Ruined Heart- Another Love Story Between A Criminal & A Whore

Wie der Untertitel von “Ruined Heart- Another Love Story Between A Criminal & A Whore”, dem neuen Film des philippinischen Regisseurs Khavn andeutet, geht es hier um Klischees und Stereotypen, die es kaum noch nötig machen, eine Geschichte zu erzählen. Das tut Khavn dann auch nicht, sondern reiht visuelle Experimente zu einem teils eindrücklichen, teils ermüdenden Bilderfluss aneinander.

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OT: Pusong Wazak: Isa Na Namang Kwento Ng Pag-Ibig Sa Pagitan Ng Puta At Kriminal
Philippinen/ Deutschland 2014
Regie, Buch: Khavn de la Cruz
Kamera: Christopher Doyle
Darsteller: Tadanobu Asano, Nathalia Acevedo, Elena Kazan, Andre Puertollano, Khavn, Vim Nadera
Länge: 73 Minuten
Verleih: Rapid Eye Movies
Kinostart: 26. März 2015
 

FILMKRITIK:

Jean-Luc Godard sagte einmal, dass man für einen Film nur ein Mädchen und eine Pistole braucht. In diesem Sinne ist der neue Film des philippinischen Regisseurs Khavn („Mondomanila“) geradezu überladen, denn nicht nur ein Mädchen und eine Pistole bevölkern “Ruined Heart- Another Love Story Between A Criminal & A Whore”, sondern zusätzlich zahlreiche Gangster, Zuhälter, Drogendealer und andere Gestalten des Nachtlebens und der Unterwelt Manilas. Charaktere im klassischen Sinne sind diese Figuren jedoch nicht, sondern vielmehr Stereotype: Der Kriminelle (Tadanobu Asano) wird im Abspann einfach als „Der Kriminelle“ bezeichnet, dazu gesellen sich „Die Hure“ (Nathalia Acevedo) „Die Geliebte“ (Elena Kazan) „Der Freund“ (Andre Puertollano), „Der Pianist „ (Regisseur Khavn selbst) und schließlich „Der Pate (Vim Nadera).

Was diese Figuren erleben muss man nicht weiter beschreiben, der Titel deutet die Eckpfeiler der Handlung an, die kaum mehr als angedeutet wird. Es ist das klassische Sujet von der schönen Hure, die mit einem im Kern ehrenhaften Gangster aus dem Sumpf der Kriminalität ausbrechen will, aber letztlich scheitert. Die offensichtliche Banalität dieser Geschichte wird noch durch das praktisch völlige Fehlen von Dialogen betont, denn Worte würden hier ohnehin nur stören.

Das bewusst lose Abstecken von Stereotypen, einer Geschichte, die altbekannt ist, dient Khavn nun als Hintergrund für visuelle und aurale Spielereien, die „Ruined Heart“ zu einem eklektischen Spielfeld für allerlei Experimente macht. Neben einem ebenfalls von Khavn geschriebenem Score sind zahllose Musik-Stücke aus allen Genres zu hören, von klassischer Musik bis hin zu Rock, Pop, Schnulzen, Techno-Rhythmen und gar einem Neue Deutsche Welle-Song. Meist werden diese Lieder in voller Länge gespielt, was dem Treiben den Anschein einer Aneinanderreihung von inhaltlich lose verbundenen Musikvideos gibt.

Ähnlich breit gefächert wie die Musik ist auch der visuelle Ansatz, für den Christopher Doyle verantwortlich zeichnet, der für seine Arbeit an den frühen Filmen Wong Kar-Wais wie „Chungking Express“ und „Fallen Angels“ berühmt wurde und seitdem zwischen kleinen asiatischen Independentproduktionen, Hollywoodfilmen und allem, was man sich dazwischen vorstellen kann, seine Vielseitigkeit unter Beweis gestellt hat. Grob gesagt zeigt er in „Ruined Heart“ die ganze Bandbreite der filmischen Möglichkeiten, filmt auf 35mm, aber auch mit kleinen Go-Pro-Kameras, die sonst eher zur Action-Fotographie verwendet werden, experimentiert mit grellen Farben, rasanten Kamerabewegungen und vielem anderen.

Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht ein Potpourri filmischer Möglichkeiten, die bisweilen beeindrucken, bisweilen ermüdend willkürlich wirken, auch wenn „Ruined Heart“ dank eines ausufernd langen Abspanns kaum mehr als eine Stunde lang ist. Jedermanns Sache ist dieser filmische Tour-de-Force-Ritt mit Sicherheit nicht, als impressionistischer Blick in die Halbwelt Manilas kann man „Ruined Heart“ eine ganz eigene Qualität aber nicht absprechen.
 
Michael Meyns