Suzi Q

„Suzi Q“ erzählt die Geschichte einer Musikerin, die als eine der allerersten Frauen in der „Männer-Domäne“ Rock Erfolg hatte: Suzie Quatro. Der schonungslos ehrliche, liebevoll umgesetzte Mix aus Musik-Doku und Künstler-Porträt blickt hinter die Kulissen des Musik-Biz und begleitet die Künstlerin bei ihrer Rückkehr in ihre Heimat nach Detroit. Darüber hinaus kommen Fans der ersten Stunde, Rock-Ikonen sowie weitere Wegbegleiter zu Wort. Es entsteht das umfassende Bild einer Frau, die unbeirrt ihren Weg ging und der Rockmusik ihren ganz eigenen Stempel aufdrückte.

Webseite: www.arsenalfilm.de

Australien 2019
Regie: Liam Firmager
Darsteller: SuziQuatro, Alice Cooper. Cherie Currie, KT Tunstall, Patti Quatro, Don Powell
Länge: 100 Minuten
Kinostart neu: 4.6.2020
Verleih: Arsenal Filmverleih

FILMKRITIK:

Suzie Quatro definierte das Image der Frau im Rock`n`Roll völlig neu und wurde zur Inspiration für unzählige Künstler. Eine aus einfachen Verhältnissen in Detroit stammende Frau, die mehr als 50 Millionen Alben und Singles (von „Can the Can“ über „48 Crash“ bis hin zu „Devil Gate Drive“) verkauft hat und mit fast 70 Jahren noch immer auf der Bühne steht. Vor Quatro gab es keine Rockmusikerinnen auf dem Cover der Fachpresse und auch Bands wurden nur selten von Frauen angeführt.

Selbst wenn Suzie Quatro im Vergleich zu anderen Stars der Glam-Rock-Ära wie David Bowie oder Kiss heute vermutlich weniger (vor allem jungen) Menschen ein Begriff ist: Ihr immens wichtiger Einfluss auf die Stellung der Frau in der Rockmusik kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Für die mit zahlreichen raren TV-Ausschnitten und tollem Bildmaterial angereicherte Doku ist dies ein ganz zentraler Aspekt, der sich vor allem in den Gesprächen mit anderen Musikerinnen und Musikern offenbart.

Wenn Debbie Harry (Blondie) oder ein Mitglied der Frauenband „The Go-Go’s“ mit leuchtenden Augen von jenem Moment berichten, in dem sie Quatro zum ersten Mal im Radio gehört oder auf der Bühne gesehen haben, wird klar: Es muss ein Erweckungserlebnis sondergleichen gewesen sein. Sie hörten und sahen eine junge Frau, die sich ab 1973 zu einer Rock’n’Roll-Pionierin entwickelte und auch jene wilden, rebellischen Klänge vorwegnahm, die ab 1977 Punk genannt wurden. Die Vielzahl an Interviewpartnern aus den verschiedenen Rock-Subgenres erweist sich dabei als großer Vorteil.

Denn die Band-Mitglieder berichten ausführlich und offenherzig davon, wie ihr jeweiliger Stil und ihre Musik von Quatros ebenso pulsierenden wie massentauglichen Rocksongs sowie ausgefeilten Techniken profitierten. Darunter Brian Connolly von „The Sweet“ (Glam-Rock), Tina Weymouth und Chris Frantz von den „Talking Heads“ (New Wave) oder Wendy James (Alternative Rock). Mitreißende Konzert-Mitschnitte und Live-Impressionen aus den 70er-Jahren verdeutlichen darüber hinaus die Energie und Leidenschaft, mit der die gelernte Bassistin Quatro auf der Bühne agierte.

Dramaturgisch geht Firmager keine Experimente ein, da er Quatros Werdegang starr chronologisch schildert: von der Kindheit in Detroit und der Mitgliedschaft in der Frauen-Band „Pleasure Seekers“ über die großen Erfolge in den 70er-Jahren bis hin zu den zunehmenden privaten Problemen ab den mittleren 80er Jahren. Den Anfang vom Ende ihrer Ehe mit ihrem Gitarristen Len Tuckey markierten Quatros Versuche, ab 1985 mit Musicals (u.a. „Annie get your gun) an frühere Erfolge anzuknüpfen. „Suzie Q“ spart auch die weiteren Krisen und Schicksalsschläge im Leben von Quatro nicht aus. Etwa den Bruch mit ihrer Familie und den „Pleasure Seekers“, als Quatro diese für ihre Solo-Karriere in Richtung London verließ. Einige Schwestern von Quatro waren Teil der Band.

Genauso versucht der Film zu hinterfragen, wieso die Musikerin in ihrer US-amerikanischen Heimat nie der Durchbruch gelang. „Die Zeit war dort einfach noch nicht reif für eine Frau wie Suzi Quatro und ihre Musik“, erklärt einer der Befragten. Rund acht Jahre später war sie es. Denn 1981 gelang der glühenden Quatro-Verehrerin Joan Jett (sie kommt im Film zu Wort und gibt amüsante Anekdoten zum Besten) ein Erfolg, nach dem sich Quatro so lange sehnte: Mit „I love Rock’n’Roll“ erreichte Jett Platz eins der US-Single-Charts. Textlich wie musikalisch ist das Lied von Suzie Quatro, der „Königin des Rock’n’Roll“, beeinflusst.

Björn Schneider