Auferstanden

Pünktlich zu Ostern kommt mit "Auferstanden" eine neue Version der Jesus-Geschichte ins Kino, die lange Zeit einen interessanten Ansatz verfolgt: Nicht aus der Perspektive des selbsternannten Messias wird die Geschichte erzählt, sondern aus der Sicht eines römischen Soldaten, der die Geschehnisse in Jerusalem, circa 33 AD, untersucht.

Webseite: www.auferstanden-film.de

OT: Risen
USA 2015
Regie: Kevin Reynolds
Buch: Kevin Reynolds & Paul Aiello
Darsteller: Joseph Fiennes, Peter Firth, Tom Felton, Cliff Curtis, Maria Botto, Antonio Gil, Luis Callejo
Länge: 107 Minuten
Verleih: Sony Pictures
Kinostart: 17. März 2016
 

FILMKRITIK:

"Die größte Geschichte aller Zeiten" heißt einer der berühmtesten Jesus-Filme, womit ein fundamentales Problem jeder Neuverfilmung des Stoffes schon angedeutet wird: Der Filmemacher muss sich entscheiden, entweder einen Film zu drehen, in dem Jesus tatsächlich Wunder vollbringt, gekreuzigt wird und aufersteht oder Jesus ein ganz gewöhnlicher Mensch ist, der als Prophet durch Judäa zog und gekreuzigt wurde. Doch unabhängig davon, ob man sie als Christ oder Atheist betrachtet, ist die Geschichte von Jesus faszinierend, die Bedeutung des Christentums enorm, im guten wie im schlechten.

Für seinen Jesus-Film "Auferstanden" wählt Kevin Reynolds (bekannt vor allem als Regisseur der Kevin Costner-Vehikel "Robin Hood" und "Waterworld") einen interessanten Ansatz: Nicht Jesus ist die Hauptfigur, sondern der (fiktive) römische Zenturio Clavius (Joseph Fiennes), der 33 AD im Dienste von Pontius Pilatus (Peter Firth) steht. Zu Beginn des Films hat dieser gerade einer der immer wieder nach Jerusalem kommenden, selbst ernannten Propheten kreuzigen lassen, einen scheinbar nicht weiter wichtigen Mann aus Nazareth. Doch irgendetwas ist diesmal anders, die jüdischen Stadtherren sorgen sich um ihre Macht und fordern Pilatus auf, die Leiche von Jesus schnell zu begraben, um sie seinen Gefolgsleuten zu entziehen. Diese würden die Leiche nur verschwinden lassen wollen, um anschließend zu behaupten, Jesus sei auferstanden. Um das unvermeidliche Chaos zu verhindern, wird Clavius damit beauftragt, für Ordnung zu sorgen. In einer Gruft wird die Leiche Jesu versiegelt – und ist am nächsten Morgen verschwunden. Mit zunehmender Verzweiflung sucht Clavius nach der Leiche, versucht die Jünger des Propheten ausfindig zu machen und steht auf einmal selbst Jesu gegenüber.

Selbst in diesem Moment, wenn Clavius Jesus und seine Apostel findet, hält sich Reynolds noch alle Möglichkeiten offen: Möglicherweise ist die Szene nur eine Phantasie, ein Fiebertraum, vielleicht eine durch Halluzinogene herbeigerufene Vision. Sehr interessant ist bis dahin der Ansatz des Films, die Perspektivverschiebung, das Erzählen aus Sicht eines gewiss nicht atheistischen Römers – Clavius betet zu Mars, dem Gott des Krieges – aber doch eines rationalen Mannes, der nicht an Hokuspokus wie Wunderheilungen und Wiederauferstehung glaubt. Diese Perspektive fortzuführen, die Jesus-Geschichte nicht anhand der Legenden, der Evangelien zu erzählen, sondern sie anhand der zugegebenermaßen spärlichen Fakten zu imaginieren, wäre ein interessanter Ansatz gewesen.

Doch bald wird klar: Auch bei Kevin Reynolds ist Jesus der Messias, vollbringt Wunder und schafft es sogar, einen skeptischen Römer zu bekehren. Dass diese Geschichte auf Grund eines offensichtlichen Mangels an finanziellen Mitteln sehr reduziert erzählt wird und nicht mit bombastischen Spezialeffekten, macht "Auferstanden" zum Charakterdrama. Dass sich allerdings ein wenig zwischen die Stühle setzt: aus christlicher Sicht mag die Erzählweise zu pragmatisch, das göttliche Element zu wenig in den Vordergrund gestellt sein, als Atheist ist ungefähr nach Hälfte des Films genug. Insofern vielleicht ein Film für Agnostiker, die Interesse an einer Geschichte haben, die, egal ob man an sie glaubt oder nicht, mehr als alle anderen die Welt geprägt hat, in der wir leben.
 
Michael Meyns