Athos – Im Jenseits dieser Welt

Eigentlich ist das Filmen in den Klöstern auf Athos verboten, Peter Bardehle und Andreas Martin gelang es dennoch, in der unabhängigen Mönchsrepuplik im Osten Griechenlands zu drehen. Das Ergebnis ist die Dokumentation "Athos – Im Jenseits dieser Welt", die vor allem deswegen sehenswert ist, weil sie einen Einblick in eine unbekannte Welt liefert.

Webseite: www.athos-derfilm.de

Deutschland/ Griechenland 2015 – Dokumentation
Regie: Peter Bardehle & Andreas Martin
Länge: 95 Minuten
Verleih: NFP, Vertrieb: Filmwelt
Kinostart: 23. Juni 2016
 

FILMKRITIK:

Südöstlich der griechischen Hafenstadt Thessaloniki ragen drei Landzungen in die Ägäis. Auf der Spitze der östlichsten ragt der Berg Athos in den Himmel und ermöglicht spektakuläre Blicke. Nah am Himmel, nah an Gott mag man sich hier fühlen, und vielleicht war genau dies der Grund, warum auf der Halbinsel vor gut tausend Jahren Klöster gegründet wurden, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Diese Auszeichnung führt sonst oft zu erheblichem Touristen-Aufkommen, nicht jedoch auf Athos. Denn seit langem existiert hier eine unabhängige Mönchsrepublik, deren Zutritt streng reglementiert ist. Jedem weiblichen Wesen ist der Zutritt komplett untersagt, was sich nicht nur auf Frauen bezieht, sondern auch auf weibliche Tiere! Doch auch (männliche) Pilger oder interessierte Reisende brauchen ein spezielles Visum, um Athos besuchen zu können.

Filmen ist eigentlich untersagt, eine Drehgenehmigung ist offiziell nicht zu bekommen. Wie es dem deutsch-österreichischen Regie-Duo Peter Bardehle und Andreas Martin dennoch gelang, hier zu drehen, ist somit ein Rätsel. Wie dem auch sei, im Laufe von drei Jahren waren sie immer wieder auf Athos zu Besuch und filmten in diversen der rund 20 Klöster. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist die Dokumentation "Athos – Im Jenseits dieser Welt", die mit ausladenden Flugaufnahmen beginnt. Kein Wunder, haben Bardehle und Martin in den letzten Jahren doch etliche der so beliebten "von oben"-Dokumentation gedreht, "Die Alpen – unsere Berge von oben" oder auch den erfolgreichen "Die Nordsee".

Die Insel Athos, die Klöster und ihre Bewohner sind allerdings ein ganz anderes Sujet, an offensichtlichen optischen Reizen mangelt es hier abgesehen von den Blicken auf und vom Berg Athos. Zumal das Drehen in den kulturell besonders wertvollen Kirchen, in denen hunderte Jahre alte Fresken, Mosaike und andere Kunstwerke zu sehen sind, offenbar nicht möglich war. Abseits dieser Pracht, abseits der Verklärung Gottes, ist das Leben auf Athos vor allem karg: In winzigen Kammern leben die Mönche, verbringen ihre Zeit neben dem Beten mit Gartenarbeit oder der Instandhaltung der Gebäude, pilgern bisweilen zu einem anderen Kloster oder auf den Berg Athos.

Was Bardehle und Martin nun zeigen, sind lose strukturierte Momentaufnahmen, Szenen, die vom alltäglichen Leben über diverse Prozessionen bis zur Priesterweihe reichen. Gerade bei diesen festlichen Momenten fühlt man sich ein ums andere Mal als Eindringling, der ein jahrhundertealtes Ritual beobachtet, das eigentlich nicht gefilmt werden soll. Viel angenehmer sind da Aufnahmen, in denen die Mönche ganz bei sich sind, mit sich selbst beschäftigt und nah bei Gott.

Sporadisch eingefügte Kommentare der Mönche verraten nur wenig über ihre Motivation, sich dem Klosterleben zu widmen, auch die Geschichte der Insel wird nicht weiter thematisiert. Es ist ein bisschen schade, wie selten es den Regisseuren gelingt, wirkliche Einblicke in das Klosterleben zu nehmen, wirklich in die Tiefe einer so fremden, anderen Welt zu blicken. Sehenswert ist "Athos – Im Jenseits dieser Welt" daher vor allem, weil er trotz allem Bilder aus einer Welt zeigt, die den allermeisten Zuschauer verschlossen bleiben wird.
 
Michael Meyns