Lena Love

Liebe. Mobbing. Eifersucht. Intrigen – das sind beste Zutaten für einen Lovestory-Thriller um eine sensible Schülerin, die sich so heftig wie aussichtslos in den angesagten Graffiti-Sprayer der Schule verliebt. Ihre vermeintlich beste Freundin entpuppt sich als fieses Biest, die neue Internet-Bekanntschaft als längst nicht so verständnisvoll wie sie scheint. Grimme-Preisträger Florian Gaag gelingt ein spannendes, zugleich hochaktuelles Jugenddrama, das mit glaubwürdigen Figuren, dramaturgischem Geschick sowie visuellem Einfallsreichtum zu überzeugen weiß. Lohnendes Pflichtprogramm (nicht nur) für Schulklassen – und unterhaltsame Kür obendrein.

Webseite: www.alpenrepublik.eu/lenalove.html

D 2016
Regie: Florian Gaag
Darsteller: Emilia Schüle, Jannik Schümann, Sina Tkotsch, Kyra Sophia Kahre, Anna Bederke, Sandra Borgmann
Filmlänge: 92 Minuten
FSK: ab 12 J.
Verleih: Alpenrepublik
Kinostart: 22. September 2016
 

Pressestimmen/Auszeichnungen:

"Ein ungemein kraftvoller Film, der ohne erhobenen Zeigefinger für die Zielgruppe relevante Themen aufarbeitet und auf Gefahren hinweist. Spannend, herausfordernd und von hoher Relevanz. – Prädikat besonders wertvoll."
FBW – Filmbewertungsstelle Wiesbaden

FILMKRITIK:

Mobbing ist ein brandaktuelles Thema – umso brisanter, wenn es Jugendliche betrifft. Im Zentrum dieses geheimnisvollen Lovestory-Thrillers steht die sensible Lena (Emilia Schüle). Als die 16-jährige entdeckt, dass hinter der Fassade des gutaussehenden Tim (Jannik Schümann) ein heimlicher Graffiti-Künstler steckt, reagiert sie begeistert. Der vorsichtige Flirt endet abrupt, als ausgerechnet ihre beste Freundin Nicole auf einer Party sich an den betrunkenen Schulschwarm heran macht. Frustriert wendet sich die enttäuschte Lena mit ihrem Liebeskummer an ihre neue Internet-Bekanntschaft Noah aus, der ausgesprochen verständnisvoll reagiert. Der vermeintlich nette Chat-Freund mit dem biblischen Namen spielt freilich ein höchst perfides Spiel. Als ziemlich fiese Freundin entpuppt sich derweil Nicole, die eiskalt übelste Intrigen spinnt. Eines ihrer Opfer ist der ahnungslose Tim, der die junge Heldin prompt als Verräterin verdächtigt. Unterdessen entdeckt Lena, dass es mit der heimischen Familien-Idylle längst nicht so gut steht, wie es den Anschein hat. Die Ereignisse spitzen sich dramatisch zu, als Noah die völlig verunsicherte Lena zu einem nächtlichen Date einlädt, bei dem alles geklärt werden solle – was höchstwahrscheinlich keine ganz so glänzende Idee sein dürfte…  
 
Glaubwürdigkeit ist die halbe Miete bei einem Jugenddrama und da macht "LenaLove" alles richtig. Die Figuren, die Konflikte sowie insbesondere die Sprache wirken authentisch. Überzeugend umgeht die Story die naheliegenden Klischee-Fallen. Mit allerlei überraschenden Wendungen samt visuellem Einfallsreichtum wird der Spannungsboden souverän gehalten. Da die jungen Helden als Sympathieträger beziehungsweise Widerlinge emotional gut ausgepolstert sind, findet das Publikum reichlich Raum zum Mitfiebern. Die Gefahren sozialer Netzwerke und Nebenwirkungen virtueller Wirklichkeiten dürften zudem für diverse Wiedererkennungswerte sorgen. Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse gaben immerhin 32 Prozent der jungen Menschen zwischen 14 und 20 Jahren an, schon einmal im Internet beleidigt, bedroht oder verleumdet worden zu sein. Jeder Zehnte hat nach eigenen Angaben bereits selbst im Internet gemobbt und jeder Fünfte hält es für wahrscheinlich, selber Täter zu werden – bei derart großer Relevanz des Themas dürfte "LenaLove" für reichlich Diskussionen sorgen, brisanter kann ein Kinostoff kaum sein!.
 
In seinem Debüt "Wholetrain" gab Regisseur Florian Gaag vor zehn Jahren einem gewissen Elyas M'Barek seine erste große Kinorolle. Diesmal präsentiert er mit Emilia Schüle und Jannik Schümann wiederum zwei Jungdarsteller, die mit unangestrengter Präzision samt enormer Leinwandpräsenz das Zeug zum Shooting Star und Publikumsliebling haben.
 
In die Vorrunde zum Deutschen Filmpreis hat es das talentierte Zweitlingswerk bereits geschafft. Bleibt zu hoffen, dass Lola die Lena dann tatsächlich liebt.

Dieter Oßwald