Beste Freunde

Katharina Wackernagel überzeugt in "Beste Freunde" als alleinstehende, lesbische Mitt-Dreißigerin, die ihr ungebundenes Leben als Reise-Bloggerin und Fotografin genießt. Doch dann verliebt sich ihr bester Freund und alles ändert sich. "Beste Freunde" entstand unter der Regie von Wackernagels Bruder Jonas Grosch und ist eine überzeugende Mixtur aus Generationen-Studie und leichter Komödie geworden. Dem glänzend harmonierenden Cast und der glaubwürdigen Darstellung der Lebenswelt der Generation 30plus sei Dank.

Webseite: www.bestefreundefilm.de

Deutschland 2014
Regie: Jonas Grosch & Carlos Val
Drehbuch: Jonas Grosch
Darsteller: Katharina Wackernagel, Sebastian Schwarz, Tina Amon Amonson,  Niels Bormann, Maria Matschke, Robert Breyer
Länge: 87 Minuten
Verleih: RésisteFilm
Kinostart: 26. Februar 2015

FILMKRITIK:

Susi Q (Katharina Wackernagel) ist Mitte 30, lesbisch und liebt die Unabhängigkeit: Sie lebt in ihrer Single-Wohnung in Berlin und arbeitet freiberuflich als politische Reisejournalistin mit eigenem Blog. Bei dem hilft ihr der beste Freund Mark (Sebastian Schwarz), mit dem sie auch die Reisen rund um die Welt unternimmt. Alles ändert sich, als sich Mark in die attraktive Vivian (Tina Amon Amonson) verliebt und mit dieser zusammenkommt. Schon bald fühlt sich Susi vernachlässigt. Als Mark und Vivian dann auch noch bekannt geben, so schnell wie möglich heiraten zu wollen, sieht Susi nur noch eine Chance, ihren besten Freund zurückzugewinnen: sie recherchiert in Vivians Vergangenheit und wendet sich an den alleinerziehenden Steffen (Niels Bormann), mit dessen Tochter Marie Lou (Maria Matschke) Susi gemeinschaftlich die Hochzeit verhindern will. 

"Beste Freunde" ist der neue Film von Regisseur und Drehbuchautor Jonas Grosch, dem Bruder von Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel, mit der er gemeinsam in einer Berliner WG lebt. "Beste Freunde" erzählt vor dem Hintergrund einer vor dem Scheitern stehenden Freundschaft auf plausible und charmante Weise von Wünschen und Sehnsüchten heutiger Mittdreißiger. Der Film funktioniert als liebenswürdige Mischung aus Generationen-Porträt und leichter Komödie sehr gut, vor allem dank des bärenstarken Casts.

Dass Schauspielerin Katharina Wackernagel und ihr Bruder Jonas Grosch ein eingespieltes und gut harmonierendes Team sind, beweisen sie seit 2004, da sie sich bereits seit dieser Zeit zusammen eine WG in Berlin teilen. Dort wurde der Film auch gedreht, wobei sich Hauptfigur Susi in aller Regel nicht länger als eine Woche in ihrer Single-Wohnung aufhalten kann. Dann packt sie das Reisefieber und sie muss wieder in die große weite Welt hinaus. Nachhaltig und glaubwürdig zeigt "Beste Freunde" auf, wonach sich viele Menschen zwischen 30 und 40 heute sehnen: Unabhängigkeit, Freiheit, Ungebundenheit. Ohne große Planungen und Verpflichtungen geht es Susi darum, in den Tag hineinzuleben und ihr Leben so zu gestalten, wie sie es gerne hätte. Sie arbeitet dort, wo andere Urlaub machen – und bekommt auch noch Geld dafür.

Katharina Wackernagel ist als selbstbewusste und schlagfertige, aber psychisch labile Reise-Bloggerin wie gewohnt großartig, der übliche Cast steht ihr in nichts nach, von Sebastian Schwarz als Susis bester Freund Mark bis zu Tina Amon Amonson als undurchschaubare Schönheit, die Susi das Leben gehörig schwer macht. Neben Wackernagel haben aber vor allem noch zwei Neben-Figuren die meisten Schmunzler und Sympathien auf ihrer Seite: Robert Breyer als Susis schwuler Physiotherapeut Dominique, der seiner Stammpatientin mit unorthodoxen Tipps zur Seiten steht, und schließlich die 13-jährige Maria Matschke, die Susi – auch mittels ihrer über 30 (!) Fake-Accounts bei Facebook – hilft, dunkle Flecken in Vivians Vergangenheit aufzudecken.

Am Ende überschlagen sich ein paar wenig glaubwürdige Wendungen und auch der Einsatz bzw. Kampf von Susi um Mark scheint manches mal leicht überzogen. Dies sind aber die einzigen Schwächen einer durch und durch liebenswerten Komödie.

Björn Schneider