Elser – Er hätte die Welt verändert

Erst Hitler, jetzt Georg Elser – das Dritte Reich lässt Regisseur Oliver Hirschbiegel nicht los. In seinem Biopic erzählt er die Geschichte des gescheiterten Attentäters, die zu Unrecht nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland immer noch relativ unbekannt ist. Das Drehbuch stammt von Fred Breinersdorfer, der 2005 schon Sophie Scholl zur Kinofigur machte. Neben Christian Friedel in der Titelrolle brilliert Burghart Klaußner als Kripo-Chef.

Webseite: www.elser-derfilm.de

Regie: Oliver Hirschbiegel
Buch: Fred Breinersdorfer, Léonie-Claire Breinersdorfer
Darsteller: Christian Friedel, Burghart Klaußner, Katharina Schüttler, Johann von Bülow, Felix Eitner
Länge: 110 Minuten
Verleih: NFP marketing & distribution, Vertrieb: Tobis
Kinostart: 2. April 2015

Pressestimmen:

"'Elser' porträtiert in vielen Rückblenden nicht nur einen Attentäter, sondern ein ganzes Land, eine Gesellschaft von Gleichgültigen, Mitläufern und Mördern. Ein kluger Film, Zeitgeschichte und Thriller in einem."
Der Spiegel

"Ein Film der weniger nach dem wie fragt sondern nach dem warum. Und gerade deshalb so sehenswert ist…  Dieser Film setzt nicht nur dem mutigen Schwaben ein Denkmal. Es ist auch ein Aufruf zum Hinsehen und zum Nein-Sagen wo immer es nötig ist, auch gegen den Strom… Ein eindrucksvoller Film."
ZDF Heute Journal

"Christian Friedel ist brillant als Elser. Ein außergewöhnlicher Film über einen außergewöhnlichen Mann."
Brigitte

FILMKRITIK:

8. November 1938: Im Münchener Bürgerbräukeller hält Adolf Hitler eine Rede. 13 Minuten, nachdem er das Lokal verlassen hat, explodiert eine Bombe und reißt acht Menschen in den Tod. Schon während Hitlers Rede wird am Grenzübergang zur Schweiz der deutsche Kunstschreiner Georg Elser (Christian Friedel) festgenommen, weil er sich merkwürdig verhält und verdächtige Gegenstände mit sich führt. Bald ist klar, dass es sich um den Attentäter handelt. Er hatte die Bombe schon am 6. November versteckt. Beim Verhör setzen Kripo-Chef Arthur Nebe (Burghart Klaußner) und Gestapo-Leiter Heinrich Müller (Johann von Bülow) teilweise Folter ein. Trotzdem beharrt Elser auf seiner Darstellung, allein und ohne Hintermänner gehandelt zu haben.
 
Wer war Georg Elser? Immer noch ist in der Öffentlichkeit zu wenig bekannt über den Mann, der die Weltgeschichte entscheidend hätte ändern können. Der Grund dafür liegt wohl in diesem Konjunktiv – für die Mythenbildung zählt die Tat, nicht das Vorhaben. Außerdem wirkt noch immer das Bild von Georg Elser als Eigenbrötler und Querulanten nach, das auf die Gestapo-Propaganda zurückgeht. So konnte der Schwabe nie die romantische Aura eines stolzen Widerstandskämpfers entwickeln wie etwa Sophie Scholl.
 
Insofern ist es tatsächlich angebracht, dieses Bild durch einen großen Kinofilm zu korrigieren und Georg Elsers Tat zurück ins Bewusstsein zu bringen. „Elser“ tut das mit ausgedehnten Rückblenden, die sein Leben bis zur Tat schildern. Bei ihrer Recherche fanden Drehbuchautor Fred Breinersdorfer und seine Tochter und Ko-Autorin Léonie-Claire heraus, das Elser ein lebenslustiger Mann war, der Musik machte und einen Schlag bei Frauen hatte. Etwas zu aufdringlich stellt Oliver Hirschbiegel diesen Aspekt in den Mittelpunkt der ersten Hälfte seines Films. Ständig muss Elser vor sich hin summen, singen oder die Damenwelt bezircen. Seine große Liebe Elsa (Katharina Schüttler) beeindruckt er wie der romantische Held eines Hollywood-Melodrams. Hier versucht Hirschbiegel überdeutlich, Elser als Helden zu etablieren.
 
Großartig gelungen sind dafür die Verhörszenen. Der Film erspart dem Zuschauer keine Details, er  zeigt, was es bedeutet, unter der Folter zu leiden. Er zeichnet die nackte Angst nach, die man empfinden muss, wenn man in die Hände eines mitleidlosen, fanatischen Regimes gefallen ist. Leider löst die derzeit bei Historien-Dramen so beliebte Parallelmontage mit Rückblicken in Elsers Vergangenheit die entstehende Intensität immer auf. Sehr gut gezeichnet ist die Figur des Arthur Nebe, der von Elsers Überzeugung und Geradlinigkeit nachhaltig verunsichert wird. Nebe kann einfach nicht fassen, wie jemand an der Allmacht des Führers zweifeln kann.
 
So ist „Elser“ ein Stück konventionelles Kino, das trotz einiger Schwächen zeigt, wie wichtig Zivilcourage ist. Dabei verschweigt der Film aber nicht, wie viel Mut dafür erforderlich ist – und wie hoch der Preis, den Elser dafür zahlt.
 
Oliver Kaever