Hope for All. Unsere Nahrung – unsere Hoffnung

Mit ihrem Ernährungsratgeber „Du sollst nicht töten! Plädoyer für eine gewaltfreie Ernährung“ brachte sich die Österreicherin Nina Messinger als Verfechterin einer veganen Lebensweise in Stellung. Messingers erste Kinodoku legt nun nach, wobei der Titel „Hope for All: Unsere Nahrung – unsere Hoffnung“ ebenso programmatisch wie der des Buchs ausfällt: Hoffnung besteht laut Messinger indes nur dann, wenn alle Menschen konsequent auf tierische Produkte verzichten. Am Ende ist ihre Doku ein subjektives Manifest, das eine vegane oder vegetarische Ernährung aus medizinischer, ökologischer und moralischer Sicht als Allheilmittel bewirbt.

Webseite: www.hopeforall.at

Österreich 2016
Regie: Nina Messinger
Mitwirkende: Joachim Kerzel, Marc Bekoff, Monica Bielenstein, Detlef Bierstedt, Harold Brown, Jane Goodall
Länge: 100 Min.
Verleih: Tiberius Film, Vertrieb: 24Bilder
Kinostart: 12.05.2016

FILMKRITIK:

Selten tritt die eigene Haltung eines Dokumentarfilmmacher so deutlich zu Tage wie in „Hope for All“. Nina Messinger stellt sich ganz unverblümt gegen den Konsum von Fleisch- und Milchprodukten und liefert ein bewusst einseitiges Plädoyer für einen veganen Lebensstil. Anstelle einer sachlichen Erörterung, die Pros und Contras abwägt, positioniert sich die österreichische Filmemacherin als Agitatorin einer fleischlosen Ernährung. Unterstützt wird sie von Ernährungswissenschaftlern, Medizinern oder Umweltaktivisten und der Verhaltensforscherin Jane Goodall, die sich bereits seit vielen Jahren für Tierrechte einsetzt.
 
Ihre Argumentation stellt Nina Messinger auf drei Säulen. Zunächst verweist sie auf die Gesundheitsrisiken, die ein hoher Fleischkonsum birgt, und zitiert dafür Mediziner und Ernährungsexperten vor die Kamera, die Herz- oder Krebserkrankungen von der westlichen Ernährung herleiten. Einen Schritt weiter gehen Gespräche mit Menschen, die nach eigener Aussage beispielsweise Tumore oder Diabetes besiegt haben, seit sie ausschließlich pflanzliche Produkte konsumieren. Im zweiten Teil prangert Messinger die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Erde für eine industrielle Haltung und Fütterung von Nutztieren an, die sich zum Beispiel im immensen Wasserverbrauch für die Herstellung von Fleisch- oder Käseprodukten niederschlägt. Der dritte Teil zeigt schaurige Bilder von Massentierhaltungen und prangert das Leid der Tiere an, die mit Futterersatzmitteln und Antibiotika gemästet und dann in Reih und Glied dem Bolzenschussgerät überantwortet werden. Zu Wort kommen hier frühere Schlachthofmitarbeiter und Landwirte, die eine gesunde Beziehung zwischen Tier und Mensch anstreben.
 
Bezeichnend ist nun, dass Nina Messinger relativierende oder gar konträre Argumente aus der Wissenschaft konsequent ausblendet. Dementsprechend treten keine Ärzte auf, die über etwaige Mangelerkrankungen bei einer veganen Ernährung sprechen und auch die großflächigen Monokulturen, die beispielsweise zur Sojaproduktion angelegt werden, finden weder in den Interviews noch im Off-Kommentar Erwähnung. Symptomatisch für die plakative Aufbereitung stehen die emotionalisierende Musikspur und Bilder, die aus einem Werbespot stammen könnten und etwa eine glückliche Familie beim veganen Sommerpicknick zeigen.
 
Übers Ziel hinaus schießt eine suggestive Parallelmontage, die abwechselnd das Leid von Schlachthoftieren und das Glück von Haustieren zeigt, wobei Klaviermusik die Gegenüberstellung zusätzlich dramatisiert. Spätestens hier wähnt man sich nicht in einem Dokumentar-, sondern in einem Werbefilm. Das ist schade, weil „Hope for All“ mit seiner tendenziösen Darbietung vor allem dazu geeignet ist, bereits vorgefertigte Meinungen zu zementieren, obwohl Ideen wie Vegetarismus, Veganismus oder ein bewussterer Fleischkonsum gesellschaftlich längst auf Akzeptanz stoßen.
 
Christian Horn