HalloHallo

Disa hat’s voll erwischt: Scheidung, Stress in ihrem Beruf als Krankenschwester, und dazu noch Generve mit den Eltern. Doch Disa bleibt immer noch lieb und nett, sie denkt nie an sich, sondern nur an andere. Das kann nicht mehr lange gutgehen! Die Begegnung mit einem tiefenentspannten Singlevater bringt Disa dazu, endlich frischen Wind in ihr festgefahrenes Leben zu bringen.
Die realistische Geschichte punktet mit einer liebenswerten Hauptdarstellerin und ebensolchen Gags – eine hübsche Frauenkomödie. Für so viel Spaß und Herzlichkeit gab’s Publikumspreise bei den Nordischen Filmtagen und beim Filmfest Hamburg.

Webseite: www.hallohallo-film.de

Originaltitel: HallåHallå
Schweden 2014
Regie und Drehbuch: Maria Blom
Darsteller: Maria Sid, Johan Holmberg, Calle Jacobsson, Gunilla Nyroos, Ann Petrén, Tomas Laustiola
97 Minuten
Verleih: Koolfilm
Kinostart: 19.11.2015
 

FILMKRITIK:

Disas Markenzeichen ist ihre Begrüßung: „Hallo, hallo!“ Ob privat oder im Beruf, ob glücklich oder, wie zurzeit, eher unglücklich: Der Gruß bleibt, klingt immer gutgelaunt und absolut schwungvoll. Das funktioniert allerdings nur deshalb, weil Disa es gewöhnt ist, sich stets und ständig zu verstellen. Eigentlich ist sie nämlich überhaupt nicht optimistisch, sie fühlt sich hier in Falun, mitten in der schwedischen Provinz, eher unwohl, hat keine Freunde und ist ziemlich down, seit sich Laban, ihr Mann, von ihr getrennt hat, um mit einer anderen zusammenzuleben. Jetzt ist Disa allein mit den beiden kleinen Töchtern und versucht, irgendwie klarzukommen, immer in der trügerischen Hoffnung, dass Laban eines Tages zu ihr zurückkommen wird. Ihr Beruf als Krankenschwester ist ebenfalls nicht für Freudensprünge geeignet – der Job ist hart, und Disas Kollegen nutzen gern mal ihre Gutmütigkeit aus. Es ist also höchste Zeit für Veränderungen … Zufällig trifft sie einen Mann in der Bibliothek, der Disa einigermaßen beeindruckt. Er war schon viermal verheiratet, hat insgesamt sieben Kinder und kommt mit all seinen Ex-Frauen prima klar. Kent ist absolut locker und cool – ein selbstbewusster Typ, mit dem Disa bald Freundschaft schließt.
 
Mit das Schönste an dieser Selbstfindungskomödie ist die realistische Darstellung der Beziehung zwischen Disa und Kent. Ganz anders als in handelsüblichen romantischen Komödien geht es nämlich nicht darum, wie und wann sich die beiden kriegen. Hier treffen zwei erwachsene Menschen aufeinander und nicht zwei sexuelle Notstandsgebiete, und eigentlich spielt es auch keine Rolle, ob sich die beiden überhaupt verlieben. Wenn Disa von Kent etwas lernen will und kann, dann ist es das Loslassen – und vielleicht die Erkenntnis, dass Lebensfreude wichtiger ist, als es jedem recht zu machen. Bis es so weit ist, arbeitet sich Disa durch diverse Entwicklungsphasen: Sie besucht einen Selbstverteidigungskurs, bei dem sie lernt, sich zu wehren und auch selber mal draufzuhauen, sie wird selbstbewusster im Beruf und behauptet sich mehr und mehr gegen Menschen, die sie vereinnahmen wollen.
 
Maria Sid als Disa ist absolut entzückend – ihr lebhaftes Gesicht ist ebenso sprechend wie ihre strahlenden, wachen Augen, mit denen sie Verwirrung und Traurigkeit zeigt und im nächsten Moment die pure Lebensfreude. Sie spielt absolut realistisch und humorvoll eine ganz normale Frau auf Selbstbehauptungsreise, eine, die schon mal zum lauten Schreien auf die Sprungschanze geht … um im selben Moment auf dem Hintern den Anlauf hinunterzurodeln. Die Autorin-Regisseurin Maria Blom hat ein gutes Gespür für ihre Storys und erfreulicherweise auch für Slapstick. Mit ihrem Kinodebüt „Zurück nach Dalarna“ konnte sie 2004 einen kleinen Arthousehit landen, und in ihrem neuen Film zeichnet sie ebenso realistische Charaktere: Die Nebenrollen, darunter Patienten und Kollegen im Krankenhaus, sind allesamt wunderbar originelle und dennoch glaubwürdige Figuren. Johan Holmberg als Kent wirkt zwar mit seinem Dauergrinsen irgendwann so, als hätte er einen Clown gefrühstückt, macht das aber mit charmantem Mehrtagebart-Schlamper-Image und lockerem Spiel wieder wett. Er ist eben ein Frauentyp und trifft damit bestimmt nicht nur Disas Geschmack, sondern auch den eines vermutlich mehrheitlich weiblichen Publikums in dieser hübsch aufgepeppten Alltagskomödie.
 
Gaby Sikorski