Ploey – Du fliegst niemals allein

Im isländisch-belgischen Animationsfilm „Ploey“ tritt ein junger Zugvogel, der beim Wintereinbruch von seinen Artgenossen zurückgelassen wurde, eine abenteuerliche Reise an. Der für Grundschulkinder geeignete Film steckt voller Dramatik, Komik und Action, wobei die abwechslungsreiche Dramaturgie die recht detailarmen Animationen ausbügelt.

Webseite: www.kinostar.com

OT: Ploey – You Never Fly Alone
Island, Belgien 2018
Regie: Árni Ásgeirsson
Sprecher/innen (OV): Jamie Oram, Harriet Perring, Iain Stuart Robertson, Richard Cotton, Thorunn Erna Clausen, Thomas Arnold, Debbie Chazen, Doña Croll
Laufzeit: 83 Min.
Verleih: Kinostar
Kinostart: 18. Oktober 2018

FILMKRITIK:

Eigentlich zählt Ploey zu den Zugvögeln, doch mit dem Fliegen ist der kleine Goldregenpfeifer noch nicht warm geworden. Als der Jungvogel von einer Katze verschleppt wird, stellt er nach seiner Flucht fest, dass seine Artgenossen ohne ihn von der isländischen Küste gen Süden geflogen sind. Mit dem Mut der Verzweiflung will Ploey in der Zuflucht „Paradise Valley“ überwintern. Dafür wandert er zu Fuß über ein verschneites Gebirge, wehrt sich gegen Raubtiere und trifft neue Freunde, darunter das behäbige Schneehuhn Giver und der temperamentvolle Herr Maus.
 
Wem die Prämisse von „Ploey“ bekannt vorkommt, der hat vielleicht den ebenfalls in Europa produzierten Animationsfilm „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ aus dem Jahr 2017 gesehen. Auch dort verlor ein junger Vogel den Anschluss an seine Zugvogelfamilie und erlebte während der einsamen Reise in sommerliche Gefilde einige Abenteuer. Zudem bildet eine Vater-Sohn-Geschichte den emotionalen Kern beider Filme. In „Ploey“ verliert der Vater sein Leben, als er den Sohn aus den Fängen des Falken Shadow befreit. Sein Tod liegt als Schatten über Ploeys Reise, in deren Verlauf der zögerliche Junge in die Fußstapfen seines alten Herrn tritt.
 
„Ploey“ erfindet das Animationsfilmgenre weder thematisch noch ästhetisch neu. Stattdessen bedient das solide animierte Abenteuer erprobte Erzählmuster und Kinderfilm-typische Themen wie Selbstvertrauen, Freundschaft und erste Verliebtheit. Die fast durchgängig ertönende Orchestermusik unterstreicht sämtliche Wendungen und Gefühlslagen, damit beim jungen Zielpublikum keinerlei Unklarheiten aufkommen. Doch anders als das Kindchenschema der Cartoon-artigen Figuren vermuten lässt, decken der Regisseur Árni Ásgeirsson und der Drehbuchautor Friðrik Erlingsson ein sehr breites Spektrum an Emotionen ab, das auch hoch dramatische und nervenaufreibende Momente beinhaltet. Mal bietet der abwechslungsreiche Film turbulente Action mit Slapstick-Elementen, dann ausgelassene Komik, dann sanfte und nachdenkliche Momente mit dem gefühlvollen Titellied „You'll Never Fly Alone“.
 
Christian Horn