Der junge Messias

Von unerschütterlichem Glauben geprägt, ehrfurchtsvoll und unsubtil ist Cyrus Nowrastehs Bibelstunde „Der junge Messias“. Wie der siebenjährige Jesus mit seinen Eltern von Ägypten nach Israel zurückkehrt und langsam realisiert, dass er der Messias ist, beschreibt Nowrasteh in seinem Film, der allein gläubigen Christen zuzumuten ist.

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The Young Messiah
USA 2015
Regie: Cyrus Nowrasteh
Buch: Cyrus Nowrasteh und Betsy Giffen Nowrasteh, nach dem Roman von Anne Rice
Darsteller: Adam Graeves-Neal, Sara Lazzaro, Vincent Walsh, Sean Bean, Rory Keenan
Länge: 111 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 12. Mai 2016

FILMKRITIK:

Mit seinen Eltern Maria (Sara Lazzaro) und Josef (Vincent Walsh) lebt der siebenjährige Jesus (Adam Greaves-Neal) in Alexandria, wohin die Familie vor König Herodes geflüchtet ist. Eigentlich will Jesus ein ganz normaler Junge sein, durch die Gassen der Stadt rennen und Spaß haben, doch der Satan (Rory Keenan) hat andere Pläne. Immer wieder erscheint die blonde, spitzbärtige Gestalt Jesus, hetzt aber auch seine Umgebung gegen ihn auf. Bevor sich die Stimmung in Alexandria jedoch völlig gegen den wundertätigen Jungen wendet, der schon fleißig Tote zum Leben erweckt, hat sein Vater eine neue Vision: König Herodes ist tot, die Familie kann sicher in die Heimat zurückkehren.
 
Diese Vision stellt sich jedoch als Irrtum heraus, Herodes (Jonathan Bailey) lebt, umgibt sich im Tempel mit Schlangenbeschwörern und anderen Magiern und fürchtet immer noch die Prophezeiung, die die Ankunft des Messias verkündet hat. So beauftragt er den römischen Zenturio Severus (Sean Bean), erneut mit dem Mord an einem Kind. Einst hatte Severus in Bethlehem (fast) alle Kinder getötet, eine Tat, die ihn immer noch schwer belastet. Nun begibt er sich auf die Suche nach Jesus, der sich Gerüchten zufolge dem Tempel in Jerusalem nähert.
 
Dass Severus den jungen Jesus nicht töten wird, liegt auf der Hand, doch das offensichtliche Fehlen von Spannung ist nicht das eigentliche Problem von Cyrus Nowrastehs Film. Grundlage des Films ist ein Roman von Anne Rice, die vor allem wegen ihrer Vampir-Bücher wie „Gespräch mit einem Vampir“ bekannt wurde. In „Jesus Christus. Rückkehr ins heilige Land“ , dem Auftakt einer geplanten, aber bislang unvollendeten Trilogie, beruft sie sich auf „historische“ Quellen, um das Leben des jungen Jesus zu imaginieren. Allein dieser Ansatz mutet schon etwas seltsam an, ist über das Leben Jesus, geschweige denn über das Leben des jungen Jesus kaum etwas bekannt, dass wirklich historisch belegt wäre. Selbst in den Evangelien wird allein von Lukas kurz der 12jährige Jesus erwähnt, der im Tempel interessiert den Erzählungen der Rabbiner lauscht.
 
Noch andächtiger als der Roman ist dann auch der Film geraten, der vom ersten Moment an keinen Zweifel daran lässt, dass Jesus der Messias ist, der von seinen Eltern aber noch im unklaren über seine Gabe, seine Herkunft, seine Bedeutung gelassen wird. Man könnte „Der junge Messias“ also als eine Selbstfindungsgeschichte betrachten, in der Jesus langsam realisiert, wer er ist und diese Rolle annimmt. Dass erinnert nicht von ungefähr an zahlreiche ähnlich gelagerte Filme, nicht zuletzt an „Matrix“, in dem Keanu Reeves schließlich eine Art Cyber-Messias war, der ebenfalls erst langsam seine Rolle akzeptierte.
 
Eigentlich kein ganz uninteressanter Ansatz, doch Cyrus Nowrastehs versucht gar nicht erst, die Geschichte für ein breiteres Publikum zu erzählen, sondern will es einzig und allein überzeugten Christen recht machen. Donnergroll, gleißendes Licht, himmlische Orchester ziehen sich durch seinen Film, in dem ein betont hellhäutiger junger Jesus Wunder über Wunder vollbringt und schließlich gar einen ungläubigen Römer bekehrt. Erzählerisch und visuell ist „Der junge Messias“ auf dem Niveau einer Bibelstunde fürs Fernsehen, ohne Brüche, die vielen interessanten Aspekte, die in der historischen Figur Jesus und ihrer Bedeutung für das Abendland stecken, völlig ignorierend.
 
Michael Meyns