Eine ganz heiße Nummer 2.0 – Kein Netz, keine Liebe

Acht Jahre nach dem ersten Teil, der auf dem gleichnamigen Bestseller von Andrea Sixt basiert und im Kino immerhin mehr als eine Million Zuschauer amüsierte, gibt es nun mit „Die ganz heiße Nummer 2.0“ das an und für sich unerwartete Sequel. Amüsant ist es aber, die drei Freundinnen Lena, Moni und Waltraut wiederzusehen. War es früher noch eine Sex-Hotline, mit der Geschäfte gemacht wurden, so soll nun das Dorf gerettet werden, indem man an einem Tanzwettbewerb teilnimmt. Man folgt dem Erzählmuster des Vorgängers und liefert einen amüsanten, in seiner Komik bodenständigen Film ab.

Webseite: www.constantin-film.de

Deutschland 2019
Regie: Rainer Kaufmann
Darsteller: Gisela Schneeberger, Rosalie Thomass, Franziska Schlattner.
Länge: 91 Minuten
Verleih: Constantin
Kinostart: 3. Oktober 2019

FILMKRITIK:

Marienzell verwaist immer mehr. Da es kein High-Speed-Internet gibt, ziehen immer mehr Familien weg. Stoppen kann man das nur mit dem Verlegen eines Glasfaserkabels, doch da es zu wenig Kundschaft in Marienzell gibt, ist keine Firma dazu bereit. So beschließen die Männer, dass man das Kabel auch selbst verlegen könnte, um Kosten bei der 220.000 Euro teuren Anschaffung zu sparen, während Lena und ihre Freundinnen sich bei einem Tanzwettbewerb im nächsten Dorf anmelden, bei dem man immerhin die Anzahlung für die teure Anschaffung gewinnen könnte. Das Problem ist nur, dass der Wettbewerb schon in zwei Wochen ist und keine der Drei auch nur die geringsten Tanzerfahrungen aufweisen kann. Darüber hinaus geht es in ihrem Privatleben drunter und drüber.
 
Der erste Film wurde mit britischen Sozialkomödien wie „Ganz oder gar nicht“ verglichen, beim Sequel kann man diesen Vergleich nun auch problemlos ziehen. Es ist dasselbe Konstrukt, nachdem mehr oder minder abgehängte Kleinstädter und Dörfler aus ihrer Komfortzone heraustreten und etwas machen müssen, um ihr Leben zu verändern und zu verbessern. War es vor acht Jahren noch die Sex-Hotline, so ist es nun ein Tanzwettbewerb. Mehr noch als damals erscheint das Thema heutzutage prägnanter, da „Die ganz heiße Nummer 2.0“ sich mit dem sehr realen Problem der Landflucht befasst.
 
Dörfer und kleine Städte verwaisen immer mehr, weil sich den jungen Leuten dort kaum Perspektiven bieten. Viele sind schlichtweg gezwungen, die Heimat zu verlassen, um im Leben überhaupt eine Chance zu bekommen. Das ist der sehr reale, sehr dringliche Unterbau des Films, der trotz des reichhaltigen Humors niemals vergessen wird, sondern dem Ganzen immer eine gewisse Bedeutungsschwere verleiht. Daran ändert auch nichts, dass es ein paar schrillere Szenen gibt wie etwa Lenas Traktorfahrt in Unterwäsche. Der Humor kommt aus der Situation, weswegen man nicht über diese Figuren, sondern mit ihnen lacht.
 
Dabei werden durchaus ein paar Bayern-Klischees gewalzt, dies geschieht aber auf sehr sympathische Art und Weise. Der Dialekt spielt da eine Rolle, aber auch die hemdsärmelige Art und natürlich der fantasievolle Einsatz von Fremdwörtern.
 
Die Hauptdarsteller finden sich gleich wieder in ihren Rollen ein, so, als hätten sie nie etwas anderes gespielt. Die Freundschaft der Figuren ist nicht nur behauptet, sondern spürbar, und das dörfliche Leben wird recht authentisch dargestellt. „Eine ganz heiße Nummer 2.0“ ist ein verflixt amüsanter Film – und das nicht nur, aber sicherlich vor allem auch für Bayern, wenn sie denn ein klein wenig Selbstironie mitbringen.
 
Peter Osteried