Belleville Cop

So ganz hat man sich mit dem deutschen Plakat zum Film vielleicht keinen Gefallen getan, denn nicht nur das Layout, auch der Titel von „Belleville Cop“ erinnern doch stark an „Beverly Hills Cop“. Der Film mag auch Pate gestanden haben, als Rachid Bouchareb das Skript schrieb, obwohl er selbst erklärte, dass er sich mehr von Filmen wie „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“ und „Die Filzlaus“ inspiriert fühlte. Aber wie dem auch sei, „Belleville Cop“ ist zumindest eins: sehr vergnüglich.

Webseite: www.facebook.com/BellevilleCop/

Le Flic de Belleville
Frankreich 2018
Regie & Drehbuch: Rachid Bouchareb
Darsteller: Omar Sy, Luis Guzman, Biyouna, Diem Nguyen
Länge: 111 Minuten
Verleih: Constantin Film
Kinostart: 31. Januar 2019

FILMKRITIK:

Der Polizist Baaba Keita (Omar Sy) liebt sein Leben in Belleville. Er ist mit der Interpol-Agentin Lin (Diem Nguyen) liiert, aber das Zusammenziehen macht Schwierigkeiten. Denn Baaba lebt noch bei seiner Mutter und will die alte Dame auch nicht allein lassen, selbst, wenn sie häufig nervt. Als er einen alten Freund wiedertrifft, wird sein Leben jedoch auf den Kopf gestellt. Der Mann, der in Miami für das französische Konsulat tätig ist, wird vor seinen Augen erschossen. Baaba zieht ein paar Strippen und wird nach Miami geschickt, um dort zusammen mit einem amerikanischen Kollegen zu ermitteln. Ein durchaus übliches Vorgehen, da der Verdächtige auch Franzose ist, aber die Regeln sind streng: Baaba darf keine Waffe tragen und niemanden verhören. Für all das ist Detective Ricardo Garcia (Luis Guzman) zuständig, dem man Baaba als Strafe aufs Auge gedrückt hat. Doch obwohl ihr Start wirklich holprig ist, kommen sie einer ganz großen Sache auf die Spur.
 
Autor und Regisseur Rachid Bouchareb ist eigentlich eher für ernsthafte Stoffe bekannt. Er wollte sein Repertoire jedoch erweitern und mal einen Film machen, der etwas lockerer daherkommt. Das Ergebnis ist „Belleville Cop“, mit dem der Künstler wohl auch den großen Filmen seiner Jugend frönt – von „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“ bis zum „Beverly Hills Cop“, an den man hier mehr als einmal denken muss. Das liegt nicht nur an der Geschichte, sondern auch an Hauptdarsteller Omar Sy, dessen Figur herrlich rotzfrech ist. Sy scheint Eddie Murphy studiert zu haben. Mehr als einmal hat man das Gefühl, den legitimen Nachfolger des einstigen Beverly Hills Cop vor sich zu sehen, was Manierismen und Art betrifft.
 
Es lag wohl auch daran, weswegen man sich beim deutschen Titel, aber auch mit dem Plakat an „Beverly Hills Cop“ orientiert. Das ist natürlich ein klein wenig peinlich, weil das den Film wie ein plumpes Plagiat erscheinen lässt. Er ist aber deutlich mehr als das, weil er die Struktur ändert – Murphy war ein Einzelkämpfer, Sy kommt im Duo mit Luis Guzman daher –, aber auch weil es ein paar ernste Untertöne gibt.
 
Das gilt nicht nur, indem auf eine neue Route des Drogenhandels das Augenmerk gelegt wird, da Afrika immer mehr zum neuen Südamerika wird, sondern auch, weil der Regisseur bewusst daraufgesetzt hat, zu zeigen, wie Multikulti als positiver Effekt funktioniert. Er wollte keine weißen Polizisten, sondern fand es spannend, einen Schwarzen aus Frankreich auf einen kubanisch stämmigen Polizisten in den USA treffen zu lassen.
 
Der ernsthafte Unterbau ist schön, aber letzten Endes nicht ausschlaggebend für das Gelingen des Films. Der funktioniert, weil die Hauptfigur dank der Mutterbindung ungewöhnlich gestaltet und die Interaktion mit dem amerikanischen Kollegen sehr schön anzusehen sind. Sy und Guzman haben eine gute Chemie miteinander, die Gags sind auf den Punkt gebracht und die Action kann auch überzeugen.
 
Peter Osteried