Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt

 
Komödie der Wiederverheiratung nannte der amerikanische Filmwissenschaftler Stanley Cavell ein Subgenre der Screwball-Komödie, in der ein Paar feststellt, dass es trotz allem doch zusammengehört. In diesem Sinne inszeniert der französische Regisseur Martin Bourboulon seine rasante Komödie "Mama gegen Papa", die zwar bisweilen zur Klamotte verkommt, meist aber angenehm bösen Witz verströmt.

Webseite: www.mamagegenpapa.de

OT: Papa ou maman
Frankreich 2014
Regie: Martin Bourboulon
Buch: Alexandre De La Patellière, Matthieu Delaporte
Darsteller: Marina Fois, Laurent Lafitte, Alexandre Desrousseaux, Anna Lemarchand, Achille Potier
Länge: 85 Minuten
Verleih: Splendid, Vertrieb: Tobis
Kinostart: 9. Juli 2015
 

FILMKRITIK:

"Ich hasse ihre Kinder" sagt der Babysitter noch zu Vincent Leroy (Laurent Lafitte) und ward nie mehr gesehen. Etwas überrascht ist der Vater zwar schon über die harsche Bewertung seiner drei Sprösslinge Mathias (Alexandre Desrousseaux), Emma (Anna Lemarchand) und Julien (Achille Potier), aber Zeit über das Urteil nachzudenken bleibt nicht. Dafür haben der Kinderarzt und seine Frau Florence (Marina Fois), die als Ingenieurin in einem Windpark arbeitet, keine Zeit. 15 Jahre ist das Paar nun schon zusammen und über zwei anstrengenden Jobs und drei nicht minder anstrengenden Kinder ist das Feuer in ihrer Beziehung erloschen.

Schiedlich friedlich beschließt man also, sich Scheiden zu lassen, im Guten natürlich, man ist ja nicht eines von diesen Paaren. Ein kleines Problem gibt es jedoch: Vincent hat das Angebot, für Ärzte ohne Grenzen nach Haiti zu gehen, während Florence für eine Beförderung nach Dänemark gehen könnte. Beides würde nicht gehen, der Kinder wegen und so gibt Florence schließlich nach. – Bis sie ihren Noch-Ehemann mit einer sehr jungen, sehr hübschen Krankenschwester ertappt und der Rosenkrieg beginnt.

Fortan ist das Musterpaar Geschichte, werden härtere Bandagen ausgepackt, die nur einem Ziel dienen: Die Kinder davon zu überzeugen, den anderen Elternteil zu wählen. Um die Blagen los zu sein und sich beruflich verwirklichen zu können entwickeln sich Florence und Vincent zu wahren Rabeneltern, tappen bewusst in jedes Fettnäpfchen, lassen ihre Kinder vor Scham in den Boden versinken und merken über all dem kaum, dass sie eigentlich wie füreinander geschaffen sind.
Zugegebenermaßen erreicht Martin Bourboulons Regiedebüt "Mama gegen Papa" nie das Niveau von Screwballklassikern wie "Sein Mädchen für besondere Fälle" oder "Leoparden küsst man nicht", in denen Paare sich erst nach langem hin und her wieder finden. Immer wieder gleitet Bourboulons Film in eher grobschlächtigen Klamauk ab, ist sich für keinen Gag zu Schade. Doch nach etwas behäbigem Beginn (in dem man auch Zeit hat, sich an die eher durchwachsene Synchronisierung zu gewöhnen) beginnt der ungewöhnliche Rosenkrieg an Fahrt zu gewinnen.

Es macht viel Vergnügen, mit anzusehen, wie Florence und Vincent immer skrupelloser zu Werke gehen, um ihr Ziel zu erreichen, zumal dieses Ziel in diesem Fall nicht etwa ist, die Kinder zu behalten, sondern sie loszuwerden. Dass Kunststück dabei ist nun, die Eltern dennoch nicht unsympathisch und egoistisch wirken zu lassen, sondern wie Menschen um die 40, die lange Jahre ihres Lebens für ihre Kinder verwendet haben und nun endlich einmal auch an sich denken wollen. Mit nur 85 Minuten Länge kommt in "Mama gegen Papa" kaum ein Moment der Ruhe auf, jagt eine Katastrophe die nächste, was aus einem originellen Konzept einen höchst kurzweiligen Film macht.
 
Michael Meyns