Immerhin: Die Kunst, die Kunst

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Ein HochschulVORabschlussfilm, das muss man voranstellen, ein roher, ungehobelter Film voller Ideen und interessanter Ansätze, der zwar nicht ganz zusammenkommt, aber ungewöhnlich und originell wirkt. Antonia Walther erzählt in „immerhin: Die Kunst, die Kunst“ von einer Theatertruppe, die bei der Entwicklung eines neuen Stücks an ihre Grenzen stößt, während die Grenzen zwischen Kunst und Realität immer mehr verwischen.

Deutschland 2024
Regie: Antonia Walther
Darsteller: Armin Marewski, Katharina Bellena, Edgar Herbst, Andreas Berg, Melanie Stahl, Sylvia Schwarz

Länge: 90 Minuten
Verleih: déjà-vu film
Kinostart: 18. Juli 2024

FILMKRITIK:

Theaterregisseur Stan (Armin Marewski) studiert mit seinen Schauspielern ein enues Stück ein. Es soll um die Machenschaften der Pharmaindustrie gehen, weswegen als externe Beraterin auch die Ärztin Dr. Franz (Katharina Bellena) bei den Proben mitarbeitet. Eigentlich soll sie nur als Anlaufstelle für die Schauspieler dienen, um deren Performances zu möglichst großer Authentizität zu bringen. Doch Dr. Franz entwickelt schnell eigene Interessen, denn sie will die Pharmaindustrie nicht in schlechtem Licht erscheinen lassen.

Im geheimen gibt sie den Schauspielern Tabletten, die nicht nur abhängig machen, sondern auch den Blick der Schauspieler auf die Pharmaindustrie verändern. Die ohnehin schon angespannte Probensituation wird dadurch noch kritischer, was die anstehende Premiere zunehmend in weite Ferne rücken lässt.

Eine interessanten, ambitionierten, am Ende vielleicht etwas zu ambitionierten Ansatz wählt Antonia Walther für ihren an der dffb entstandenen Abschlussfilm. Aus eigenen problematischen Erfahrungen mit einer Ärztin entstand laut der Regisseurin der Wunsch, einen Film über die Pharmaindustrie zu drehen, sich sich bei der Entwicklung und den Dreharbeiten zunehmend zu einem Projekt über die Strukturen einer Theatertruppe entwickelte.

So überrascht es wenig, dass „Immerhin: Die Kunst, die Kunst“ einer mehr als losen Struktur folgt, dass sich Szenen oft etwas willkürlich aneinanderreihen, oft etwas nebeneinanderstehen. Interessante Momente entstehen durch diesen filmischen Ansatz, erst langsam begreift der Zuschauer, dass manche Szenen zwischen Dr. Franz und einem Schauspieler einen Probenmoment darstellen, andere wiederum ein tatsächliches Gespräch zwischen Ärztin und Patientin zeigen.

Wie in so vielen Backstage-Filmen, egal ob sie hinter den Bühnen einer Film- oder einer Theaterproduktion spielen, verschmilzt auch hier zunehmend die Grenze zwischen Realität und Fiktion, leben die Schauspieler in einer Art Zwischenwelt, in der sie ihre Identität zu verlieren drohen.

Wohin das allerdings führen soll erschließt sich nicht immer. Langsam bewegt sich der Film auf die Premiere zu, ohne dass sich eine wie auch immer geartete Katharsis einstellen würde. Am Ende bleibt „Immerhin: Die Kunst, die Kunst“ ein Experiment, das vor allem durch eine freie Form interessant wirkt, in der sich die Schauspieler frei entfalten können – was allerdings auch zur Folge hat, dass die einzelnen Szenen Stückwerk bleiben.

 

Michael Meyns