Rotschühchen und die sieben Zwerge

Die südkoreanische Produktion „Rotschühchen und die sieben Zwerge“ erzählt die bekannte Geschichte von Schneewittchen, peppt diese aber mit reichlich neuen Ideen auf und vermengt sie mit Elementen zahlreicher anderer Märchen. So geht es immer noch um Schneewittchen, das von der bösen Königin gejagt wird und auf die sieben Zwerge trifft. Die sind eigentlich märchenhafte Helden, wurden aber zum Zwergendasein verflucht. Nun müssen sie sich zusammenraufen, um zu bekommen, was sie sich wünschen: Den Vater zu finden und den Fluch zu brechen. Mit großen Hollywood-Produktionen kann der Film nicht ganz mithalten, einen gewissen Charme besitzt er aber schon.

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Red Shoes and the Seven Dwarfs
Südkorea 2019
Regie: Sung-ho Hong, Moo-Hyun Jang, Young Sik Uhm
Buch: Woong Sub Ahn, Sung-ho Hong, Woo Chul Jung
Länge: 92 Minuten
Verleih: Splendid
Kinostart: 5. Dezember 2019

FILMKRITIK:

Schneewittchens Vater ist verschwunden – entführt von ihrer Stiefmutter, der bösen Hexe Regina. Natürlich macht sich Schneewittchen auf die Suche nach ihrem Vater und stiehlt dabei mehr oder minder versehentlich Reginas rote Zauberschuhe, die nicht nur magische Kräfte besitzen, sondern das pummelige Mädchen zur umwerfenden Schönheit machen. Sie trifft schließlich auf die sieben Zwerge, denen sie sich als Rotschühchen vorstellt. Die Zwerge wiederum waren einst „Die furchtlosen Sieben“, die das Märchenreich vor allerhand Gefahren bewahrt haben, dann aber versehentlich eine potthässliche Prinzessin angegriffen haben, die sie wiederum verflucht hat. Gebrochen werden kann der Fluch nur durch den Kuss der schönsten Frau der Welt.
 
Die Animationen sind hübsch anzusehen, aber nicht gar so geschmeidig wie das bei ungleich teureren Produktionen aus dem Hause Pixar und Co. der Fall wäre. Sie sind aber schön genug, um nicht von der Geschichte abzulenken. Die wiederum ist ein sehr amüsantes Amalgam verschiedener Märchen. Mehrheitlich natürlich dem von Schneewittchen, aber auch andere klassische Märchen und Romane wie „Der Zauberer von Oz“ werden in den Film integriert. Ganz zu schweigen von den Zwergen selbst, zu denen auch Artus und Merlin gehören. Diese Vermengung aller möglichen Märchen- und Sagengestalten erinnert natürlich an „Shrek“, und das umso mehr, weil die Zwerge auch noch grün wie Oger sind.
 
Der Film versteht sich aber auch als Parodie auf Märchen und ihre gängige Erzählweise. Schon die erste Szene mit den furchtlosen Sieben ist grandios, denn erst werden sie als größte Helden aller Zeiten gezeichnet, dann erlauben sie sich den Fauxpas, eine Prinzessin anzugreifen, die sie eigentlich retten sollten – weil diese eben hässlich wie eine Hexe ist. Und schließlich weiß jeder, dass Prinzessinnen schön sein müssen.
 
„Rotschühchen und die sieben Zwerge“ spielt mit Schein und Sein, mehr aber noch mit der Frage, was Schönheit wirklich bedeutet. Denn auch Schneewittchen alias Rotschühchen ist sicherlich nicht das, was man als Schönheitsideal bezeichnen würde, aber ihre wahre Schönheit kommt von innen, weil es vor allem ihre Freundlichkeit und Herzlichkeit ist, die sie definiert.
 
Das ist eine schön formulierte Botschaft für die jüngsten Zuschauer, die älteren Begleiter können sich an der beschwingten, niemals träge werdenden Geschichte aber auch erfreuen. Diese südkoreanische Produktion mag nicht mit „Shrek“ vergleichbar sein, weil der Humor die Märchenwelt nicht subversiv untergräbt, aber Spaß macht dieser Ausflug in die Welt der Hexen, Zwerge und Flüche allemal.
 
Peter Osteried