Criminal Activities

Der Name von Jackie Earle Haleys Regiedebüt ist Programm: In "Criminal Activities" geht es um kriminelle Aktivitäten einer Gruppe von ganz normalen Männern, die durch Geldgier und Dummheit in eine Situation geraten, die sie nicht kontrollieren können. Durchaus ansprechend gefilmt fühlt sich der Film an wie eine sehr verspätete Reminiszenz an das Gangster-Kino der 90er Jahre.

Webseite: www.tiberiusfilm.de

USA 2015
Regie: Jackie Earle Haley
Buch: Robert Lowell
Darsteller: Michael Pitt, John Travolta, Jackie Earle Haley, Christopher Abbott, Rob Brown, Dan Stevens
Länge: 94 Minuten
Verleih: Tiberius, Vertrieb: 24 Bilder
Kinostart: 31. März 2016
 

FILMKRITIK:

Bei der Beerdigung eines Klassenkameraden treffen sich die alten Freunde Zach (Michael Pitt), Warren (Christopher Abbott) und Noah (Dan Stevens) wieder. Beim anschließenden Leichenschmaus stößt schließlich Bryce (Rob Brown) dazu, der dezidiert nicht zu der Clique gehört, der nicht so ganz für voll genommen wird, der aber einen Vorschlag hat: Ein todsicheres Ding plant er, eine Investition, die sie alle reich machen soll. Doch wie das mit sicheren Sachen so ist, geht auch diese schief. Und da sich das Quartett für die Investition Geld beim örtlichen Gangsterboss Eddie (John Travolta) besorgt hat, haben sie ein Problem. Dass Geld zurückzahlen ist nicht möglich und so heuert Eddie sie an, einen Job für ihn zu erledigen. Im lokalen Bandenkrieg soll der Neffe eines Konkurrenten entführt werden, eine Aufgabe, die das Quartett erledigen soll. Doch die daraus resultierenden Komplikationen überfordern die Möchtegern-Gangster schnell.

Originell ist an "Criminal Activities" gar nichts: Stil, Tonfall, Story, selbst die mehr oder weniger überraschende Schlusswendung wirken wie direkte Zitate an das Genrekino der 90er Jahre, allen voran die Filme Quentin Tarantinos, aber auch seines Epigonen Guy Ritchie oder komplex konstruierten Thrillern wie "Die üblichen Verdächtigen." Jede Figur in "Criminal Activities" hat man auf die ein oder andere Weise schon zigmal gesehen, zumal von Schauspielern wie John Travolta oder Michael Pitt, die hier kaum mehr machen, als sich selbst zu zitieren.

Der Witz ist nun, dass das Drehbuch zu "Criminal Activities" vom bereits 1977 verstorbenen Dichter Robert Lowell. In den 70er Jahren blieb das Drehbuch unverfilmt, möglicherweise, weil es seiner Zeit voraus war. Nun hat es der vor allem wegen seiner Rollen als Antagonist bekannte Schauspieler Jackie Earle Haley ausgegraben und verfilmt. Das tut er stilistisch in bemerkenswert souveräner Manier, mit einigem Gespür für Atmosphäre und der Absurdität seiner Geschichte. Sich selbst hat Haley dabei die Rolle eines Auftragskillers gegeben, der zwischen Morden gern philosophische Sentenzen von sich gibt, auch das ein Muster, das leidlich bekannt ist. Ein wenig wirkt das so als hätte Haley zu gern in einem Tarantino-Film mitgespielt, aber da er nicht eingeladen wurde, drehte er kurzerhand seinen eigenen.

Dass er damit selbst als Nachahmer gut zehn, zwanzig Jahre zu spät kommt macht "Criminal Activities" zu einem noch größeren Anachronismus, als er es ohnehin schon ist. Ein schlechter Film ist er gewiss nicht, aber ein wenig aus der Zeit gefallen.
 
Michael Meyns