Frozen Angels

Deutschland 2005
Dokumentarfilm von Eric Black und Frauke Sandig
Länge: 92 Min.
OmU – Farbe
Verleih: Piffl
Start:: 27.10.2005

Kalifornien ist nicht nur Export-Weltmeister in Sachen Film und Pornofilm, sondern schickt sich auch an, in der Reproduktionsindustrie auf einen weltweiten Führungsplatz Anspruch zu erheben.

Egal ob ihre Eizellen ‚in vitro‘ befruchtet werden sollen, sie einen Samenspender suchen oder eine Leihmutter brauchen oder aber ihr Baby klonen wollen, hier im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist alles erlaubt, was Profit verspricht. Während in Europa Samenspenden lange verboten waren, führte man in Kalifornien die erste und weltweit größte Samenbank ein. Inzwischen hält man sogar tiefgefrorene Embryonen vor und es gibt Spezialisten, die jung verstorbenen Männern auch noch 30 Stunden nach dem Tod Samen entnehmen können, um ihren Frauen zu helfen, das nachzuholen, was sie bisher verpasst haben.

Ausgehend von der Radio-Talkshow Bill Handels, des Gründers der weltweit größten Agentur für Ei-Spenderinnen und Leihmütter, werden Protagonisten des Geschäfts mit der menschlichen Fortpflanzung vorgestellt. Wir begleiten eine Leihmutter bis in den Kreisssaal, wo das erste Schreien des Babys auf dem Flur zu tumultartigen Freudenszenen der zukünftigen Eltern führt, während für die Leihmutter der Job hiermit erledigt scheint. Wir lernen eine Ei-Spenderin kennen, deren Beliebtheit bei den Kunden wohl nur auf die blauen Augen und blonden Haaren und ihre liebreizende Gestalt zurückzuführen ist. Wir hören von Wissenschaftlern, dass es vielleicht besser wäre sich nur noch künstlich fortzupflanzen, um Erbkrankheiten auszuschließen und Fähigkeiten ins Erbgut einzubauen, die einem zukünftigen Nachwuchs nur von Vorteil sein können. Wir erfahren, dass wir Europäer in unseren Moralvorstellungen Jahrzehnte zurück sind und sind gleichzeitig überrascht, dass in einem Land, wo Abtreibung und Sterbehilfe tabu sind, man so problemlos mit der unnatürlichen Erzeugung von Leben umgeht. Dies geht bis zur Eugenik, ein erstaunliches Phänomen, dass mit einem kurzen Blick auf die Umsatzzahlen erklärt wird.

Was anfangs aus medizinischen oder auch sozialen Gründen vertretbar erschien, entwickelt sich hier zu einer komplexen Industrie, die die erstaunlichsten Stilblüten zeigt. Und während die Politiker noch diskutieren, ob man der Technik Grenzen setzen muss oder einfach nur die Gewinne einfährt, bevor es jemand anderes tut, hat die Industrie schon längst neue Reproduzierungstechniken entwickelt, für die es noch längst keine Bestimmungen oder Gesetze gibt. So kommt einem diese Dokumentation gelegentlich etwas gespenstisch vor. Ein Horrorfilm, der bekannte Utopien wie „Schöne neue Welt“ und „1984“ auf den Kopf stellt und ein Szenario malt, in dem die Gedanken wieder frei sind, allein die Gene nicht. So gesehen hat man das Problem quasi an der Wurzel gepackt.
Der Film von Frauke Sandig und Eric Black wurde in Sundance uraufgeführt und in Nyon mit dem "Prix de public de la ville de Nyon" ausgezeichnet.

Kalle Somnitz