Bailey 2 – Ein Hund kehrt zurück

Nach dem Überraschungserfolg der Verfilmung des Hunderomans „Bailey – Ein Freund fürs Leben“ folgt nach alter Hollywoodtradition nun die Fortsetzung. Und die kann sich sehen lassen, denn Regisseur Gail Mancuso hat für „Bailey 2 – Ein Hund kehrt zurück“ an den richtigen Schrauben gedreht.

Webseite: www.facebook.com/bailey.film

OT: A Dog’s Journey
CHN/IND/HKG/USA 2019
Regie: Gail Mancuso
Darsteller: Josh Gad, Dennis Quaid, Kathryn Prescott, Marg Helgenberger, Betty Gilpin, Abby Ryder Fortson
Länge: 109 Minuten
Verleih: Constantin Film
Kinostart: 13. Juni 2019

FILMKRITIK:

Hund Bailey (Stimme im Original: Josh Gad) ist in die Jahre gekommen. Früher tollte er noch gemeinsam mit seinem Herrchen Ethan (Dennis Quaid) über die Wiesen und führte ihn sogar mit seiner heutigen Frau Hannah (Marg Helgenberger) zusammen, doch mittlerweile lässt es der gutmütige Rüde ruhiger angehen. Ethans und Hannahs Enkelin Calista Jane – kurz: CJ – hat es dem Ehepaar und Bailey besonders angetan. Doch CJs Mutter Gloria (Betty Gilpin) ist seit dem Tod ihres Mannes vollkommen überfordert. Sie träumt von einer Karriere als Sängerin und vernachlässigt darüber ihre Tochter. Trotzdem nimmt sie CJ eines Tages mit zu sich, als sie überstürzt von der Farm ihrer Eltern aufbricht und versucht, sich in der Stadt ein neues Leben aufzubauen. Zunächst muss CJ hier ganz allein klarkommen. Doch schon bald trifft sie über Umwege auf die junge Hündin Molly. Was CJ nicht ahnt: In Molly steckt die Seele des mittlerweile verstorbenen Bailey. Und der gab seinem Herrchen im Sterben das Versprechen, für immer auf sein kleines Mädchen aufzupassen…
 
Bei Produktionskosten von 22 Millionen US-Dollar und einem Einspiel von über 200 Millionen lässt sich guten Gewissens von einem Erfolg sprechen. Erwartbar war das allerdings nicht; im Gegenteil. Lasse Hallströms Romanverfilmung „Bailey – Ein Freund fürs Leben“ startete 2017 unter denkbar ungünstigen Bedingungen. Angeblich soll bei den Dreharbeiten gegen die geltenden Tierschutzbestimmungen verstoßen worden sein. Sogar von Tierquälerei war die Rede, in dessen Folge Tierliebhaber zu einem Boykott des Films aufriefen. Derartige Negativschlagzeilen hängen zwar auch der Fortsetzung noch immer nach, neue produziert hat diese allerdings keine. Überhaupt ist „Bailey 2 – Ein Hund kehrt zurück“ noch einmal eine ganze Ecke sympathischer als der Vorgänger, was nicht nur daran liegt, dass die hier im Zentrum des Geschehens stehenden Figuren deutlich mehr hergeben, sondern auch an der Wahl des deutschen Synchronsprechers: Florian David Fitz, der Bailey im ersten Teil seine Stimme lieh, stand für die Fortsetzung nicht mehr zur Verfügung. Und das ist auch gut so, denn ohne einen Promi im Synchronstudio wirkt das Konzept vom sprechenden, mehrmals wiedergeborenen Hund weitaus glaubhafter.
 
Auf diese mitunter durchaus makabere Prämisse muss man sich natürlich einlassen. So niedlich die verschiedenen Reinkarnationen von Baileys Seele auch dreinblicken mögen, so sehr dürfte es gerade ein jüngeres Publikum schmerzen, wenn sie sich in regelmäßigen Abständen wieder von ihm verabschieden müssen. Mal stirbt Bailey einfach nur an Altersschwäche, ein anderes Mal wird er das Opfer eines Verkehrsunfalls; nein, ein Familienfilm ist „Bailey 2“ dann doch eher nicht – zumindest, solange ganz kleine Familienmitglieder anwesend sind. Dafür steht diesmal nicht der später von Dennis Quaid verkörperte Ethan im Mittelpunkt, sondern der Werdegang von Ethans Enkelin CJ. Und der wäre tatsächlich auch ohne Hund richtig spannend. Wenngleich das Autorenteam, zu dem auch der Verfasser der Romanvorlage W. Bruce Cameron gehört, die Geschichte sehr geradlinig aufzieht und man einige Wendungen vorausahnen kann, wenn man zuvor auch nur irgendein Sozialdrama über ein vernachlässigtes Kind gesehen hat, erhält die Geschichte gerade durch die Hundeperspektive einen besonderen Dreh. Wie auch für Teil eins gilt hier: Wer einen Hund hat, wird ihn danach wohl noch mehr lieben als vorher. Und alle anderen werden sich spätestens jetzt einen anschaffen wollen…
 
Newcomerin Kathryn Prescott („Polaroid“) mimt die verwirrte CJ mit absoluter Hingabe und überzeugt sowohl im Zusammenspiel mit den zwei- als auch den vierbeinigen Darstellern. Ihre Lebensfreude ist genauso ansteckend wie ihr Missmut nachvollziehbar; als klassische Coming-of-Age-Geschichte und zurückhaltende Lovestory funktioniert „Bailey 2“ genauso gut wie als klassischer „Hundefilm“. Vor allem die Zurückhaltung in Bezug auf die Romanze beeindruckt. Wenngleich sich von Anfang an abzeichnet, dass CJ und ihr bester Freund Trent (Henry Lau) den Film vermutlich als Paar verlassen werden, kommt der Film doch mit einem einzigen Kuss aus, wodurch sich die freundschaftlich-emotionale Verbindung der beiden noch stärker herausarbeiten kann. Da verzeiht man dem Film auch einige arg konstruierte Twists und eine ganze Menge Kitsch – „Bailey 2 – Ein Hund kehrt zurück“ ist eben in erster Linie doch ein absoluter Wohlfühlfilm.
 
Antje Wessels