Freudenberg – Auf der Suche nach dem Sinn

Ein Ort zur Sinnsuche ist das Schloss Freudenberg am Rand von Wiesbaden, das seit Mitte der 90er Jahre zu einer Begegnungsstätte umgebaut wird. Warum so viele Menschen den Weg hierhin suchen und finden, versucht Andrzej Klamt in seiner Dokumentation „Freudenberg – Auf der Suche nach dem Sinn“ zu ergründen.

Webseite: freudenbergfilm.de

Dokumentation
Deutschland 2017
Regie & Buch: Andrzej Klamt
Länge: 75 Minuten
Verleih: Filmperlen
Kinostart: 5. September 2019

FILMKRITIK:

Anfang der 90er Jahre suchten Matthias Schenk und Beatrice Dastis Schenk nach einem Ort, an dem sie die Lehren von Hugo Kükelhaus in die Tat umsetzen konnten. Der 1984 verstorbene Kükelhaus war Tischler, Künstler und Pädagoge, der sich in zunächst theoretischen, später praktischen Überlegungen mit der Frage beschäftigte, wie die Menschen im Einklang mit ihrer Umgebung, mit ihrer Umwelt leben und lernen konnten.
 
Er entwickelte das Konzept des „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne und des Denkens”, ganzheitliche Erlebniswelten, die alle Sinne ansprechen und dadurch zu einer besonderen Erfahrung verhelfen sollten. Unterschiedliche Orte entstanden im Versuch, Kükelhaus Lehren zu realisieren, mit zum Teil esoterisch anmutenden Namen, die das Ephemere dieses Ansatzes andeuten: Feng-Shui-Garten, Schmetterlings- oder Bienengarten, Skulpturpfade, Waldentdeckungspfad und manche andere.
 
Sehr vage und unbestimmt hört sich das für den Außenstehenden an, der sich mit über die üblichen Internet-Resourcen über Kükelhaus zu informieren beginnt, schnell wird die Vielfalt seiner Gedankenwelt, aber auch das schwer fassbare und erklärbare an ihr deutlich. Ein Problem, dass auch Andrzej Klamts Dokumentation nicht lösen kann und auch nur zum Teil versucht.
 
Ein Film über Hugo Kükelhaus, sein Leben und seine pädagogischen Überlegungen ist „Freudenberg – Auf der Suche nach dem Sinn“ nicht, der Name Kükelhaus fällt nur am Rand, der Fokus liegt woanders. Und zwar ausschließlich auf dem Schloss Freudenberg, seinen Gründern und einigen der Mitarbeiter, die auf unterschiedliche Weise nach dem Sinn suchen.
 
In Kapiteln mit Überschriften wie „Natur als Spiegel“ oder „Theater zwischen Himmel und Erde“ beschreibt Klamt Workshops, in denen Menschen aus aller Welt sich mit Theater, Pantomime oder anderen künstlerischen Aktivitäten beschäftigen und auf der Suche nach etwas sind, was man wohl als Einklang zwischen Mensch und Natur bezeichnen kann. Doch was genau das ist, bleibt im Ungefähren, die Aussagen von Lehrern und Schülern beschränken sich auf den Versuch, etwas kaum in Worte zu Fassendes, in Worte zu fassen.
 
Schade, dass Klamt nicht auch zumindest ansatzweise versucht hat, der Person Hugo Kükelhaus nahe zu kommen, einen differenzierten, auch kritischen Blick auf dessen Überlegungen und Thesen zu richten. So bleibt „Freudenberg – Auf der Suche nach dem Sinn“ ein Insiderfilm, ein Film, der vor allem jenen, die selbst Erfahrungen mit und auf Schloss Freudenberg gemacht haben, vorbehalten bleibt. Außenstehenden einen Zugang zu dieser Weltanschauung zu geben gelingt Klamt jedoch nur bedingt.
 
Michael Meyns