Another Forever – Die Stille um Alice

Eine Frau auf der Suche. Das ist die Handlung von Juan Zapatas „Another Forever – Die Stille um Alice“, ein kaum mehr als semi-professioneller Film, der einen ambitionierten Ansatz verfolgt: Nach dem Tod ihres Mannes reist Alice um die Welt und versucht, neuen Lebensmut zu finden. Fast ausschließlich über die Bilder versuchen Zapata und seine Hauptdarstellerin die Emotionen der Figur darzustellen, was bedingt funktioniert und für die kurze Spieldauer gerade so trägt.

Webseite: anotherforever.der-filmverleih.de

Brasilien, Kolumbien 2016
Regie: Juan Zapata
Buch: Juan Zapata, Daniela Escobar
Darsteller: Daniela Escobar, Marlon Moreno, Peter Ketnath, Barbara Scolaro, Mary Pedrosa, Joost Kroon
Länge: 72 Minuten
Verleih: Der Filmverleih
Kinostart: 11. Mai 2017

FILMKRITIK:

Alice (Daniela Escobar) ist um die 40 und hat vor kurzem ihren geliebten Mann John (Marlon Moreno) verloren. In ihrer Trauer hat sie sich ganz zurückgezogen, jeden Kontakt zu Freunden und Verwandten abgebrochen und verlässt die mondäne Villa, in der sie mit John gelebt hat nicht mehr. Alles erinnert sie an John, jede Ecke des Hauses beschwört einen anderen Moment der gemeinsamen Vergangenheit herauf, doch schließlich rafft sie sich auf.
 
In Amsterdam will sie ihre Freundin Ana besuchen, doch die ist gerade in Österreich. So streift Alice allein durch die Stadt, gibt sich dem Strom der Passanten hin, trinkt Kakao und trinkt Kaffee und fährt schließlich weiter. Im Zug nach Österreich macht sie die kurze Bekanntschaft mit dem Fotografen Tom (Peter Ketnath), doch noch ist sie nicht bereit für einen neuen Mann, denn auch in der Ferne driften ihre Gedanken immer wieder zurück zu John.
 
Noch vor ein paar Jahren wäre ein Film wie „Another Forever – Die Stille um Alice“ kaum entstanden, geschweige denn ins Kino gekommen, doch die Vereinfachung der Produktions- und Verleihmöglichkeiten lassen auch Filme wie diesen möglich werden. Mit offensichtlich geringen Möglichkeiten und einem winzigen Team hat Autor und Regisseur Juan Zapata seinen Film realisiert, in enger Zusammenarbeit mit seiner Hauptdarstellerin Daniela Escobar, die in praktisch jeder Szene im Bild ist.
 
Fast ausschließlich über ihr Gesicht soll von der Trauer einer Frau erzählt werden, den Erinnerungen an einen geliebten Menschen, dem langsamen Wiedererwachen des Lebensmuts auf einer langen, ziellosen Reise. Ein ambitioniertes Unterfangen, das Zapata nur bedingt gelingt. Allzu pittoresk geraten ihm meist die Bilder von Alice und ihrer Einsamkeit, allzu oft sieht man Alice in die Ferne blicken, sei es in ihrem mondänen Haus, an einem Kanal in Amsterdam, in einem rasenden Zug oder an vielen anderen Orten. Ein wenig beliebig und austauschbar wirken diese Momente, die sich zudem im Bemühen, den Film gerade so auf abendfüllende Länge auszudehnen, bald wiederholen.
 
Schade, dass Zapata und Escobar nicht auf ein wenig mehr Handlung, ein wenig mehr dramatischen Unterbau gesetzt haben, ihrer Hauptfigur ein wenig mehr Substanz gegeben haben. Denn wenn Alice auf andere Figuren trifft gelingen oft überzeugende Momente. Gerade die kurze Begegnung zwischen Alice und dem Fotografen Tom deutet an, wie mit wenigen Blicken und Worten ein intimer Moment evoziert werden kann, der viel über die Einsamkeit und das Verlangen nach Nähe der Figur erzählt. Meist belässt es Zapata jedoch dabei, seine Hauptdarstellerin beim sinnieren zu filmen, was „Another Forever – Die Stille um Alice“ oft zäh und wie einen zu lang geratenen Kurzfilm wirken lässt.
 
Michael Meyns