The Music Of Strangers – Yo-Yo Ma & the Silk Road Ensemble

Die Kraft der Musik beschwört Oscar-Gewinner Morgan Neville („20 Feet From Stardom“) auch in seiner neuen Dokumentation „The Music of Strangers“, deren Untertitel Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble auch schon den Inhalt wiedergibt: Ein atemberaubendes Porträt des Cellisten Yo-Yo Ma und des von ihm gegründeten Weltmusik-Ensembles, das angetreten ist, die Welt mit Musik zu einen. Eine begeisternde Entdeckungsreise durch viele Facetten der Weltmusik.

Webseite: www.themusicofstrangers-derfilm.de

USA 2015 – Dokumentation
Regie: Morgan Neville
Länge: 96 Minuten
Verleih: NFP, Vertrieb: Filmwelt
Kinostart: 22. September 2016
 

Pressestimmen:

"…überzeugend und mitreißend. Das spürt man in jeder Szene dieses Dokumentarfilms."
Süddeutsche Zeitung

FILMKRITIK:

Der chinesisch-amerikanische Cellist Yo-Yo Ma zählt zu den wenigen klassischen Musikern, der auch Menschen bekannt ist, die ansonsten wenig mit klassischer Musik am Hut haben. Er ist ein Superstar seiner Zunft, ein Wunderkind, dass schon im zarten Alter von sieben Jahren im Weißem Haus für den damaligen Präsidenten John F. Kennedy spielte. So einfach fiel ihm seine Kunst, dass er bald nach neuen Wegen suchte und im Jahr 2000 das Silk Road Ensemble (Seidenstraßen-Ensemble) gründete. Musiker aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen versammeln sich hier, um gemeinsam zu spielen und nicht zuletzt zu zeigen, dass die Gräben zwischen den Völkern gar nicht so groß sind, wie sie manchmal scheinen.
 
Beseelt von diesem völkerverbindenden Gedanken ist auch Morgan Nevilles Dokumentation, die vor der schwierigen Frage steht, worauf der Schwerpunkt zu legen ist: Der unbestrittene Star des Ensembles ist Yo-Yo Ma, er ist das Zentrum, auch wenn er das möglicherweise selber ganz anders sieht. Seine Großzügigkeit im Umgang mit anderen Musikern ist offensichtlich, ebenso sein Interesse an ungewöhnlichen Instrumenten, neuen Melodien, anderen Traditionen.
 
Einige dieser Musiker stellt Neville ausführlicher vor, in kurzen Episoden, die stets darum bemüht sind, die verbindende Kraft der Musik zu betonen. Aus Galizien, im spanischen Nordwesten, stammt etwa die Dudelsackspielerin Cristina Pato, die inzwischen ein eigenes Musikfestival in ihrer Heimat ins Leben gerufen hat. Ein deutlich schwierigeres Leben hat der syrische Klarinettist Kinan Azmeh hinter sich, der inzwischen ebenso im Exil lebt wie der aus Iran stammende Kayhan Kalhor. Wenn er die Kamantsche spielt, ein traditionelles Streichinstrument seiner Heimat, meint man die Tragik der wechselvollen Geschichte Persiens zu hören.
 
Doch trübsinnig geht es hier nur selten zu, jedem kurzen Moment der Introspektion lässt Neville schnell wieder die Euphorie der völkerverbindenden Musik folgen. Ein wenig glatt erzählt mutet das alles an, zumal er letztlich wenig über die ursprünglichen Intentionen des Silk Road Ensembles berichtet und auch über ihre gegenwärtige Arbeit kaum mehr zu sagen hat, als das hier hochtalentierte Musiker aus aller Welt zusammen Musik machen. Dies tun die Musiker mit augenscheinlicher Begeisterung, egal ob sie in eher sterilen Konzertsälen oder am Ufer des Bosporus auftreten. Diese Begeisterung über das eigene Tun ist durchaus ansteckend.
 
Michael Meyns