Mannheim – Neurosen zwischen Rhein und Neckar

Die 300.000 Einwohner zählende Quadratestadt im Dreiländereck steht ganz im Zentrum der Komödie von Regisseur Thomas Oberlies. Er erzählt darin von drei Mannheimer Freunden, die alle auf der Suche nach dem privaten oder beruflichen Glück sind. Ihr Leben wird gehörig durcheinandergewirbelt, als sie auf eine quirlige, attraktive Sängerin treffen und allmählich ihrem Charme erliegen. „Mannheim“ ist nicht nur das liebevolle Porträt einer Stadt und ihrer Einwohner, sondern auch eine mit viel Lokalkolorit und hohem Musikanteil ausgestattete, ebenso sympathische wie leichtfüßige Komödie, die sich selbst – und ihre Figuren – nicht zu ernst nimmt.

Webseite: wwww.mannheim-derfilm.de

Deutschland 2016
Regie: Thomas Oberlies
Drehbuch: Daniel Morawek
Darsteller: Selale Gonca Cerit, Benedikt Crisand, Rainer Lott, Volker Heymann, Torsten Eikmeier, Cris Cosmo
Länge: 80 Minuten
Verleih: Barnsteiner-Film
Kinostart: 05. Mai 2016
 

FILMKRITIK:

Nach Feierabend treffen sich Mike (Torsten Eikmeier), Peter (Rainer Lott) und Enzo (Benedikt Crisand) regelmäßig, um ihrer Leidenschaft für den Blues zu frönen. Ihre Band bietet ihnen dazu die Gelegenheit, wobei es vor allem Peter ist, der den großen Traum von der Musiker-Karriere noch nicht aufgegeben hat. Der Jung-Literat Enzo hingegen hofft, irgendwann den Durchbruch als Schriftsteller zu schaffen und nebenbei auch noch die Liebe fürs Leben zu finden. Ein ganz anderes Problem treibt Mike um: seit langem schon versuchen er und seine Frau erfolglos, ein Kind zu bekommen. Ihr Leben wird auf den Kopf gestellt, als sie auf die lebenslustige, charismatische Sängerin Aylin (Selale Gonca Cerit) treffen. Zunächst sind die Drei wenig begeistert von ihr, nachdem sie den Jungs einen Job vor der Nase weggeschnappt hat. Doch nach und nach lernen sie Aylin besser kennen und allmählich erliegt jeder von ihnen den Reizen der quirligen Musikerin. 

„Mannheim – Der Film“ ist eine Liebeserklärung an die vor allem durch das stadtprägende Barockschloss bekannte Rhein-Neckar-Stadt und ihre Einwohner. Der fast ausschließlich mit Mannheimern oder in Mannheim lebenden Schauspielern besetzte Film wurde von Thomas Oberlies inszeniert, der bisher in erster Linie durch seine Kurzfilme (z.B. „Arbeit für alle“) für Aufmerksamkeit sorgte. Darüber hinaus setzt er sich mit dem von ihm mitorganisierten, ganzjährigen Kurzfilmfestival „Zum Goldenen Hirsch“ für die Filmemacher der Region ein.

Die kurzweilige, locker-leichte Komödie lebt von seinen liebenswürdigen, grundsympathischen Figuren und vom Einblick in deren – von alltäglichen Sorgen und Nöten geprägten – Alltag. Die Suche nach dem privaten Glück treibt dabei vor allem den hoffnungslosen Romantiker Enzo um, der immer noch auf die große Liebe wartet. Diese hat Mike mit seiner Frau schon gefunden, jedoch erfüllt sich deren Kinderwunsch einfach nicht. Weniger auf die private als vielmehr auf die berufliche Erfüllung als Musiker hofft hingegen Pragmatiker Peter.

Wahrhaftig und mit viel Spielfreude verkörpern die Darsteller ihre Figuren, die lebensecht und ungekünstelt gezeichnet sind, was eine Identifikation für den Zuschauer leicht macht. Vor allem Selale Gonca Cerit als weltoffene, lebhafte Sängerin Aylin sowie Rainer Lott als eigenbrötlerischer, oft ein wenig mürrischer Ur-Mannheimer Peter, haben einen Großteil der Sympathien auf ihrer Seite und setzen Akzente – auch, weil Peter mit seinem „mannemerischen“ Dialekt viel Lokalkolorit in den Film bringt.
Jene „örtliche Färbung“ macht dann auch einen Großteil des Reizes aus: der Film bringt einem auf angenehme Art die Lebensrealität und -mentalität von Land und Leuten näher und rückt immer wieder in langen Einstellungen und schönen Panorama-Bildern die wichtigsten, prägenden Stadtteile, Orte und Sehenswürdigkeiten der Universitätsstadt ins Zentrum. Zudem erfährt man mit einem Augenzwinkern serviertes, skurriles Wissen über die 300.000-Einwohner-Stadt, etwa, dass das prunkvolle Schloss mehr Fenster besitzt als jenes in Versailles oder dass Mannheim flacher ist als Manhattan.

Darüber hinaus zieht sich jenes bestimmende Thema wie ein roter Faden durch den Film, für das Mannheim seit langem schon deutschlandweit bekannt ist, und das nicht erst, seit es dort die Popakademie gibt: die bunte, florierende (Pop-) Musikszene. Angefangen vom frischen, zu keiner Zeit zu aufdringlichen und von Gitarrenklängen bestimmten Soundtrack über einige der Handlungsorte (Konzerte, Proberäume etc.)  bis hin zu den Hauptfiguren, in deren aller Leben Musik eine zentrale Rolle spielt.
Zwar treten im Verlauf der Handlung einige, mit der Brechstange herbeigeführte Zufälle zu viel auf (z.B. wenn von den  Freunden einer nach dem anderen im Alltag auf Aylin trifft), dies stellt aber lediglich eine kleine, zu verschmerzende Schwäche dar. Alles in allem gelingt Regisseur Thomas Oberlies mit seinem Film eine beschwingte, unterhaltsame Komödie mit – auch in der Handlung – hohem Musikanteil, die sich nicht nur für Mannheimer eignet.
 
Björn Schneider