FELIX 2 – DER HASE UND DIE VERFLIXTE ZEITMASCHINE

D 2005
Zeichentrick
R: Giuseppe Maurizio Laganà
B: John Paisley u.a. nach den Kinderbüchern von Annette Langen und Constanza Droop
Sprecher: Patrick Flecken, Sunnyi Melles, Christiane Paul, Hans Werner Olm, Dominic Redl, Barbara Rudknick, Helmut Markwort
Verleih: Universum Film
Länge: 80 Min.
Start: 16. Februar 2006

Kinder und Mütter wissen oft nicht mehr, was zuerst ins Haus kam: Felix oder sein karierter Koffer? Das Felix-Buch oder das Kuscheltierkissen? Oder tauchte zuvor schon das Felix-Briefpapier auf? Bei der multimedialen Omnipräsenz eines Stoffhasen lässt sich leicht die Übersicht verlieren. Fest steht, dass nach weltweit über 6 Millionen verkauften Büchern jetzt  der zweite kleinkindergerechte Felix-Film ins Kino kommt. Durfte  der gelbe Hase mit dem knuffigen Punkt-Punkt-Strichgesicht in seinem Leinwanddebüt „Felix – Ein Hase auf Weltreise“ noch Kapitän Nemo, Dracula, Nessie und dem Yeti begegnen, treten jetzt alkoholselige Wikinger, ignorante Steinzeitmenschen, Wale, Ritter, Indianer, Mammuts und Nofretete an, um Hasis unverwüstliche Freundlichkeit zu unterstreichen. Es ist eine sprunghafte Reise kreuz und quer durch die Zeiten, bei der die Produzenten offenbar alles aufsammelten, was ihnen in anderen Abenteuerfilmen Spaß machte. 

Felix, Stofftierfhasensohn der kleinen Sophie, verirrt sich bei einem Museumsbesuch in die virtuelle Zeitreisemaschine des zerstreuten Professors Snork (gesprochen von TV-Kabarettist Hans-Werner Olm) – einer Zeichentrickkopie des verrückten Wissenschaftlers aus „Zurück in die Zukunft“.  Durch Bedienung falscher Knöpfe begibt sich Felix mit zwei verlebendigten Museumsexponaten, dem Mammutbaby Wolly und der meckernden Riesenschildkröte Gertrude, auf Zeitreise.

Die drei landen zunächst in der Steinzeit, Wolly jubelt beim Anblick einer Mammutfamilie: „Wir sind also doch nicht ausgestorben!“ Felix findet gleich die Zuneigung eines Höhlenbewohner-Mädchens und zeigt deren depperten Eltern wie man mit Feuer Säbelzahnziger vertreibt . Dann räsoniert er: „Ich glaube, das Rad müssen sie selbst erfinden.“

Während Sophie und Professor Snork an der defekten Zeitreisemaschine basteln, fliegt Felix schon weiter ins ägyptische Altertum. Vor der schönen Nofretete (gesprochen von Barbara Rudnik) stellt er klar: „Wir sind keine Haustiere, wir sind Reisende.“ Die Schildkröte befürchtet, zur Suppe verarbeitet zu werden, das Mammutbaby möchte nicht als Bettvorleger enden. Makabre Vorstellungen, die das Kuschelniveau verlassen, aber durch Nofretetes liebevolle Dienerin Olabisi (gesprochen von Christiane Paul) wieder ausgebügelt werden. 

Felix fliegt weiter zu den Wikingern, die seine Heldenhaftigkeit bezweifeln: „Wenn Felix ein großer Abenteurer ist, warum gibt es dann keine Lieder über ihn?“ Mit dem Wikingerjungen Leif gerät er in Seenot, wird von Walen gerettet und landet auf einem fremden Kontinent. Hier wollen ihm Indianerjungen seine Ohren abschneiden, später landet er, bis über die Löffel eingerüstet, in einem mittelalterlichen Ritterturnier, das eine selbstbewusste Prinzessin für sich entscheidet. Schon geht‘s wieder zurück ins alte Ägypten, um den eingemauerten Wolly zu befreien und der verliebten Schildkröte Gertrude helfen, ihre Eier zu vergraben. Noch einige Haken muss Felix schlagen, bis Sophie ihn vor ihrer Schulklasse in die Arme schließen darf.

Und was lernen wir daraus? Felix bleibt sich selbst treu. Koffer, Kravatte und Regenschirm überleben Eis, Wüste, Dschungel und Wasserfälle tadellos. Gleichmütig wie der Brite Phileas Fogg aus „In 80 Tagen um die Welt“  bleibt Felix immer höflich aufgeschlossen für alle Wesen des Universums und findet darum überall Freunde. Durch 1300 Szenen hindurch, die von 400 Mitarbeitern schlicht und süß gezeichnet wurden.

Kinder mögen Hasen, Erwachsene auch: Helmut Markwort, den Zuschauern durch die „Fakten, Fakten, Fakten“-Werbung für sein Magazin bekannt, synchronisierte das Nilpferd Hippo. Warum? „Als nette Abwechslung zum Redaktionsalltag“ mutmaßt Produzentin Gabriele M. Walther. „Felix 2“ ließe sich als lange Werbeschleife für die Felix-Produkte abtun. Andererseit hält er in niedlich-unterhaltsamer Form die Werte Toleranz und Freundschaft hoch. Und was zählt die Mäkelei an der Infantilisierung schon, wenn heute auch in der Businessclass völlig unverhüllt „Harry Potter“ gelesen wird?

DOROTHEE TACKMANN