Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte

Mari Okada hat sich als Drehbuchautorin verschiedener Anime-Filme und Serien schon einen Namen gemacht, mit „Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte“ debütiert sie nun auch als Regisseurin. Dabei erzählt sie die zauberhaft schöne Geschichte einer jungen Frau, deren Volk nur langsam altert, die sich aber eines menschlichen Kindes annimmt und es großzieht, während sie im immergleichen jungen Alter verharrt und ihr Sohn ein erfülltes Leben führt – und das inmitten einer Welt, in der verschiedene Königreiche gegeneinander in den Krieg ziehen. Ein bezaubernder, hochemotionaler Film über die Liebe, die Sterblichkeit und das Abschiednehmen.

Webseite: www.universumfilm.de

Sayonara no asa ni yakusoku no hana o kazarô
Japan 2018
Regie & Buch: Mari Okada
Länge: 115 Minuten
Verleih: Universum Film
Kinostart: 16. Mai 2019

FILMKRITIK:

Maquia gehört einem Volk an, das nicht nur das hellblonde Haar gemein hat, sondern auch nur extrem langsam altert. So bleibt sie über Jahrhunderte eine Jugendliche, aber als ihr Volk angegriffen und in alle Himmelsrichtungen verstreut wird, nimmt sie sich eines Babys an. Sie nennt den Jungen Erial, der sie fortan als seine Mutter sieht. Aber Erial wächst schneller als Maquia, womit nicht nur ihr, sondern auch ihm bewusst wird, was relative Unsterblichkeit bedeutet, all derweil das Königreich von Krieg bedroht ist, da die Drachen, die es beschützt haben, einer nach dem anderen einer Seuche zum Opfer fallen.
 
Okada hat mit „Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte“ einen in jeder Beziehung prachtvollen Fantasy-Film erschaffen, der nicht nur das Herz auf dem rechten Fleck trägt, sondern seine hohe Emotionalität problemlos auf den Zuschauer überträgt. Denn während es hier auch um das Abenteuer einer jungen Frau geht, die ihren Platz im Leben finden muss, ist das Ganze doch deutlich komplexer angelegt.
 
Das liegt einerseits an den vielschichtigen und schillernden Figuren, andererseits an den Themen, mit denen Okada sich beschäftigt. Sie nutzt das Märchenhafte, um sehr prägnante Dinge über das Leben und das Sterben, vor allem aber auch über den konstanten Zustand des Abschiednehmens zu sagen. Im Falle von Maquia ist es übersteigert, weil sie als Mitglied der Sippe des Abschieds mit ihrer Langlebigkeit immer wieder Menschen ziehen lassen muss, mit dem Prinzip dahinter kann sich aber jeder identifizieren.
 
Das ist auch die enorme Wirkkraft dieses Films, weil er fast unmerklich im Zuschauer Erinnerungen heraufbeschwört. Wer sich auf diesen Film einlässt, der denkt an die Menschen, die er verloren hat, die gegangen sind, die man loslassen musste. Aber nicht nur an sie, sondern auch an die schönen und die schlechten Momente und alles, was dazwischen liegt.
 
„Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte“ ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Weil er bekannte Fantasy-Themen aufgreift, aber einen gänzlich eigenen Zugang findet, aber auch, weil er so immens reich in seinen Details und seiner Figurenführung ist. Was Okada hier in zwei Stunden abfackelt, ist ein narratives Feuerwerk, das andere für eine ganze Serie genutzt hätten. Im Grunde ist es hier so, als ob man eine Staffel von „Game of Thrones“ in einer auf zwei Stunden komprimierten Form sieht, das aber ohne jedwede Erzählungsverluste funktioniert. Das sollte eigentlich unmöglich sein, aber Okada meistert diese selbst gesetzte Herausforderung.
 
Peter Osteried