Big Fish & Begonia: Zwei Welten – Ein Schicksal

Normalerweise stammen in Deutschland bekannte asiatische Zeichentrickfilme aus Japan oder Südkorea, Animes aus China sind eher selten. Umso schöner, dass mit dem Berlinale-Beitrag „Have a Nice Day“ und dem auf dem Internationalen Trickfilmfestival in Stuttgart aufgeführten „Big Fish & Begonia“ aktuell gleich zwei chinesische Animefilme ins Kino kommen – letzterer leider nur im Rahmen eines eintägigen Events, aber immerhin. Es lohnt, die von Liang Xuan und Zhang Chun berührend inszenierte Hymne an das Leben, den Tod und alles dazwischen auf großer Leinwand zu schauen.

Webseite: www.universumfilm.de

OT: Dayu haitang
China 2016
Regie: Xuan Liang, Chun Zhang
Drehbuch: Xuan Liang, Daniel Chuba
Sprecher/innen (OV): Guanlin Ji, Shangqing Su, Timmy Xu, Shulan Pan, Yuanyuan Zhang, Jiu'er, Lifang Xue, Jie Zhang
Laufzeit: 100 Min.
Verleih: Universum Film
Kinostart: 3. Februar 2019 (limitiert)

FILMKRITIK:

Die 16-jährige Chun (Sprecherin: Guanlin Ji) wächst in einer magischen Parallelwelt auf. Die dort lebenden Wesen, genannt „die Anderen“, beeinflussen die Jahreszeiten und den Gezeitenwechsel auf der Erde. An ihrem siebzehnten Geburtstag nimmt Chun an einem traditionellen Volljährigkeitsritual teil und reist in Gestalt eines roten Delfins in die Menschenwelt, um diese sieben Tage lang zu erkunden. Auf der Erde verfängt sie sich in einem Fischernetz und wird vom Fischerjungen Kun (Timmy Xu) gerettet, der dabei ums Leben kommt.
 
Zurück in ihrer Welt schließt die betrübte Chun einen Pakt mit dem Hüter der Seelen und tauscht die Hälfte ihrer Lebenszeit ein, um eine Wiedergeburt Kuns zu ermöglichen. Der Handel mit dem Seelenhüter wirbelt den Lauf der Dinge durcheinander und beschwört den Zorn der Alten herauf. Gemeinsam mit ihrem Kindheitsfreund Qui (Shangqing Su) unternimmt Chun alles, um den als Fisch wiedergeborenen Kun zu beschützen.
 
Für die zwölf Jahre währende Produktion von „Big Fish & Begonia“ kooperierten die chinesischen Regisseure Liang Xuan und Zhang Chun mit dem vornehmlich im Serienbereich tätigen Studio Mir aus Südkorea. Herausgekommen ist ein visuell wunderschöner und sehr poetischer Trickfilm voller großer Themen wie Tod, Trauer, Schuld und Verantwortung. Die schlichte Orchestermusik von Kiyoshi Yoshida („Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“) passt gut zur Stimmung, klingt aber etwas blass.
 
Regelmäßig zeigen die teils handgezeichneten, teils computeranimierten Bilder den Himmel oder die Sterne, immer wieder erinnern Spiegelungen daran, dass hier alles ineinander verflochten ist wie die Leben von Chun und Kun. Die Figuren rücken oft als kleine Teile des großen Ganzen ins Bild, das hier (zumindest für westliche Betrachter und erst recht für Kinder) nie vollständig erfassbar ist, auch wenn Chuns Erzählerinnenstimme manche Hintergründe erklärt.
 
Chuns Handlungen ziehen immer weitere Kreise, die letztlich die ganze Welt erschüttern. Im Mittelpunkt steht aber jederzeit die Dreiecksverbindung zwischen Chun, Qui und Kun. Im Geist von „Arielle“ oder „Ponyo“ erzählt „Big Fish & Begonia“ eine romantische Geschichte mit fantastischen Elementen und einem hoch emotionalen Finale.
 
Christian Horn