Per Anhalter durch die Galaxie

THE HITCHHIKER’S GUIDE TO THE GALAXY
USA/GB 2005
Regie: Garth Jennings
Drehbuch: Douglas Adams und Karey Kirkpatrick
Nach dem Roman von Douglas Adams
Kamera: Igor Jadue-Lillo
Schnitt: Nven Howie
Darsteller:  Martin Freeman, Mos Def, Sam Rockwell, Zooey Deschanel, Billy Nighy, John Malkovich
109 Minuten
Verleih: Buena Vista International
Start:  9.Juni 2005

Das Buch ist ein Klassiker, die BBC-Serie war Kult. Ein Vierteljahrhundert später reisen die legendären All-Anhalter endlich auch durch die Kino-Galaxie. Das Drehbuch stammt von Autor Douglas Adams höchstpersönlich. Nach dessen plötzlichem Tod hat ein Nicht-Fan das Skript vollendet. Keine Panik also, wenn man selbst Anhalter-Anfänger statt Anhänger ist. Vorkenntnisse erhöhen zwar den Unterhaltungswert, notwendig sind sie jedoch nicht. Die US-Charts zeigen imposant, dass bei diesem hintergründig schrägen Sci-Fic-Spektakel sich nicht nur Alt-Adamsianer amüsieren können, sondern auch die ‚next generation’ auf ihre Spaß-Kosten kommt. Die Fortsetzung ist bereits in Vorbereitung.

Weltweit wurde der Roman über 15 Millionen Mal verkauft, zu den bekennenden Fans gehören Paul McCartney, John Cleese oder Stephen Hawkins. Begeisterte Astronomen tauften sogar zwei Asteroiden nach den „Anhaltern“. Doch trotz „Ghostbusters“ und „Men in Black“-Erfolgen, traute sich die Traumfabrik nicht so recht an eine Sci-Fic-Komödie. Ivan Reitman, Jay Roach und Spike Jonze waren als Regisseure im Gespräch. Dann setzte Disney auf den britischen Video-Clipper Garth Jennings, der mit seinen „Blur“ und „REM“-Videos auf sich aufmerksam machte – und bereits mit seiner Herkunft die allerbesten Humor-Voraussetzungen für diesen Stoff besitzt. Dass mit „Chicken Run“-Autor Karey Kirkpatrick ein relativ ahnungsloser „Anhalter“ die Drehbuchvorlage von Adams fertig stellte, mögen Puristen bedauern. Für alle anderen ist diese Einsteiger-Perspektive durchaus nützlich, Vorkenntnisse des berühmten „Reiseführers“ sind für den Kinospaß nicht nötig. Was es mit seltsamen Handtüchern, melancholischen Robotern, raffinierten Delfinen oder der berühmten Zahl 42 alles auf sich hat, erfährt man im Film früh genug. Etwas knapp hingegen erfahren die Erdlinge, dass in zwei Minuten ihr Planet gesprengt werden muss, weil er einer neuen Weltall-Expreßroute im Weg ist. Wohl dem, der da ein Alien zum Freund hat. Davon hat Arthur Dent (Martin Freeman), der naive Held im Bademantel, zwar nie etwas geahnt. Doch Dent wird bald sehr viel mehr zum Staunen haben. Kaum hat ihn Kumpel Ford Perfect (Mos Def) auf ein UFO gebeamt, werden die beiden von der bürokratischen Vogonen-Crew, streng nach Vorschrift, gleich wieder hinaus auf die Milchstraße geworfen. Mit Glück gelangt das Duo auf das Raumschiff des galaktischen Präsidenten Zaphod Beeblebrox (Sam Rockwell). Der hat nicht nur zwei Köpfe, sondern auch Arthurs irdische Freundin sowie den depressiven Roboter Marvin an Bord. Gemeinsam begibt man sich auf die irrwitzige Odyssee durch die unendlichen Weiten – auf der Suche, nach der wichtigsten Frage des Lebens.

Jenseits vom „Star Wars“-Overkill inszeniert Jennings die „Anhalter“ auf die denkbar passendste Weise: Very british – sarkastisch, schrullig, schwarzhumorig. Bisweilen ein bisschen kindisch, manchmal fast altbacken. Aber wenn John Malkovich als Mann ohne Unterleib und spinnenartigen Roboterbeinchen als religiöser Führer im Elton John-Stil über den Tisch krabbelt, die Crew sich überraschend zu Woll-Püppchen verwandelt, Slartibartfast seine pompöse Planetenwerkstatt demonstriert, sind die kleinen Tempo-Schwächen schnell ausgebügelt. Vom Einsatz des putzigen ‚Babel Fisch’ bis zum verwandlungsfähigen Sperma-Wal ganz zu schweigen. Nonsens mit Tiefgang: Danke für den Fisch!    

Dieter Oßwald