Antebellum

Horror-Thriller über eine afroamerikanische Autorin (Janelle Monáe), deren Leben aus den Fugen gerät, als sich ihre Wahrnehmung verändert und sie sich gefangen in einer anderen, lange zurückliegenden Realität wiederfindet. Geworben wird damit, dass Gerard Bushs und Christopher Renz‘ Thriller von den Produzenten der Genrehits „Get Out“ und „Wir“ stammt. Doch auch wenn das Marketing damit noch nicht einmal falsche Erwartungen schürt, veranschaulicht dieser Vergleich eben auch, dass nicht jeder solch clevere Genrekost inszenieren kann wie Jordan Peele.

USA 2020
Drehbuch und Regie: Gerard Bush, Christopher Renz
Darsteller: Janelle Monáe, Eric Lange, Jena Malone, Gabourey Sidibe, Tongayi Chirisa, Jack Huston, Kiersey Clemons
Verleih: Tobis Filmverleih
Länge 105 Min.
Start: 2021

FILMKRITIK:

Veronica Henley (Janelle Monáe) durchlebt einen wahr gewordenen Albtraum: Die erfolgreiche Bestseller-Autorin ist in einer verstörenden Parallelwelt gefangen, in der sie als Sklavin auf einer Baumwollplantage arbeiten muss und regelmäßig von ihren Aufsehern gequält wird. Diese Erfahrungen lassen sie alles in Frage stellen: ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Kann sie einen Ausweg finden, bevor alles zu spät ist? Und was ist, wenn ihre Erlebnisse auf der Plantage gar kein Traum, sondern bittere Realität sind?

Aus Jordan Peele ist dank seines Horror-Meilensteins „Get Out“ von jetzt auf gleich einer der aufregendsten Genreregisseure seiner Generation geworden. Da er es sich auf die Fahnen geschrieben hat, seine Geschichten aus der Black Community heraus zu erzählen, liegt es nah, dass das Marketing Gerard Bushs und Christopher Renz‘ Langfilmdebüt „Antebellum“ damit bewirbt, „von den Machern von ‚Get Out‘ und ‚Wir‘“ zu stammen. Doch von dieser Versprechung sollte man sich nicht täuschen lassen: „Antebellum“ ist kein Jordan-Peele-Film, sondern wurde lediglich von Sean McKittrick, Raymond Mansfield und Edward H. Hamm Jr. betreut – drei auch an „Get Out“ und „Wir“ beteiligten Produzenten, die neben diesen beiden Meisterwerken auch Projekte wie „The Wrong Missy“, „Stolz und Vorurteil & Zombies“ sowie „The Box“ betreut haben.

Inhaltlich und tonalitär hat „Antebellum“ nichts mit den drei oben genannten Filmproduktionen gemeinsam und trotzdem kommt man nicht umher, den Vergleich mit dem Historienfilm-Zombie-Mashup zu suchen. Auch in Burr Steers‘ Horrorgroteske prallen zwei eigentlich unvereinbare Welten aufeinander, von denen am Ende beide nicht die notwendige Aufmerksamkeit erfahren. „Antebellum“ beginnt mit einer fünfminütigen Plansequenz über eine riesige Baumwollplantage, zeigt schuftende Sklavenkörper, eine missglückte Flucht und die darauffolgende Strafe. Alles in irritierend betörenden Bildern, die trotz der abgebildeten Brutalität von einer nicht zu leugnenden Schönheit sind.

Welchen Zweck die Filmemacher mit dieser zweifellos überragenden Ästhetik verfolgen, erschließt sich einem nicht. So wirkt die Darstellung des körperlichen wie seelischen Missbrauchs der Sklaven sogar zusätzlich ausbeuterisch; das zweite Filmdrittel unterstreicht diesen Eindruck. Hätten es Trailer und Marketing nicht von Anfang an ins Zentrum gerückt, wäre der harte Bruch nach etwa 35 Minuten ein waschechter Mindfuck-Moment, doch sämtliche (Bewegt-)Bilder von „Antebellum“ kommunizierten bereits vorab, dass der Film in zwei Welten spielt. Als die von Janelle Monaé („Moonlight“) verkörperte Sklavin Eden nach einer Vergewaltigung einschläft, wacht sie im nächsten Moment als Veronica in der Gegenwart auf, die davon berichtet, gerade „einen schlimmen Traum“ gehabt zu haben.

Mehr als dass „Antebellum“ nach zähen 100 Minuten sein Ende zurück auf der Plantage findet, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Und natürlich auch nicht, was es mit all dem auf sich hat. Dabei würde der Vergleich mit einem Film aus den frühen Nullerjahren genügen, um das Mysterium zu entzaubern. Das Problem daran ist gar nicht unbedingt, dass es ein sehr ähnliches Szenario wie in „Antebellum“ schon einmal gegeben hat. Sondern vielmehr, dass es Gerard Bush und Christopher Renz nicht annähernd so elegant aufbereiten, wie es ihr Kollege vor nunmehr 16 Jahren getan hat.

Und der Horroraspekt? Der kommt in „Antebellum“ kaum zur Geltung. Einige im Trailer Übernatürliches ankündigenden Sequenzen kommen im Film gar nicht erst vor. Der „Horror“ bezieht sich in erster Linie auf das, was der Film gen Ende enthüllt. Ein Jordan Peele hätte daraus sicher etwas richtig Gutes kreieren können.

Antje Wessels