Frost/Nixon

Ein Duell aus Worten zwischen dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Richard Nixon und dem britischen Fernseh-Journalisten David Frost schildert Ron Howard in „Frost/ Nixon.“ Basierend auf dem Theaterstück von Peter Morgan, spielen Frank Langella und Michael Shenn die Kontrahenten, deren Interviews 1977 Fernsehgeschichte schrieben. Ein spannendes Stück Politkino.

Webseite: www.frost-nixon.de

USA 2008
Regie: Ron Howard
Buch: Peter Morgan
Kamera: Salvatore Totino
Schnitt: Daniel P. Hanley
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Frank Langella, Michael Sheen, Kevin Bacon, Sam Rockwell, Oliver Platt, Rebecca Hall, Toby Jones
Länge: 122 Minuten, Format: 1:2,35
Verleih: Universal
Kinostart: 5. Februar 2009

PRESSESTIMMEN:

…auf film-zeit.de hier…

FILMKRITIK:

Kurz nachdem Richard Nixon 1974 als erster und bislang einziger Präsident der Vereinigten Staaten von seinem Amt zurückgetreten war, sprach sein Nachfolger, Gerald Ford, eine umfassende Begnadigung aus. Nixon würde sich für keine der ihm angelasteten Vergehen vor einem Gericht verantworten müssen, weder für die Eskalation des Vietnamkrieges, den Flächenbombardements von Kambodscha und auch nicht für die Affäre, die seine Präsidentschaft mehr als alles andere überschattete: Watergate.

Im fernen Australien witterte zum gleichen Zeitpunkt der Frensehjournalist und Playboy David Frost seine große Chance. Wenn schon 400 Millionen Menschen weltweit dabei zusahen, wie Nixon zum letzten Mal das Weiße Haus verließ, wie hoch müssten die Einschaltquoten bei einem enthüllenden Interview sein? Dass Frost vor allem als Boulevard-Journalist bekannt war, der im Ruf stand, Popstars mit Samthandschuhen anzufassen, als für investigativen Journalismus, war kein Hindernis. Im Gegenteil. Wenn Nixon nicht gedacht hätte, dass er mit Frost leichtes Spiel haben würde, ihm seine Sicht der Dinge aufzwingen, sich vor den Augen der Nation rehabilitieren könnte, hätte er dem Interview wohl kaum zugestimmt. Wobei die für damalige Verhältnisse unglaubliche Summe von 600.000 Dollar, die Nixon für das Interview erhielt, fraglos auch ihren Teil beigetragen hat. Im März 1977 fanden die stundenlangen Interviews statt und erreichten bei ihrer Ausstrahlung 45 Millionen Zuschauer allein in Amerika, eine für ein politisches Interview nie wieder erreichte Zahl.

Aus diesem Ereignis formte der britische Dramatiker Peter Morgan ein erfolgreiches Theaterstück, dessen Hauptdarsteller – Frank Langella als Nixon, Michael Sheen als Frost – auch die Parts in der Verfilmung übernehmen. Dass Ron Howard die Regie übernahm stimmt zunächst skeptisch, hat er doch bei auf wahren Begebenheiten basierenden Filmen wie „Beautiful Mind“ und „Cinderella Man“ ein ums andere Mal gezeigt, dass er sich wenig um die Fakten kümmert und für eine dramaturgische Zuspitzung jederzeit bereit ist, gravierende Veränderungen an den tatsächlichen Geschehnissen vorzunehmen. Auch „Forst/ Nixon“ ist nicht frei von solchen Manipulationen, doch wirken sie diesmal wie akzeptable Straffungen, die die Grundaussage des Films unterstützen, die historische Wahrheit jedoch nicht verfälschen.

Fragwürdig wirkt allein das Stilmittel, die Nebenfiguren – Frosts Rechercheteam, Nixons persönlicher Berater – in vorgeblichen Interviews zu zeigen, in denen sie die Ereignisse kommentieren. Die zusätzliche Authentizität, die hier suggeriert werden soll, wirkt angesichts der Stilisierung der zehn einzelnen Interviews zwischen Frost und Nixon zu einem rhetorischen Duell, einer Art Boxkampf mit Worten, umso unglaubwürdiger. Diese Interviews laufen zunächst ganz im Sinne von Nixon ab: Frost ist handzahm, lässt Nixon ausführlich reden, sich verteidigen, fragwürdige Entscheidungen mit den Notwendigkeiten des Amtes rechtfertigen. 

Viel Zeit hat der Film in der ersten Stunde damit verbracht, Frost als zwar smarten, aber auch unkritischen Journalisten zu zeigen, der die Interviews in erster Linie als Mittel zum Zweck betrachtet. Erst im Laufe der Gespräche realisiert Frost, was für ihn, aber auch für die amerikanische Nation auf dem Spiel steht. Schafft er es nicht, Nixon in Bezug auf die Watergate-Affäre zu einem Schuldeingeständnis zu bringen, würden die Vergehen Nixons komplett ungesühnt bleiben und jegliche Katharsis unmöglich machen. Dieses Ziel macht den Reiz des Films aus, lässt die zehn einzelnen Gespräche wie Box-Runden erscheinen und ermöglicht schließlich das perfekte Hollywood-Comeback Frosts im Finale. 

Doch „Frost/ Nixon“ lässt sich nicht zu einfältigen Triumphposen hinreißen. Nixon wird nicht als verdammenswerte Figur geschildert, sondern als komplexe Person, die an den Anforderungen des Amtes scheiterte. Diese Ambivalenz ist die größte Qualität von „Frost/ Nixon“, dessen Einblicke in die Psyche eines Machtpolitikers interessante Parallelen zur heutigen Zeit bieten.

 

Michael Meyns

Richard Nixon galt bisher als einer der am schlechtesten beleumundeten Präsidenten der Vereinigten Staaten. Allerdings könnte George W. Bush ihn bald ablösen.

In diesem Doku-Spielfilm geht es um Nixon, genauer gesagt um ein berühmtes Interview, das er einige Jahre nach seiner Absetzung gab. Eine Enthüllung. Ein Schuldeingeständnis. Wenn auch kein Bitten um Entschuldigung.

Zustande gebracht hat es der Moderator David Frost. Er galt davor als Fernseh-Leichtgewicht, arbeitete in Shows in Australien oder England. Niemand traute ihm zunächst zu, den jahrelang medial erprobten und doch ziemlich gerissenen Nixon zu einer Beichte zu bringen.

Am Anfang stand Frosts Idee. Dann musste Nixon überredet, musste alles organisiert, mussten die Bedenken überwunden, die nötigen Dollars beschafft werden. All das nahm viel Zeit in Anspruch. Und all das wird in diesem Film gut dokumentiert.

Dann das mehrtägige Interview. Lange Zeit nur Belanglosigkeiten. Die Produzenten sahen sich bereits auf verlorenem Posten. Gegen Schluss dann drehte Frost auf: scharfe Fragen über die sinnlose Verlängerung des damaligen Vietnam-Krieges; über die völkerrechtlich absolut untragbare Bombardierung Kambodschas; über den Einbruch in die gegnerische Parteizentrale im Watergate-Hotel; über die Löschung wichtiger Passagen in entscheidenden Tonbandaufzeichnungen; über die Opferung nahe stehender Mitarbeiter; über Nixons illegale Entscheidungen und Anordnungen.

Der Ex-Präsident in der Klemme. Zerknirscht muss er letzten Endes in ausführlichen Passagen zugeben, illegal gehandelt, sich strafbar gemacht, sich als oberster Amerikaner disqualifiziert zu haben.

Geboten wird das von Michael Sheen (David Frost), Frank Langella (Nixon) und Kevin Bacon (Nixons engster Berater Jack Brennan). Michael Sheen spielt unbekümmert scheinend, aber genügend durchtrieben. Frank Langella mimt – dabei mit äußerlicher Ähnlichkeit – unnachahmlich den Präsidenten. Kevin Bacon, der vergeblich das Schlimmste zu verhindert sucht, ebenfalls überzeugend. Es wäre kein Wunder, wenn für diese Leistungen Preise abfallen würden.

Ein sehenswertes „Dokument“.

Thomas Engel