Hard & Ugly – Eine Liebesgeschichte

Ein typischer Berlin-Film ist Malte Wirtz „Hard & Ugly – Eine Liebesgeschichte“, in der ein prototypischer Nerd ziellos durchs Leben streift, auf der Suche nach der Liebe. Das erinnert in Ton und Stil (nicht zuletzt dank markanter schwarz-weiß Bilder) an den Erfolgsfilm „Oh Boy“. An dessen Klasse kommt Wirtz zwar nicht heran, aber ein kleiner, sympathischer Film ist ihm dennoch gelungen.

Webseite: www.dejavu-film.de

Deutschland 2017
Regie & Buch: Malte Wirtz
Darsteller: Patrick Güldenberg, Kristin Becker, Maximilian Gehrlinger, Aline Adam, Daniele Rizzo, Martin Bergmann
Länge: 71 Minuten
Verleih: déjà-vu Film
Kinostart: 24. August 2017

FILMKRITIK:

Es läuft nicht gut für Et (Patrick Güldenberg): Seinen Job in einem Yoga Studio hat er gerade verloren, weil er nicht ins Konzept der Betreiber passt, in der Liebe passiert auch nichts, eigentlich im ganzen Leben herzlich wenig. Gerade will er sich von einer Brücke stürzen, da bekommt er einen Anruf von einem Versicherungsmakler, der ihm eine Lebensversicherung andrehen will. Doch nicht dieser irritierende Anruf verhindert sein Ableben, sondern Carla (Kristin Becker), die gerade vorbei geht.
 
Auch Carla hat Sorgen, mit Männern, vor allem ihrem Freund, bzw. Ex-Freund, der sie ganz plötzlich verlassen hat. Warum, ist schnell nachvollziehbar, denn Carla ist etwas kompliziert, womit sie ideal zu Et passt. Gemeinsam und doch ziellos laufen sie durch Berlin, begegnen mal mehr, mal weniger sonderbaren Gestalten und versuchen, sich nicht über die Merkwürdigkeiten des Lebens zu wundern.
 
Ein skurriler Typ in den 20ern, der in Berlin ziellos vor sich hin lebt, gefilmt in schwarz-weißen Bildern, erzählt in einem lakonischen, ironischen Tonfall? Das hört sich wie die Beschreibung eines der großen deutschen Kinoerfolge der letzten Jahre an, Jan Ole Gersters „Oh Boy“ von dem sich Malte Wirtz in seinem Film „Hard & Ugly – Eine Liebesgeschichte“, hat inspirieren lassen. Nicht das schlechteste Vorbild, zumal Wirtz schnell eigene Wege geht, die zu einem nicht ganz runden, aber schönen Film führen.
 
Auf der Bühne des Berliner Theaters HAU hat der Film begonnen, als Stück über die Befindlichkeiten jener typisch berlinerischen Menschen, die in den In-Gegenden Neuköllns oder Kreuzbergs leben und arbeiten, in aller Regel freischaffend, meist irgendwie künstlerisch oder Medienbezogen. Ein Leben als Fragment, das sich in Cafés und Bars abspielt, zwischen Grünanlagen und Straßenwüsten, immer etwas unbestimmt und mäandernd.
 
So wie seine Hauptfigur entwickelt sich auch der Film selbst, in nicht immer zwingender Szenenabfolge, mit vielen Schlenkern zu Nebenfiguren, Auftritten skurriler Typen die zwar nicht zu einer dichten, klassischen Narration beitragen, aber zu einem angenehm unbestimmten Zeitbild. Nicht an den bekannten Orten und Plätzen des zeitgenössischen Berlins hat Wirtz gedreht, sondern auf U-Bahnhöfen und in Parkanlagen, die abseits der Touristenströme liegen. Ein treffendes Porträt der Stadt und ihrer Bewohner ist ihm mit „Hard & Ugly – Eine Liebesgeschichte“ gelungen, zumindest von einem sehr markanten Typ Mensch, wie er auf diese Art wohl nur in Berlin unserer Zeit existiert.
 
Michael Meyns