisblock, fällt aus dem Fenster und erschlägt einen Passanten. Bald schon ahnt er, dass es sich beim Opfer um den noch fehlenden Familienvater handeln muss. Gloria könnte also doch recht gehabt haben: zwischen Palästinensern und Juden geht es ums Töten.

Die Suppe als Tatwaffe macht deutlich: was hier geschieht, ist einerseits absurd, birgt aber auch einen wahren Kern. Das trifft auch auf Lenis exzentrischen Bruder David (Fernando Ramallo) zu, der gerade eine Phase orthodoxen Judentums durchlebt und damit bisweilen den Rest der Familie nervt. Ein blinder, mit einem geladenen Gewehr herumfuchtelnder Großvater (Max Berliner) sowie die nymphomanische Schwester Tanja (Maria Botto) mit ihrer kleinen Tochter tragen ihren Teil dazu bei, dass die Spannungen und Extreme in dieser lebhaften Familie auch ohne die ungeplanten Vorfälle für Zündstoff sorgen.

Anders als in der mit einem sehr schwarzen Humor gefärbten und wegen ihrer skurrilen wie surrealistischen Momente eher gewöhnungsbedürftigen Komödie „Ein ferpektes Verbrechen“, in der ebenfalls Guillermo Toledo die Rolle des zu bedauernden männlichen Hauptdarstellers spielte, tun dieser konfliktreichen Komödie Übertreibung und Situationskomik sehr gut. Ein großes Plus von Teresa de Pelegris und Dominic Hararis Toleranzbotschaft sind dabei auch die kontrastreichen Charakterzeichnungen. Ihr Anspruch lautet: „Niemand ist perfekt“. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit nimmt man allen von ihnen ab, dass sie zu dieser einen Familie gehören. Nicht zu drastisch, sondern wohl dosiert weisen sie auf die Schwierigkeiten eines multikulturellen und multiethnischen Zusammenlebens hin und deuten nebenbei auch auf die Problematik von nationaler Identität hin – eben weil sich eine Geschichte wie diese nicht nur in Spanien abspielen muss, sondern durchaus auch auf andere europäische Länder übertragbar ist. Ein Grund, weshalb sich auch eine britische Produktionsfirma an der Realisierung des iberischen Projektes beteiligte.

Fazit: „Alles was ich an euch liebe“ akzeptiert letztendlich seine Protagonisten wie sind, zeigt, dass trotz ihrer Unterschiede ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Temperamentvoll und beschwingt, zwischendrin aber auch ernsthaft und sentimental, im richtigen Moment aber dann mit einem guten Sinn für Humor, erfüllt die kurzweilige Komödie die Kriterien für eine gute und anspruchsvolle Unterhaltung. Das Publikum in Locarno sah es 2004 ähnlich und kürte „Alles was ich an euch liebe“ zu seinem Lieblingsfilm.

Thomas Volkmann