Sword Of God

Das Kino ein visuelles Medium ist, wird oft vergessen, funktionieren Filme doch meist über Worte und nicht über Bilder. Bartosz Konopka wählt in seinem Film „Sword of God“ einen anderen Weg, erzählt fast nur mit Bildern vom Aufeinanderprallen und schließlich dem Kampf der Kulturen. Ein archaischer, blutiger Film über Religion und Humanismus.

Website: cinemaobscure.blogspot.com

Krew Boga
Polen/Belgien 2020
Regie: Bartosz Konopka
Buch: Bartosz Konopka, Przemyslaw Nowakowski, Anna Wydra
Darsteller: Krzystof Piecznski, Karol Bernacki, Wiktoria Gorodecka, Jacek Koman, Jan Bijvoet, Jereon Perceval
Länge: 100 Minuten
Verleih: Drop-Out Cinema
Kinostart: 26. März 2020

FILMKRITIK:

In völliger Orientierungslosigkeit beginnt „Sword of God“, in einem Ruderboot, irgendwo auf dem Meer, irgendwann im Mittelalter. Zwei Männer sind die einzigen Überlebenden von einer wohl größeren Expedition: Willibrord (Krzystof Pieczynski), der ältere der beiden, ein Priester und ein namenloser jüngerer Mann (Karol Bernacki), der ein Ritter ist oder war.

Gemeinsam landen sie an einem verlassenen Strand, auf einer Insel, auf der in den Bergen ein wilder Stamm lebt. Die Aufgabe der beiden ist schnell klar: Den Stamm der Heiden, die in Höhlen leben, meist mit Erde bedeckt und in Fell gekleidet sind, zu missionieren. Die Methoden des Duos könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Während Willibrod versucht, seinen Glauben mit Stärke durchzusetzen, agiert der Ritter vorsichtiger. Er versucht sich den Heiden anzunähern, darunter einer Frau (Wiktoria Gorodecka), die die Tochter des Anführers des Stammes zu sein scheint.

Nachdem Willibrord den Schamanen des Stammes zu einem Duell der Glauben herausfordert, unverletzt durch Feuer geht, während der Schamane in Flammen aufgeht, eskaliert die Situation und zwei Fraktionen bilden sich: Anhänger des Priesters und des Ritters, der sich in einem radikalen Akt den Mund zunäht.

Nicht erst mit dem tatsächlichen Verstummen einer der Hauptfiguren wird „Sword of God“ zunehmend zum bildgewaltigen Stummfilm. Von Anfang an verzichtet Bartosz Konopka auf jedes unnötige Wort, zumal er seine beiden Helden bewusst isoliert. Die Sprache der Heiden wird nicht untertitelt, der Zuschauer bleibt ebenso ein Außenstehender wie die Eindringlinge, die selbsternannten Missionare.

Wo genau sie von ihrem König hingeschickt wurden, bleibt offen, was die Geschichte umso archaischer, umso allegorischer erscheinen lässt. Und unweigerlich auch als Reflexion über das heutige Polen, ein Land, das in den letzten Jahren immer mehr nach rechts rückte, in dem der Katholizismus hochgehalten wird, in dem Fremde immer wieder angegriffen werden. Viele polnische Künstler thematisieren diese Entwicklung in ihren Werken, allen voran die kürzlich mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Olga Tokarczuk, meist gehen sie dabei verklausuliert vor, so wie auch Konopka.

In rohen, oft brutalen Bildern zeigt er eine Kultur am Scheideweg. Nicht die Heiden sind dabei die bedrohlichen Elemente, sondern die scheinbar zivilisierten Ritter und Priester. Dass der Zuschauer mit ihnen gleichgesetzt wird, mit ihrem Blick, die Kultur der Heiden entdeckt, durch die Sprachbarriere ebenso wie sie außen vor bleibt, zwingt ihn in die Rolle der Täter. Welche Folgen Intoleranz hat, zeigt sich schließlich im blutigen Finale eines eindrucksvollen, bildgewaltigen Historienfilm, der mehr über die heutige Zeit erzählt, als es auf den ersten Blick scheint.

Michael Meyns