Insel, Die

USA 2005
Regie: Michael Bay
Darsteller: Ewan McGregor, Scarlett Johansson, Sean Bean, Steve Buscemi, Djimon Hounsou, Michael Clarke Duncan
127 Minuten
Verleih: Warner Bros.
Start: 04.08.2005

Wer bei dem Filmtitel an Sonne, Strand und Palmen denkt, sei hiermit gewarnt. Zu keinem Zeitpunkt spielt der Film auf einer idyllischen Insel. Im Grunde genommen gibt es diese nicht einmal. Sie ist eine Illusion, geschaffen um die festgehaltenen Insassen einer Klonfabrik zu besänftigen. Schließlich will man, dass es ihnen gut geht – bis zum Zeitpunkt ihrer unfreiwilligen Organspende und ihrem vorzeitigen Ableben. – Die mehr oder weniger futuristische Geschichte verschafft dem Film eine ungeahnte Authentizität, dient jedoch streckenweise vorrangig als Aufhänger einer actiongeladenen Verfolgungsjagd.

Lincoln Six-Echo und Jordan Two-Delta leben in ihren utopischen Wohneinheiten tief unter der Erde eines überdimensionalen Sicherheitstraktes. Eine Umweltkatastrophe hält die Beiden dort gefangen, so glauben sie. Wie alle anderen „Überlebenden“ gehen auch sie einem streng geregelten Alltag nach, ohne diesen näher zu hinterfragen. Sie kennen weder die Außenwelt, noch den wahren Sinn ihres Handelns. Sie kennen lediglich das disziplinierte Leben, das sie führen und einige Erinnerungen aus ihrer angeblichen Kindheit.

Um nicht auf falsche Gedanken zu kommen, wird von den Bewachern regelmäßig eine Lotterie durchgeführt. Die Gewinner dürfen umgehend auf „die Insel“ reisen – dem einzigen Ort, an dem die Umwelt noch intakt sein soll. Den meisten Gefangenen reicht diese hoffnungsvolle Aussicht, doch nicht so Lincoln. Von Albträumen geplagt, drängen sich ihm Fragen auf. Ein erster Zweifel ist gesät.

Auf der Suche nach Antworten, beginnt Lincoln das Rätsel um die Insel zu lüften. Dabei muss er beobachten, dass die glücklichen Lotteriegewinner nicht in die Außenwelt entlassen, sondern kaltblütig getötet werden. Kurz darauf wird die ihm platonisch verbundene Jordan per Los zur Abreise auf die Insel auserkoren. Nur die sofortige Flucht kann sie nun noch retten. Mit Lincolns Hilfe glückt das Vorhaben und die Freiheit ist ihnen gewiss. Doch auf ihrer gemeinsamen Suche nach der Wahrheit stellen sich ihnen ihre Verfolger in den Weg.

Der reale Hintergrund der futuristisch angelegten Geschichte macht „Die Insel“ zu einem beklemmenden Szenario. Das Züchten menschlicher Klone scheint zwar aus rein moralischer Betrachtung völlig abwegig, doch aufgrund der rasanten wissenschaftlichen Entwicklung durchaus realistisch. Eingedenk dieser Tatsache wurde die Handlung bereits in der Mitte des 21. Jahrhunderts angesiedelt. Ein Horrorszenario der nahen Zukunft somit und eine greifbare Utopie.

Der brisante Stoff reichte den Filmemachern allerdings nicht und so dient das Thema streckenweise lediglich als Aufhänger eines effektvollen und massenkompatiblen Action-Feuerwerks. Wenngleich dieses, mal abgesehen von den genreüblichen Klischees, sehr eindrucksvoll in Szene gesetzt wurde. Eine leichte Verlagerung der Schwerpunkte hätte dem Film jedoch gut getan. Ein bisschen weniger Verfolgungsjagd und ein bisschen mehr Moralkritik wären angemessen gewesen. Nichtsdestotrotz kann „Die Insel“ durch seinen visuellen Stil, eine Top-Besetzung (Ewan McGregor in einer Doppelrolle!) und der anziehend abstoßenden Ausgangsidee weitgehend überzeugen.

Gary Rohweder