Life on the border

Allzu lange tobt in Syrien schon ein Krieg, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu verschwinden, von anderen Missständen und Konflikten verdrängt zu werden droht. Einen Aspekt des Konflikts zeigt der von Bahman Ghobadi initiierte Film „Life on the Border“ auf, in dem kurdische Flüchtlingskinder ihr Leben in Flüchtlingslagern entlang der syrisch/türkischen Grenze selbst filmen.

Webseite: www.eksystent.com

Dokumentation
Irak/Syrien 2015
Regie & Buch: diverse
Länge: 67 Minuten
Verleih: eksystent
Kinostart: 9. November 2017

FILMKRITIK:

Sieben Kinder, zwischen 12 und 14 Jahre alt, dokumentieren in „Life on the Border“ ihren Alltag in den Flüchtlingslagern von Kobanê und Sindschar, die an der syrisch/türkischen Grenze liegen. Allesamt sind sie Kurden, so wie auch Bahman Ghobadi, in Iran geborener Regisseur, der mit seinen Filmen „Zeit der trunkenen Pferde“ oder „Schildkröten können fliegen“ auf internationalen Filmfestivals viel Erfolg hatte und dieses Projekt initiierte.
 
Zusammen mit seinen Mitarbeitern reiste er in die Flüchtlingslager und drückte den Kindern Digitalkameras in die Hand, mit denen sie Geschichten erzählen sollten. Meist läuft das darauf hinaus, dass die Kinder mit atemloser, sich überschlagender Stimme davon berichten, was ihnen und ihren Familien widerfahren ist: Geschichten von Bombardierungen und Flucht, von Gefangennahmen durch den so genannten IS und toten Familienangehörigen, Geschichten die vom Leid in der Heimat und dem monotonen Alltag im Flüchtlingslager  erzählen.
 
Wie zwischen den Fronten leben die Kurden dort, die in Syrien geduldet waren, sich aber schon früh gegen den Diktator Assad stellten, auch, um für einen eigenen Staat zu kämpfen, was wiederum der Türkei ein Dorn im Auge ist, und vom türkischen Autokraten Erdogan mit aller Macht verhindert werden will. Die Umstände des Krieges spielen hier allerdings keine Rolle, der Blick bleibt auf das kleine, das persönliche Leid reduziert, was gleichermaßen Stärke wie Schwäche von „Life on the Border“ ist.
 
Die sieben kurzen Filme, die hier zusammengefügt sind, ähneln sich stark, bestimmte Motive und Erlebnisse wiederholen sich, Szenen von klagenden Müttern, apathisch wartenden Männern etwa, die fast in jeder Episode vorkommen. Dass die Kurzfilme der Kinder verständlicherweise in künstlerischer oder ästhetischer Hinsicht nicht weiter bemerkenswert sind, trägt zu einem repetitiven Grundton bei, der andererseits auch ziemlich genau vermittelt, wie das Leben in den Flüchtlingslagern wohl verläuft: Monoton, vom ewigen Warten geprägt, von der Hoffnung auf eine Besserung der Lage, auf Hilfe von Außen, die jedoch ausbleibt.
 
Neues über den Konflikt, das Leid der (kurdischen) Flüchtlinge, das Leben in einem der vielen Flüchtlingslagern mag „Life on the Border“ zwar nicht erzählen, aber das wäre angesichts der Vielzahl von Filmen und Fernsehberichten, die seit viel zu vielen Jahren aus dem Kriegsgebiet kommen, auch zu viel verlangt. Es muss also reichen, dass in den sieben Episoden das Bekannte wiederholt wird, das einmal mehr auf das Leid der Zivilbevölkerung aufmerksam gemacht wird, dass auch mit diesem Film dazu beigetragen wird, dass der Syrien-Krieg nicht in Vergessenheit gerät.
 
Michael Meyns