Ostwind – Aufbruch nach Ora

Zum Abschluss der „Ostwind“-Trilogie schickt Regisseurin Katja von Garnier die langsam erwachsen werdende Pferdenärrin Mika und ihr Pferd Ostwind auf die Suche nach ihrer Herkunft. Bis nach Andalusien führt die Reise, wo der ewige Konflikt der Filmserie, welche Art der Tierhaltung für Tier und Mensch besser ist, ein letztes Mal verhandelt wird, nicht auf subtile, aber erstaunlich ergreifende Weise.

Webseite: www.facebook.com/ostwindfilm/

Deutschland 2017
Regie: Katja von Garnier
Buch: Lea Schmidbauer
Darsteller: Hanna Binke, Lea Van Acken, Amber Bongard, Marvin Linke, Nicolette Krebitz, Thomas Sarbacher, Jannis Niewöhner
Länge: 108 Minuten
Verleih: Constantin
Kinostart: 27. Juli 2017

FILMKRITIK:

Lustlos ist Mikas (Hanna Binke) Leben auf dem Gut Kaltenbach, wo sie ihre besondere Fähigkeit in bare Münze verwandeln soll: Den Pferden zu lauschen und so das Verhältnis von Reiter und Tier zu verbessern. Dumm nur, dass Mika stets die Wahrheit sagt auch wenn die meist lautet: Nicht das Pferd hat ein Problem, sondern der Mensch, der es reitet.

So macht sie sich eines Morgens auf eine lange Reise, die ihr ein Brandzeichen weist, das in Ostwinds Fell verborgen war. Ora heißt das Gestüt, nach dem Mika im fernen Andalusien sucht, wo das Land weit und die Pferde wild zu sein versprechen. Dort angekommen, findet sie sich zunächst auf dem Gestüt von Pedro (Thomas Sarbacher) wieder, der nur Mühsam über die Runden kommt. Doch eines Nachts fängt Pedro mit seinen Männern ein Wildpferd ein und markiert es mit dem Brandzeichen, das auch Ostwind trägt. Mika wähnt sich auf der richtigen Spur und findet bald eine wilde Pferdeherde, die sich an einer gar bukolischen Wasserstätte aufhalten.

Nur ein Mensch lebt in der Nähe der Pferde: Tara (Nicolette Krebitz), eine Mika verwandte Seele, die ebenfalls mit den Tieren kommunizieren kann. Und die Pedros Schwester ist, den Familiensitz jedoch einst im Streit verlassen hat. Nun steht die Zukunft der Geschwister auf dem Spiel und es sind Mika und Ostwind, die in der Not helfen – bevor ein schwerer Abschied bevorsteht.

Während Detlev Bucks Reihe „Bibi & Tina“ auf ein ganz junges Publikum zielt und mit seinem immer wieder eingefügten Klamauk auch eher wie eine Komödie wirkt, sind die „Ostwind“-Filme pures Drama. Mikas beste Freundin Fanny (Amber Bongard) mag für einige leichte Momente sorgen, doch im Kern ist auch „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ ein unverhohlen melodramatisches Pferdeabenteuer, das bewusst und sehr geschickt auf die Tränendrüse drückt.

Nicht ganz soviel Pferde in Zeitlupe, Aufnahmen von schnaubenden Nüstern und wehendem Schweif verwendet Katja von Garnier diesmal, sondern verlässt sich viel mehr als in den Vorgängern auf die Kraft von Geschichte und Figuren. In groben Strich sind diese zwar gezeichnet, die Guten sind gut, die Bösen böse, Konflikte deuten sich lange im voraus ebenso an wie ihre Lösung, doch mit welch konsequentem Pathos von Garnier dies inszeniert ist beeindruckend.

Im besten Sinne altmodisch und klassisch wirkt der Abschluss der „Ostwind“-Trilogie dadurch, ein Pferde-Märchen, das zwar auf vollkommen unsubtile Weise eine Lanze für ein Leben der Tiere in freier Wildbahn bricht, genau durch diese emotionale, unzynische Erzählweise aber auch wuchtiges, kraftvolles Kino ist.
 
Michael Meyns