Sweethearts

Drei Jahre nach ihrem ersten Film „SMS für dich“ meldet sich Karoline Herfurth in Doppelfunktion zurück: Als Regisseurin, aber auch als Hauptdarstellerin. Am Drehbuch hat sie auch mitgeschrieben und erzählt eine recht konventionelle Geschichte über eine Räuberin und ihre Geisel, die sich flugs näherkommen. Das hat weniger Tiefgang als ihr Erstling, aber auch weniger Kitsch, ist einfach funktionierendes Unterhaltungskino.

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Deutschland 2019
Regie: Karoline Herfurth
Darsteller: Karoline Herfurth, Hannah Herzsprung, Frederick Lau, Ronald Zehrfeld
Länge: 98 Minuten
Verleih: Warner
Kinostart: 14. Februar 2019

FILMKRITIK:

Alles beginnt mit Franny (Karoline Herfurth), die von Panikattacken geplagt wird und darum Zwangsurlaub machen soll. Allerdings läuft sie geradewegs Mel (Hannah Herzsprung) über den Weg, die gerade einen Juwelier ausgeraubt hat und eine Geisel braucht. Die Flucht sollte eigentlich schnell gehen, aber wie das halt so ist, kommt es zu Komplikationen. Franny gerät in Panik, Mel verliert ihre Maske, und beide sind erstmal aneinander gekettet. Denn die Beute muss verschoben, das Geld einkassiert und anderen Verbrechern aus dem Weg gegangen werden. Doch das ist gar nicht so leicht, zumal die Schwierigkeiten immer mehr überhandnehmen, als ihnen zufällig der Polizist Harry (Frederick Lau) über den Weg läuft.
 
Die Vorbilder für Herfurths Film sind schnell klar. Sie wandelt auf den Pfaden des besonders in den 1980er Jahren in den USA erprobten Subgenres der Action-Komödie, dem Buddy-Movie, bei dem zwei ungleiche Figuren sich erst nicht leiden können, dann zusammenraufen müssen und schließlich zu echten Freunden werden. „Sweethearts“ zieht dabei die genretypischen Register, ohne dass es wirklich originelle Einfälle gäbe. Denn auch Frannys Panikattacken sind nichts, was in dieser Form einmalig wäre.
 
Mit Überraschungen ist nicht zu rechnen, die Umsetzung ist jedoch solide, so dass innerhalb der Parameter eine flott erzählte Geschichte herauskommt, die genug Charme hat, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Der Film funktioniert auch, weil Herfurth sich mit Herzsprung eine Partnerin geholt hat, mit der sie sehr gut harmoniert. Es macht Spaß, den ungleichen Figuren zuzusehen. Auch Frederick Lau fügt sich sehr gut ein. Anfangs hat er weniger zu tun, dann ist es vor allem die Interaktion mit der schnell hyperventilierenden Franny die für ein paar herzhafte Lacher sorgt.
 
Wie schon bei „SMS für dich“ fällt auf, dass die musikalische Unterlegung sehr gelungen ist. Herfurth hat ein Gespür dafür, im richtigen Moment bekannte, aber auch perfekt passende Songs auszusuchen, die das Geschehen noch unterstützen. Kameramann Daniel Gottschalk taucht das Ganze in schöne Bilder und gewinnt vor allem den etwas abseitigeren Ecken von Berlin etwas ab.
 
„Sweethearts“ mag etwas weniger Tiefgang haben als ihr Erstling, schämen muss sich Karoline Herfurth für diesen Film aber wahrlich nicht. Er erfindet das Rad nicht neu, weiß aber, wie man es in Bewegung hält.
 
Peter Osteried