Breakthrough – Zurück ins Leben

Wunder gibt es immer wieder. Das besang Katja Epstein schon im Jahr 1970. In „Breakthrough“ geht es auch um Wunder. Solche, bei denen Gott seine Finger im Spiel hatte. Denn hier verunglückt ein Junge, der im Winter im Eis einbricht und erst nach einer Viertelstunde aus dem Wasser geborgen werden kann. Nach einer Stunde der Reanimierung geben die Ärzte ihre Versuche auf, aber die Gebete der Mutter bringen den Jungen ins Leben zurück. Doch damit ist er noch nicht aus dem Schneider. Der Glaubensfilm trägt reichlich dick auf und ist wohl vor allem nur dann genießbar, wenn man selbst religiös ist.

Webseite: www.breakthrough-derfilm.de

The Impossible
USA 2019
Regie: Roxann Dawson
Darsteller: Chrissy Metz, Topher Grace, Dennis Haysbert, Josh Lucas
Länge: 116 Minuten
Verleih: Fox
Kinostart: 16. Mai 2019

FILMKRITIK:

Der 14-jährige John spielt mit seinen Freunden auf einem zugefrorenen See, als das Eis unter ihnen bricht. John geht unter. Es dauert eine Viertelstunde, bis die Ersthelfer ihn bergen können. Danach bringt man ihn ins Krankenhaus, wo man lange versucht, den Jungen wiederzubeleben. Just, als die Mutter eintrifft, stellt man die Bemühungen ein, woraufhin sie Gott anfleht, ihrem Sohn das Leben zu retten. Und das tut er wohl auch, denn urplötzlich hat John wieder einen Puls. Aber damit ist er noch nicht gerettet. Man muss ihn in ein künstliches Koma versetzen, um seinem Körper die Chance zur Heilung zu geben. Doch wenn er wieder aufwacht, so der behandelnde Arzt, wird er mit Sicherheit schwere neurologische Schäden haben. Seine Mutter Joyce will das nicht glauben. Sie glaubt an Gott und hofft auf ein Wunder.
 
Filme wie „Breakthrough“ sind für amerikanische Filmstudios immer ein lohnendes Geschäft. Mit ihrer starken Konzentration auf den religiösen Aspekt laufen sie zwar im Rest der Welt nicht besonders gut, im Bible Belt des Mittelwestens machen sie aber Kasse. Entsprechend werden derartige Filme immer wieder produziert, insbesondere, wenn es schon ein erfolgreiches, natürlich inspirierendes Buch gab. Hier ist es Joyce Smiths „The Impossible“, das unter Gläubigen hoch gehandelt wird, weil das Überleben ihres Sohnes natürlich ein Wunder ist, dass die Existenz Gottes belegt. So zumindest die Lesart gläubiger Menschen.
 
Das macht Filme wie „Breakthrough“ aber auch zu einer sehr zwiespältigen Angelegenheit. Gehört man nämlich nicht demselben Glaubenssystem an, dann erweisen sie sich sehr schnell als peinliche, zum Fremdschämen einladende Unterhaltung, die ganz, ganz dick aufträgt. Hier übertreibt man es so richtig, weil es nicht nur um das Überleben des Jungen geht, man geht darüber hinaus auch soweit, einen Atheisten zu bekehren. Denn der von Mike Colter („Luke Cage“) gespielte Ersthelfer vernimmt die Stimme Gottes, die ihn auffordert, noch ein paar Meter weiter hinauszugehen. Hätte er sie nicht gehört, hätte er den kleinen John auch nicht retten können.
 
Das ist nur eine von vielen reichlich peinlichen Szenen. Denn hier wird über Gebühr gebetet, Gott gepriesen und auf ein Wunder gehofft. So sehr, dass man als aufgeklärter Zuschauer aus dem Augenrollen nicht mehr herauskommt und die armen Schauspieler bedauert. Denn tatsächlich ist der Film bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt, aber mit den Dialogen, die das Skript den Mimen gibt, haben sie sichtlich zu kämpfen. Am besten kommt dabei noch Topher Grace weg, weil seine Figur eines modernen Pastors zumindest eine angedeutete Vielschichtigkeit besitzt.
 
Inszenatorisch reißt der Film auch keine Bäume aus. Roxann Dawson kommt vom Fernsehen, wurde als Schauspielerin in „Star Trek: Voyager“ bekannt und hat seit dem Ende der Serie Dutzende Serienepisoden inszeniert. Das merkt man ihrer Arbeit auch an. Sie ist solide und routiniert, lässt aber jedweden Esprit vermissen. Auch darum mutet „Breakthrough“ wie ein besser besetzter Fernsehfilm an.
 
Letztlich gilt: Ein Film, an dem sich die Geister scheiden. Religiöse Menschen dürften sich hier gut unterhalten fühlen, alle anderen nicht. 
 
Peter Osteried