Laible und Frisch: Do goht dr Doig

„Wir können alles außer Hochdeutsch“ – der Spruch der baden-württembergischen Image-Kampagne hat sich auch für schwäbische Komödien bewährt. „Die Kirche bleibt im Dorf“ amüsierte 2012 fast eine halbe Million Besucher und wurde zum erfolgreichen TV-Format ausgebaut. Den umgekehrten Sprung von der populären Mini-Serie auf die Leinwand macht nun das Mundartstück um zwei verfeindete Dorf-Bäcker. Bei der Story gibt sich der Schwaben-Schwank standesgemäß sehr sparsam: Die Back-Rivalen müssen zusammenhalten, um mit vereinten Kräften böse Heuschrecken-Investoren zu vertreiben. Was zählt sind die liebenswert schrulligen Figuren. Hübsche Situationskomik. Sowie vor allem wortwitzige Dialoge in stimmigem Dialekt. Insofern gilt für das Heimatlustspiel: Net gschimpft isch gnug gelobt.

Webseite: laible-und-frisch.de

D 2017
Regie: Michael Rösel
Darsteller: Simon Licht, Winfried Wagner, Sabine Lorenz, Walter Schultheiß, Trudel Wulle, Ulrike Barthruff, Peter Jochen Kemmer,
Filmlänge: 88 Minuten
Verleih: Kinostar
Kinostart: 28. Dezember 2017

FILMKRITIK:

„Wir Bäcker müssen doch zusammenhalten!“, tönt der Mittelständler Frisch höhnisch als er heimlich den kleinen Familienbetrieb des Konkurrenten Laible aufgekauft hat. „Gier verdirbt. Handwerk stirbt!“ protestiert der alteingesessene Brezel-Macher mit einer Pauke auf dem Marktplatz. Vergeblich. Der rücksichtslose Rivale verspricht dem Dorf ein neues Werk sowie 300 Arbeitsplätze. Kleine Geschenke erhalten zudem die Freundschaft zu den Lokalpolitikern. 

Doch plötzlich steht der clevere Geschäftsmann Frisch selbst vor dem Ruin. Eine enttäuschte Ex namens Kassandra will sich nach 25 Jahren endlich für den einstigen Liebesentzug rächen. Erst zieht sie den ahnungslosen Großbäcker im Spielcasino über den Tisch. Dann will sie dessen Betrieb mit Hilfe von drei finanzkräftigen Investoren übernehmen.

Für Frisch bleibt nur eine Lösung, um das Fiasko abzuwenden: Er muss das angereiste Heuschrecken-Trio abschrecken. Mit Hilfe der schlagfertigen Dorffriseuse Uschi, dem tölpelhaften Bürgermeister Pfleiderer sowie Marga Laible, der Gattin des Erzrivalen, sollen die drei potenziellen Geldgeber von ihren Plänen abgebracht werden. Der Coup im Luxushotel scheint fast gelungen, da sorgen unvorhergesehene Ereignisse für turbulentes Chaos. Schließlich kann nur noch ein öffentlich ausgetragener Backwettbewerb die Rettung bringen. Pech nur, dass der erfolgreiche Kochbuch-Autor Frisch vom Backen keine Ahnung hat. 

In Sachen Story geht es, zugegeben, schwäbisch sparsam zu. Aber welche Heimat-Komödie braucht schon großartig eine Handlung, wenn sie solche grandiosen Helden hat? Schräge Figuren der liebenswerten Art können sich gefahrlos durch jedes Klischee-Gestrüpp bewegen, ohne dass es plump und peinlich wirkt. Das bestens aufgelegte Ensemble hat, wie schon in der TV-Serie, sichtlich Spaß an diesen Typen. Winfried Wagner und Simon Licht sind auch auf der großen Leinwand die ziemlich besten Bäcker-Feinde. Umwerfend komisch geraten die Auftritte der 92-jährigen Trudel Wulle, die mit trockenem Humor per Funk dem unbeholfenen Verschwörer-Trio die nötigen Handlungs-Anweisungen beim Versteckspiel im Luxushotel gibt. Ihr Gatte Walter Schultheiß, 93, gibt sich als schwäbisches Schauspiel-Urgestein gleichfalls die Ehre in bewährter Bruddler-Manier. Für Aha-Effekte für das südwestdeutsche Publikum sorgen Gastauftritte der populären SWR-Moderatoren Sonja Faber-Schrecklein und Hansy Vogt oder des Comedian Dodokay alias Dominik Kuhn. Auch die betuliche Kult-Serie „Eisenbahn-Romantik“ erfährt endlich ihre satirische Würdigung.

Regionale Produkte boomen, ob in der Buchhandlung oder im Supermarkt. Der Schwabenstreich ums Back-Handwerk ging im Fernsehen (mit bis zu 900.000 Zuschauern pro Folge) und als Theaterstück (mit 40.000 Besuchern) wie geschnitten Brot. Für die Kino-Variante griffen selbst sparsame Fans in den Geldbeutel und brachten per Crowd-Funding die noch fehlenden 50.000 Euro fürs Budget zusammen. Mit einem Publikumserfolg dürfte zu rechnen sein, zumindest im  Geburtsländle von Schiller, Daimler und Äffle & Pferdle.

Dieter Oßwald